Kornwestheim Jugendfarm wird immer mehr eine Betreuungseinrichtung

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Macht sich bei Mensch und Tier bekannt: Sophia Koch, neue Leiterin der Jugendfarm. Foto:  

Kornwestheim - Es hätte kaum besser kommen können: Vor wenigen Wochen erst hat sie ihre Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen. Und gerade jetzt wurde in Kornwestheim die Stelle als Leiterin der Jugendfarm frei. Jugendfarm – das ist genau das Arbeitsfeld, das der 22-jährigen Sophia Koch besonders zusagt und in dem sie auch ihr Anerkennungsjahr absolviert hat. Das Konzept der Jugendfarmen gefalle ihr ausgesprochen gut, sagt die junge Frau. Warum? Wegen des freien Spielens, das sehr wichtig sei, so die gebürtige Altensteigerin.

Auf der Jugendfarm in Botnang hat sie einen Teil ihrer Ausbildung gemacht, und in Kornwestheim, wo sie seit dem 1. Oktober arbeitet, war sie gleich gefordert. Das Herbstfest stand am Sonntag auf dem Programm. Dort konnte sie sich Eltern, Kindern und Jugendlichen vorstellen und mit anpacken.

Mit einer 75-Prozent-Stelle ist Sophia Koch ausgestattet, außerdem kümmern sich noch ein Erzieher mit einer halben Stelle, ein Absolvent des Bundesfreiwilligendienstes und Aushilfen auf Übungsleiter-Basis um die jungen Besucher der Jugendfarm. Der Jugendfarmverein, so Vorsitzender Michael Schmid am Rande des Herbstfestes, überlege, ob er nicht auch Absolventen der praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin (Pia) beschäftigen könne.

Die Jugendfarm sieht er in einem Wandel – weg von einem offenen Angebot hin zur Betreuung im Rahmen der Ganztagsschule oder der Ganztagsbetreuung. Schmid und Koch bedauern, dass der ungezwungene Besuch der Kinder nachlässt, und sie hoffen, Kinder für eine Stippvisite auf der Jugendfarm gewinnen zu können – einfach so ohne Einbindung in eine Gruppe. Früher, erzählt der Vereinsvorsitzende, seien die Jungen und Mädchen mit dem Fahrrad vorbeigekommen und hätten den Nachmittag über auf der Jugendfarm gespielt. Er weiß aber ebenso wie Sophia Koch, dass sich die Bedingungen geändert haben und die Kinder oft erst am späten Nachmittag nach Hause kommen.

An drei Nachmittagen in der Woche nutzen mittlerweile die Schulen die Jugendfarm. Schiller-, Silcher- und Philipp-Matthäus-Hahn-Schule kommen mit jeweils 25 Kindern vorbei und greifen auf das Angebot der Jugendfarm zurück. Gespräche mit der Eugen-Bolz-Schule, die gerne vom Freitag auf einen anderen Tag wechseln will, laufen. Die Nachfrage der Schulen ist groß, aber die Jugendfarm kann nicht mehr leisten – weil die Räumlichkeiten für die Schlecht-Wetter-Tage fehlen. Bekanntlich denkt die Einrichtung über ein festes Haus nach – und darüber, wie das finanziert werden kann. Schmid geht von Kosten von über 200 000 Euro aus. Eine fünfstellige Summe liegt – dank einer größeren Spende des Lions-Clubs – zwar schon auf dem Sparbuch, aber noch fehlt ein Großteil des Geldes. Schmid hält diesen Bau für unabdingbar, wenn die Jugendfarm ein verlässlicher Partner der Schulen sein will und wenn es einen Ganzjahresbetrieb im Moldengraben geben soll.

Beim Herbstfest konnten sich die Kinder an diversen Stationen vergnügen, beim Nabu in verschlossene Pappkartons greifen, um zu ertasten, was sich darin verbirgt, bei der Jugendfeuerwehr mit Wasser spritzen oder auf den Pferden Brokat und Sam reiten. Dafür bildeten sich schon kurz nach deren Eintreffen lange Schlangen. Die Eltern konnten sich am Ehrenamtsstand darüber informieren, wie sie dem Jugendfarmverein unter die Arme greifen können – durch eine Mitgliedschaft oder ehrenamtliches Engagement auf der Farm.

Sophia Koch knüpfte an diesem Tag viele Kontakte – nicht nur zu den Schafen, Ziegen, Hühnern und Enten, sondern auch zu den Eltern und Kindern. Was wird sich ändern? Darüber zu sprechen, dafür sei es noch viel zu früh, antwortet sie. Sie denke aber darüber nach, ein Monatsprogramm anzubieten, damit sich die Jungen und Mädchen auf das Geschehen einstellen können. Wer lieber frei spielen oder sich um die Tiere kümmern will, auch der sei natürlich willkommen, betont die neue Leiterin.

 
 

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