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KornwestheimGrüne Kritik an der schwarzen Brause

Gaby Mayer, vom 27.12.2012 00:00 Uhr
Auf der ganzen Welt – beispielsweise in China – füllt Coca-Cola Getränke ab. Die Produktionsbedingungen stehen mancherorts in der Kritik. 
Auf der ganzen Welt – beispielsweise in China – füllt Coca-Cola Getränke ab. Die Produktionsbedingungen stehen mancherorts in der Kritik. 

Foto:AP Foto:  
Auf der ganzen Welt – beispielsweise in China – füllt Coca-Cola Getränke ab. Die Produktionsbedingungen stehen mancherorts in der Kritik. Auf der ganzen Welt – beispielsweise in China – füllt Coca-Cola Getränke ab. Die Produktionsbedingungen stehen mancherorts in der Kritik. Foto:APFoto:  

Kornwestheim - Wenn Familien bei ihrem Besuch der Kinderwelt, die im kommenden Jahr im Wette-Center eröffnen soll, eine Pause brauchen, dann können sie sich im Bistro stärken. Im Gastronomiebereich wird es kleine Speisen und Getränke geben – unter anderem Softdrinks von Coca-Cola. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde bereits unterzeichnet, sagt Karl-Heinz Horn, Geschäftsführer der Ravensburger Freizeit und Promotion GmbH. Eine Zusammenarbeit, die auf heftige Gegenwehr der Grünen-Fraktion stößt.

Nachdem in nicht öffentlicher Gemeinderatssitzung über die Kooperation informiert wurde, übt sich Stadtrat Claus Langbein in Kritik: Wie könne es sein, dass der jüngst gegründete städtische Eigenbetrieb Ravensburger Kinderwelt mit Coca-Cola und damit ausgerechnet mit einem Konzern zusammenarbeite, dessen Handelspartner für schlechte Arbeitsbedingungen in Zuckerrohrplantagen und Orangenhainen bekannt seien? Die Niedrigstlöhne zahlten, sodass Kinder gezwungen seien, einen Knochenjob anzunehmen, um die Familien mit zu ernähren? Gewerkschaftliche Aktivitäten würden zudem unterbunden und die Arbeiter schädlichen Pestiziden ausgesetzt, so Langbein weiter. Die Zusammenarbeit zwischen städtischem Eigenbetrieb und Coca-Cola widerspreche daher den Vergaberichtlinien, die sich die Stadt vor einigen Jahren selbst auferlegt hat. Damals beschloss der Gemeinderat, nur noch auf faire Produkte zu setzen, die nachweislich unter menschenwürdigen Bedingungen und möglichst in der Region hergestellt werden. So wollte die Stadt ihren Teil gegen ausbeuterische Kinderarbeit und für den Umweltschutz tun.

Auf dem Ratstisch steht seitdem keine Coca-Cola mehr, sondern eine Limonade aus der Region. Dass Coca-Cola-Getränke nun gerade in der Kinderwelt ausgeschenkt werden sollen, führe das Ja zu fairen Produkten ad absurdum, findet Langbein. „So darf man nicht im Beschlüssen des Gemeinderats umgehen. Die Verwaltung spielt ein falsches Spiel“, erbost sich der Stadtrat. „Auf der einen Seite haben wir das pädagogisch sinnvolle Konzept der Spielewelt, was Kindern hier vor Ort nur nützen kann, auf der anderen Seite unterstützen wir die Ausbeutung von Kindern in Entwicklungsländern.“ Und dass die süßen Limonaden dazu angetan seien, Kindern die Schädlichkeit von zu viel Zuckerkonsum nahe zu bringen, bezweifelt er obendrein.

Die Ravensburger Freizeit und Promotion GmbH, betont Karl-Heinz Horn, habe hingegen nur positive Erfahrungen mit Coca-Cola gemacht. Mit dem Konzern arbeite Ravensburger schon immer in seinem Spieleland in Meckenbeuren zusammen. Nicht nur, weil sich der Getränkehersteller mit einem gewissen Geldbetrag und der Bereitstellung von Zapfanlagen und Kühlschränken dafür revanchiert, dass er Hauptlieferant für den Freizeitpark ist. Sondern auch, weil Coca-Cola den strengen Richtlinien von Ravensburger Stand halte. Jeder Kooperationspartner werde auf seine Markenverträglichkeit hin unter die Lupe genommen, müsse also zu Ravensburger und dessen Firmenphilosophie passen. „Bei Coca-Cola sehe ich keine Probleme“, sagt Horn, „wir stehen zu dem Partner.“ Weswegen Ravensburger nicht nur in seinem Spieleland, sondern auch in der Kinderwelt im Wette-Center mit dem Konzern zusammenarbeiten wolle. Im Gastronomiebereich des Kornwestheimer Ablegers von Ravensburger wird es also Coca-Cola-Getränke geben – aber nicht nur, wie der Geschäftsführer betont. Auch Produkte aus der Region – etwa Wasser oder Bier – sollen ausgeschenkt werden. Womit zumindest einer Forderung der Vergaberichtlinien Rechnung getragen werde: dem Kauf von Produkten regionaler Hersteller. Diese Maßgabe sei im übrigen auch ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Verwaltung für ihre Sitzungen keine Coca-Cola mehr beziehe, sondern die Limonade aus Sachsenheim, sagt Ursula Keck. Grundsätzlich, betont die Oberbürgermeisterin, sei es der Stadt wichtig, dass keine sozialen oder ökologischen Gesichtspunkte gegen Kooperationspartner sprechen. „Und das prüft Ravensburger für uns.“

Auch wenn der Vertrag mit Coca-Cola bereits unter Dach und Fach ist, für die Grünen ist das Thema nicht abgehakt. Claus Langbein wurde für seine Fraktion in den Beirat berufen, der den Aufbau und die Arbeit des städtischen Eigenbetriebs Ravensburger Kinderwelt begleiten soll. Er werde das Sponsoring wieder ansprechen, kündigt Langbein an. Die Grünen wollen zudem die Vergabepraxis der Stadt hinterfragen. Das Beispiel Kinderwelt zeige, dass es die Verwaltung wohl doch nicht ernst mit den Vergaberichtlinien meine, sagt Langbein. „Ich hab schwer den Verdacht, dass man hier und da etwas kosmetisch macht, der Rest bleibt im Verborgenen.“

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