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KornwestheimInvestieren, um attraktiver zu werden

Michael Bosch, vom 13.11.2017 18:17 Uhr
  Foto: Archiv/Horst Dömötör
 Foto: Archiv/Horst Dömötör

Kornwestheim - Sie ist ein Zankapfel und immer, wenn in der Stadt an anderer Stelle gespart werden soll, kommt sie als erstes aufs Tapet, verbunden mit dem Hinweis, dass sie ein riesiges Fass ohne Boden sei: die Ravensburger Kinderwelt. Dass das Konzept mit seinem pädagogischen Ansatz „auf dem richtigen Weg“ sei, betont Dietmar Allgaier, Erster Bürgermeister und Betriebsleiter der Kinderwelt. Die Entscheider wissen aber auch, dass die Einrichtung im Wette-Center keine Erfolgsgeschichte ist und die Besucherzahlen im ersten Halbjahr 2017 um gut ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen sind.

Um die Attraktivität zu steigern, soll deshalb nochmal investiert werden. „Uns ist es ein Anliegen, das Angebot der Kinderwelt stärker auf die Bedürfnisse unserer Besucher auszurichten“, sagt Allgaier. Die Compagnon Marktforschung hatte über Interviews und Beobachtungen in der Kinderwelt herausgefunden, dass die Bekanntheit eher kein Problem sei, bei vielen Besuchern jedoch das Gefühl vorherrsche, dass „wenn man die Sachen einmal gemacht habe, dann brauche ich erstmal nicht wiederzukommen“. Deshalb würden auch – im Gegensatz zu anderen Indoor-Angeboten – trotz „hoher Akzeptanz“ bei vielen Eltern die Mehrfachbesucher ausbleiben. Wer einen „normalen“ Indoor-Spielplatz erwarte, sei hingegen eher enttäuscht, berichtete Franz Liebel von der Compagnon Marktforschung. Und, so die dritte wichtige Erkenntnis: Attraktionen wie der Kinderführerschein stünden nicht allen Altersgruppen zur Verfügung – die Kleinsten (bis sechs Jahre) schauen in die Röhre.

Im Obergeschoss wird umgebaut

Den Ergebnissen will die Stadt Rechnung tragen und wird dem Gemeinderat Pläne zum Umbau des ersten Obergeschosses vorlegen, über die er im Zuge der Haushaltsplanung Mitte Dezember entscheiden soll. Bis März 2018 sollen sie umgesetzt sein. Vor allem der Mangel an Möglichkeiten, sich auszutoben, soll behoben werden. Allgaier:„Wir fangen damit das auf, was unsere Gäste neben den schon vorhandenen Angeboten fordern.“ Auf bis zu zweieinhalb Etagen soll eine Spring- und Kletterlandschaft für bis zu 90 Kinder entstehen, zudem soll eine zusätzliche Fahr-Attraktion für Kleinkinder ab zwei Jahren angeschafft werden. Im Zuge der baulichen Maßnahmen werden die Ruhebereiche und Rückzugsmöglichkeiten verlagert. Ein Fokus soll künftig auch auf den Workshops liegen, bei denen die kleinen Besucher beispielsweise ihre eigenen Spiele kreieren können. Während es sie bislang „nur auf Bestellung“ für Gruppen gab, stehen sie fortan auch einzelnen Besuchern an den Wochenenden offen. „Dieses Angebot hebt uns ab, die Stärke wollen wir uns zu Nutzen machen“, sagt Volker Herzog, Leiter Kommunikation und Vertrieb der Ravensburger Freizeit und Promotion GmbH.

180 000 Euro kosten die Neuerungen

Umsonst sind die Neuheiten natürlich nicht. Etwa 180 000 Euro sollen fließen, „einmalig“, wie Dietmar Allgaier betont. An anderer Stelle werde aber Geld gespart: Ein bereits überarbeitetes gastronomisches Angebot, es wird vermehrt auf regionale Gerichte und Produkte gesetzt, bedeute etwa 20 000 Euro an Einsparungen. Den weitaus größeren Teil machen aber die geänderten Öffnungszeiten aus, durch die Personalkosten von 90 000 Euro eingespart würden. Die Kinderwelt, so der Plan, soll von 2018 an nur noch von Freitag bis Sonntag (10 – 18 Uhr) geöffnet sein. Neben dem Montag und Dienstag – wie bisher – ist dann auch mittwochs und donnerstags Ruhetag. Hinter den neuen Öffnungszeiten stünden zwei Überlegungen, erklärt Allgaier: „Zum einen sind wir stark vom Wetter abhängig, bei schlechtem Wetter funktionieren Indoor-Angebote einfach besser. Zum anderen haben wir festgestellt, dass an Werktagen die Besucherzahlen einfach nicht so gut sind.“ An Wochenenden und Feier- sowie Brückentagen laufe es besser, weshalb die Kinderwelt hier auch weiterhin geöffnet bleibe. Ein Beispiel sei der Tag der Deutschen Einheit sowie der Brückentag, an denen 300 beziehungsweise 250 Besucher in der Kinderwelt gewesen seien. Tags darauf waren es nur circa 30. Das sei ein „ganz gutes Spiegelbild“. Eine Ausnahme stellt künftig wohl der Donnerstag dar. Er soll den Flüchtlingskindern vorbehalten sein, die mit Hilfe der Lechler-Stiftung in der Kinderwelt lernen sollen. „Sie brauchen individuelle Betreuung, das hat die Erfahrung gezeigt. Und die können wir vor allem dann gewährleisten, wenn sonst nichts stattfindet“, sagt Dietmar Allgaier.