KornwestheimHallenboden: Stadt verklagt die Baufirma

Marius Venturini, vom 15.03.2017 07:00 Uhr
Derzeit gesperrt: die ESG-Halle. Foto: Marius Venturini
Derzeit gesperrt: die ESG-Halle.Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Lange Zeit hat sich niemand zum Thema Gymnasiumhalle geäußert. Doch mittlerweile steht fest: „Die Stadt wird die Baufirma auf Wiedergutmachung und Mängelbeseitigung verklagen.“ Das sagt Baubürgermeister Daniel Güthler auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach nur eineinhalb Jahren Nutzung war die Halle des Ernst-Sigle-Gymnasiums im Dezember für den Betrieb geschlossen worden, da sich an einigen Stellen der neu verlegte Boden gewellt hatte. Sport ist in dem rund fünf Millionen Euro teuren Bauwerk, das erst im Juni 2015 mit großem Trara eröffnet worden war, seitdem nicht mehr möglich.

Mit der Klage will die Stadtverwaltung nun einem möglichen Hickhack in Sachen Versicherung und Gutachterbestellung aus dem Weg gehen. „Die Firma schlägt ein Beweissicherungsverfahren mit Gutachter vor“, erläutert Güthler, „weil sie selbst klären will, ob sie selbst Schuld an den Mängeln trägt oder der Lieferant des Schüttmaterials, das beim Verlegen des Bodens verwendet worden ist.“ Dieses Vorgehen würde aus Sicht der Stadt allerdings das gesamte Prozedere in die Länge ziehen. „Und das wollen wir nicht“, betont Güthler.

Insgesamt geht es um einen Schlussrechnungsbetrag von 83 000 Euro, wie Sven Koch, Leiter des städtischen Fachbereichs Gebäudemanagement, auf Nachfrage mitteilt. In der Summe sind der Boden sowie Aufbau und Dämmung inbegriffen. Baubürgermeister Güthler geht davon aus, dass während des Gerichtsverfahrens ohnehin ein Gutachter bestellt wird – und dieser dann auf jeden Fall auch gerichtlich anerkannt ist, was im Falle des von der Baufirma angestrebten Beweissicherungsverfahrens nicht zwingend gegeben wäre. Und wo er schon mal dabei ist, wird Güthler noch deutlicher: „Es ist für mich unverständlich, wie eine Versicherung dabei solche Probleme machen kann.“ Daher habe man sich gleich für eine Klage entschieden, die in den kommenden Tagen eingereicht werde. „Es ist eigentlich schlimm, dass man dabei solche Wege gehen muss.“ Und er ergänzt: „Wir als Auftraggeber sind die Gelackmeierten, und das Ganze auf unserem Rücken auszutragen, das akzeptieren wir nicht.“

Nun werde man für die Klage „Personal binden und Geld aufnehmen“ müssen, so ein alles andere als amüsierter Güthler. Denn auch ein Gerichtsprozess dürfte nicht von heute auf morgen erledigt sein. Bis zum Beispiel die Volleyballer des SV Kornwestheim wieder an ihre angestammte Trainingsstätte zurückkehren können, wird es also so oder so noch eine ganze Weile dauern.

Der Boden der ESG-Halle war im Sommer 2016 untersucht worden, weil er Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche gezeigt hatte. Das Ergebnis: Die Verlegearbeiten am Untergrund waren nicht fachmännisch ausgeführt worden, der Boden lag nicht mehr „in der Norm“. Ob die Verfüllung sich wegen mangelhafter Sorgfalt gesetzt hat oder die Unterbodenkonstruktion fehlerhaft ist, konnte schon damals nicht mit Sicherheit festgestellt werden.