Kornwestheim Insolvenz angemeldet: „Applaus“ verebbt

Werner Waldner, vom 08.08.2017 00:00 Uhr
Insolvenz angemeldet: „Applaus im K“ Foto: Michael Bosch
Insolvenz angemeldet: „Applaus im K“ Foto: Michael Bosch

Kornwestheim - Am späten Montagnachmittag vermeldeten Fred Oed und Ralph Wagner, dass sie für ihr Restaurant im K Insolvenz angemeldet haben. Sie stehen bei der Stadt Kornwestheim mit zwei Monatspachten in der Kreide, die Stadt Kornwestheim hat ihnen fristlos zum 15. August gekündigt. Und damit schließt sich in den nächsten Tagen mal wieder der Vorhang im früheren Parkrestaurant, nachdem schon die Vorgänger Vernissage (im Dezember 2014) und Schwabenschmiede (im März 2016) hatten schließen müssen, weil sich der Betrieb nicht mehr rechnete.

In den vergangenen Wochen gab’s eine Reihe von Gesprächen, die nicht zu einer Einigung führten. Das „Applaus im K“ verlangte Änderungen im Pachtvertrag und eine professionellere Vermarktung des Kongressbereiches. Die Stadt ihrerseits bemängelte nicht nur die ausgebliebene Pacht, sondern auch fehlende Unterlagen, zum Beispiel den Jahresabschluss 2016, der ihr laut Vertrag vorgelegt werden muss, so der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier. Der fristlosen Kündigung, die am 28. Juli ausgesprochen wurde, folgte noch das Angebot der Stadt, dass der Betrieb bis zum 31. Dezember weitergeführt werden darf. Darauf wollten sich die Applaus-Geschäftsführer nicht mehr einlassen. Diese fristlose Kündigung mache es ihnen unmöglich, eine „positive Fortführungsprognose zu formulieren“, heißt es von Seiten Oeds und Wagners. Rund 20 Beschäftigte sind von der kurzfristigen Schließung des Restaurants betroffen.

Die Geschäftsführer machen die Stadt für die Entwicklung verantwortlich. „Die Ursachen liegen ausschließlich in der mangelhaften Vermarktung des Kongressbereiches durch die Stadt Kornwestheim.“ Während das Restaurant gut laufe und sich „gerade in den vergangenen Wochen erfreulich entwickelt“ habe, laufe es im Kongressbereich überhaupt nicht. Man müsse für dieses Jahr mit einem Rückgang bei den Buchungen von bis zu 25 Prozent rechnen. „Mit diesen Zahlen ist ein wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich“, so die beiden Geschäftsführer. Bereits heute würden sich für 2018 ähnliche Probleme andeuten. Lediglich bei den Hochzeiten seien Steigerungen zu verzeichnen. Oed wirft der Stadt vor, die Vermarktung des Kongressbereiches nicht professionell genug anzugehen. „Die Stadt verkauft Räumlichkeiten, keine Emotionen.“ Sie agiere zu sehr als öffentliche Verwaltung, zu wenig als Betreiberin eines Kongresszentrums, das räumlich gesehen aber „einfach fantastisch“ sei.

Diese Vorwürfe mag Oberbürgermeisterin Ursula Keck nicht stehen lassen. 2016 sei ein sehr gutes Jahr gewesen, 2017 komme es zu einer „ganz normalen Belegung“, verweist sie auf zufriedenstellende Zahlen. Das werde auch der Halbjahresbericht zeigen, der dem Gemeinderat im September vorgelegt werde. Schwächen beobachtet Keck insbesondere bei der Vermietung an Privatpersonen. Sie nehmen das K nicht so in Beschlag, wie von der Stadt erhofft. Das Geschäft mit den Hochzeiten indes entwickele sich gut. Dass die Stadt zu wenig für die Vermarktung des Kongresszentrums tue, weist die Oberbürgermeisterin vehement zurück. Zwar habe es zeitweise eine „personelle Unterdeckung“ gegeben, weil eine Mitarbeiterin das Haus verlassen habe, aber davor seien auch Unternehmen nicht gefeit. Man sei gut vernetzt in der Branche. Keck sieht Mängel eher bei den Gastronomen. „Schauen Sie sich unseren Facebook-Auftritt an und dazu im Vergleich den von Applaus.“

Wie geht’s weiter? „Zwei Gastronomen stehen Gewehr bei Fuß“, so die Oberbürgermeisterin. Sie werden die Aufträge übernehmen, die Applaus wegen der fristlosen Kündigung nicht mehr ausführen kann. „Alle Veranstaltungen können stattfinden, der Ablauf ist gesichert“, so die Oberbürgermeisterin. Die beiden Unternehmen sind offensichtlich bereit, auch längerfristig einzusteigen. Damit ein Vertrag möglichst schnell unterzeichnet werden kann, soll der Gemeinderat in den kommenden Wochen zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Im Pachtvertrag werde man möglicherweise Veränderungen vornehmen, sagt Keck, die Mischung aus Gastronomie und Catering stelle hohe Anforderungen an einen Gastronomen.

Das musste auch Applaus erfahren. Der Umsatzvergleich zwischen den beiden Geschäftsbereichen sei desaströs, so Oed und Wagner. Meist sei der Umsatz im Kongressbereich um ein Mehrfaches höher als in der Gastronomie. Im K sei es anders herum. „Trotz der Erfolge im Restaurant können die Personalkosten und die hohen Nebenkosten, die auf beide Bereiche gemeinsam ausgelegt sind, nicht gedeckt werden.“ Oed und Wagner sehen darin ein strukturelles Problem. „Nach der dritten Insolvenz eines Pächters innerhalb von nicht einmal vier Jahren ist es dringend geboten, auch die Ursachen zu hinterfragen.“ Es sei kaum vorstellbar, dass es allen drei Pächtern an Engagement, Einsatz oder Fachkenntnissen gefehlt habe.