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KornwestheimJonglage fasziniert die Zuschauer

Sabine Baumert, vom 18.08.2014 00:00 Uhr
  Foto: Horst Dömötör
 Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Da strahlten die Landfrauen in ihren weißen Schürzen mit der Sonne um die Wette. „Am Vormittag hätten wir nie gedacht, dass es noch so schön wird“, waren sie sich einig. So hatten die Damen mit dem aufgestickten fleißigen Bienchen auf der Schürze alle Hände voll zu tun, die Hungrigen und Durstigen auf dem Dorfplatz mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen zu versorgen. Das umfangreiche Programm hätte zur Not auch bei schlechtem Wetter geklappt. Die Führung durchs Schulmuseum ist drinnen, und auch Historiker Hermann Wagner war gewappnet: Wichtige Geschichten um historische Ereignisse erzählte er in der Dorfkirche.

Das Schulmuseum konnten die Besucher dank Liane Strauß, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen der Stadt Kornwestheim, aus der Sicht eines Lehrers betrachten. Die offizielle Eröffnung der ehemaligen Unterlehrerwohnung ist zwar erst in einigen Wochen, wenn alle Exponate an Ort und Stelle sind, aber die 20 Interessenten durften schon einen ersten Blick in den Raum werfen. Anschaulich und lebendig berichtete Strauß, wie sich im Lauf der Jahrhunderte das Bild des Lehrers vom Helfer beim Lesen von Bibelstellen oder Auswendiglernen von Chorälen hin zum Lernbegleiter für junge Leute wandelte.

In der für heutige Verhältnisse winzigen Wohnung ist dies exemplarisch am Werdegang von drei Lehrern dargestellt. Davon war Christian Fröscher von 1877 an der erste beamtete Lehrer in Kornwestheim. Sein Sohn Karl hat dort zwar nie unterrichtet, doch die Familie spendete dem Museum einige wichtige Dokumente aus seinem Nachlass. Zwei Raritäten – sonst für das Publikum nicht zugänglich im städtischen Archiv – wurden ausnahmsweise gezeigt: ein Lehrwerk, das ihm für die Gestaltung seines Unterrichts sehr wichtig war, und das Schulheft einer seiner Schülerinnen.

Inzwischen erfuhren die Kinder unter der Luthereiche hinter der Dorfkirche, dass es ganz schön schwer ist, ein Hufeisen zu werfen. Die Idee kam von Carolin Gruber, die von städtischer Seite die Veranstaltung organisiert. Sie wollte aber auch selbst etwas beitragen. „Ich habe privat viel mit Pferden zu tun, da lag das Hufeisenspiel nahe.“ Cessy (3) und Theodor (5) schafften es, das Eisen für ihr Alter schon erstaunlich weit zu werfen. Cem (10) und sein Altersgenosse Magnus hatten es da schon einfacher, in das rot markierte Rechteck zu treffen. Sie und die vielen anderen Kinder durften als Belohnung zum Beispiel ein cooles Käppi oder eine Vesperdose mit heim nehmen. Süßigkeiten gab’s für alle obendrein.

Günter der Gaukler hat derweil seinen geheimnisvollen Koffer aufgebaut. Am Rande des Dorfplatzes hatte er auf engstem Raum all seine Kostbarkeiten verstaut, die er später für seine Darbietungen brauchte. Natürlich hatte er Gauklergeschichten mitgebracht. Er erzählt, wie der Gaukler früher als geplant nach Hause kommt und seine Frau mit einem anderen im Bett erwischt. Weil es draußen so kalt ist, legt er sich kurzerhand zwischen die beiden.

Besonders begeisterte er die Zuschauer mit Jonglagenummern. Der Gaukler verwendet nicht einfach nur Bälle, sondern Gegenstände mit Namen. So führten die Hühner Anna („Achten Sie vor allem auf ihre Beinarbeit“), Berta und Charlotte mit Hahn Heinrich ein rasantes Ballett auf. Ähnliches zeigte er mit den Heidelbeerpfannkuchen Manfred und Dieter. Mit bekannten Volks- und Kinderliedern auf dem Dudelsack brachte er das Publikum („Hier sitzen ja lauter Kinder unter 95“) erst zum Grübeln, dann zum Mitsingen. Am Schluss faszinierte der Gaukler mit dem Spielgerät Diabolo. Die Metallbecher platzierte er immer wieder perfekt aufeinander auf der Schnur, gespannt zwischen zwei Stöcken.

Heimatforscher Wagner nahm danach 30 Interessierte auf den Rundgang durchs Alte Dorf. Viele Teilnehmer kennen Wagner und kamen besonders gern. „Er macht es einfach immer sehr nett“, lobte eine ältere Dame. Diesmal führte der Weg von den Steinmetzzeichen an der Dorfkirche ins Innere der Kirche. Dort zeigte Wagner, wie er das Kreuz an der rechten Wand 1983 für die Kirche „gerettet“ hat. In der Zehntscheuer strafte der Heimatforscher das Gerücht Lügen, nach dem der Steinmetz im betrunkenen Zustand sein Steinmetzzeichen verkehrt herum gesetzt haben soll. Am Alten Friedhof schließlich erfuhren die Zuhörer vom Geist, der auf der Kirchhofmauer spazieren geht, und von den Kindern, die dort einen Münzschatz gefunden haben sollen.

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