Kornwestheim „Hohler Zahn, der nach Bebauen schreit“

Eva Tilgner, vom 12.01.2018 12:09 Uhr
  Foto: QUEISSER GmbH, Bönnigheim
  Foto: QUEISSER GmbH, Bönnigheim

Kornwestheim - Warum solle ausgerechnet die Jakobstraße für das Gemeinwohl herangezogen werden? Und warum sei die Anzahl der Personen so groß, die als Mieter dort einziehen sollen? Einige Anwohner in der Jakobstraße sind genervt. Ihre Fragen und Kritikpunkte zu dem städtebaulichen Projekt „Preisgünstiger Mietwohnraum in der Jakobstraße“ konnten sie bei der Bürgerinfo-Veranstaltung im Kornwestheimer Rathausfoyer am Mittwochabend loswerden. Der Baubürgermeister Daniel Güthler hielt fest: „Wir stehen noch ganz am Anfang mit der Planung“. Ziel der Stadt und der Städtischen Wohnbau Kornwestheim sei es, preisgünstigen Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in solider Bauweise an städtebaulich integrierten Standorten zu erstellen. In der 1136 Quadratmeter großen Baulücke in der Jakostraße 8/10 könnten künftig 80 Personen in zwei Häuserblöcken leben. Eine Vorstudie des Büros Queisser aus Bönnigheim als Vorschlag wie die beiden Gebäude aussehen könnten, präsentierte Baubürgermeister Daniel Güthler. Danach ist das hintere Gebäude ist dreigeschossig angedacht. Das vordere, an der Straße gelegene Haus könne vier Geschosse mit einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss erhalten.

470 Personen bewerben sich in Kornwesteheimum Wohnraum

„Die Baulücke in der Jakobstraße ist ein hohler Zahn, der nach Bebauen schreit“, stellte Güthler fest. Die Zahl der Wohnungssuchenden steige ständig. Waren es vor vier Jahren noch 350 Personen, seien es inzwischen 470 Personen, die sich bei der Städtischen Wohnbaugesellschaft um Wohnraum bewerben. Außerdem sei die Stadt Kornwestheim in diesem Jahr verpflichtet, 155 Menschen die Anschlussunterbringung zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um ehemalige Flüchtlinge, die nach dem Asylverfahren ein Bleibrecht in Deutschland zuerkannt bekamen. „Die Herausforderung sozialen, angemessenen und ausreichenden Wohnraum zu schaffen, beschäftigt die Politik“, sagte Oberbürgermeisterin Ursula Keck.

Vorbild Mietmodell Hornbergstraße 69/71

Der vorgestellte Lösungsansatz für die Jakobstraße löste im Rathausfoyer keine Begeisterungstürme aus: „Viel zu eng“, meinte eine Besucherin. Als Vergleich führte sie an, dass im angrenzenden Nachbarhaus nur acht Personen lebten. „Die Wohnungseinheiten entsprechen den aktuellen Regelwerten für angemessene Wohnungseinheiten“, widersprach Güthler. Ein Zwei-Personen Haushalt wird danach mit 45 Quadratmetern geplant – jede weitere Person mit 15 Quadratmetern. Bei den Planungen für Neubauten mit preisgünstigem Mietwohnraum orientiere sich die Stadt an zwei Prämissen: „Uns ist wichtig, dass man den Häusern nicht ansieht, dass die Mieten niedrig sind und dass sie in das Stadtbild passen“, sagte Güthler. Außer diesen Vorgaben solle das Wohnraummodell die Integration nach Vorbild der Mietergemeinschaft in der Hornbergstraße 69/71 fortsetzen. Hier wohnen seit Oktober 2017 verschiedene Mieter: Mitarbeiter der Stadt etwa, Menschen, die schon lange Jahre bei der Städtischen Wohnbau Mieter sind, sowie auch Menschen mit Migrationshintergrund und Anspruch auf Anschlussunterbringung. „Das Haus funktioniert“, berichtete der Baubürgermeister.

Anwohner skeptisch wegen der engen Bebauung

Ob das auch in der Jakobstraße funktionieren kann, daran äußerten zumindest einige Anwohner Zweifel: „Wenn so viele Menschen dort einziehen, wird es noch mehr Lärm geben.“ Früher sei die Jakobstraße doch ein „Nebensträßle“ gewesen. „Neben dem hohen Verkehr müssen wir jetzt auch noch die Wertminderung durch sozialen Wohnungsbau in der Nachbarschaft hinnehmen“, so ein Anwohner. Das Argument ließ die OB nicht gelten: „Wir haben bei der Entwicklung der Straße Wert auf Urbanität gelegt. „Die Anregungen aus der Infoveranstaltung nehme sie gerne mit. „Wir müssen darauf achten, dass die Bewohnerstruktur ausgewogen wird“, sagte Keck. Denkbar seien ein Hausmeisterservice und der Einsatz von Sozialarbeitern – ähnlich wie in der Hornbergstraße. Alles sei möglich, denn: „Wir stehen noch am Anfang der Diskussion.“