Kornwestheim Junge Bürger wollen die Stadt bewegen

Von
Uschi Saur erklärt die Idee hinter „Jugend bewegt“ und lädt zum Kennenlernspiel ein. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Einige Himbeeren laufen noch verwirrt durchs Foyer. Sie suchen ihre Gruppe. Die Kiwis sind da schon besser organisiert, sie stehen bereits alle beisammen. Die Kirschen sitzen noch auf den Stühlen und warten auf ihren Aufruf. Es wimmelt munter an diesem Dienstagabend im Rathaus, unterwegs sind Kommunalpolitiker, Bürger, Vereinsvertreter, Jugendarbeiter, Verwaltungsmitarbeiter – und vor allem viele junge Kornwestheimer, Jugendliche und junge Erwachsene. Knapp 100 Besucherinnen und Besucher zählt der Kick-Off, der Auftakt für „Jugend bewegt“ in Kornwestheim.

„Jugend bewegt“ – in der rechtschreibkreativen Originalschreibweise „Jugend BeWegt“ – ist ein Programm der Jugendstiftung Baden-Württemberg und des Landesjugendringes. Jugendliche sollen Demokratie lernen, sich in das Gemeinwesen ihrer Heimatstadt einbringen – und das jetzt auch in Kornwestheim. Am Ende des rund eineinhalb Jahre dauernden Prozesses sollen in Kornwestheim konkrete Projekte und Plattformen entstanden sein, die Jugendlichen eine Stimme geben und sie an kommunalpolitischen Prozessen teilhaben lassen.

Noch geht es aber um demokratische Grundlagen und ums Kennenlernen. Jugendreferentin Uschi Saur und ihr Team haben daher die Kärtchen mit den Obstsymbolen verteilt. Nach dem Zufallsprinzip finden sich so am Ende sechs Gruppen zusammen. Sie verteilen sich im Rathaus und diskutieren, was ihnen in Sachen Jugendbeteiligung auf der Seele brennt.

Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck hatte einige Minuten zuvor während ihrer Begrüßung den Besuchern noch eine Art interaktiven Crashkurs in politischer Theorie gegeben. „Was versteht ihr unter Demokratie“, fragt die Rathauschefin, und nach kurzem Zögern recken sich die Finger der jüngeren Besucher. „Meinungsfreiheit und Pressefreiheit“, ist da zu hören, Schlagworte wie „Gleichberechtigung“ und „Religionsfreiheit“ fallen und auch der Hinweis, dass in einer Demokratie „jeder mitwirken“ könne. „Auch wir lernen hier“, sagt Keck aus Sicht der Kommunalpolitik und der Verwaltung. „Es ist ein Miteinander und ein Dialog.“

Nun moderiert Ursula Keck die Gruppe der Kirschen und die jungen Kornwestheimer zeigen, dass sie viel Vorwissen mitgebracht haben. Es fehle an Repräsentation jüngerer Bürger in den Gremien, sagt ein junger Mann und betont, das Durchschnittsalter im baden-württembergischen Landtag betrage stolze 51 Jahre. „Jugendbeteiligung bedeutet: Vertrauen zurückgeben“, heißt es aus der Runde und viele Köpfe nicken zustimmend. Nach den Kleingruppen kommen die Teilnehmer des Kickoffs wieder zusammen, ziehen Bilanz. Und dann endet der Abend auch schon, der geprägt war von offenen Diskussionen, Kennenlernspielen und einer Einführung ins Thema.

Was am Ende des Prozesses stehen wird, ist noch völlig offen – und sollte es auch sein. Einen Ausblick gibt Uschi Saur über große Schautafeln. Ihr Team hat darauf als Gesprächsgrundlage bereits ganz verschiedene Arten von Jugendbeteiligung vorgestellt und kurz erklärt. Von „digitaler Jugendbeteiligung“ ist da beispielsweise die Rede, von der Möglichkeit, einen Jugendgemeinderat zu gründen, von Schülersprechertreffen und Klassenräten. Welche dieser Formen am Ende umgesetzt werden oder ob es eine ganz andere Form wird, das werden erst die nächsten Monate zeigen.

Als nächster Schritt soll ein Arbeitskreis zu Jugend bewegt gegründet werden. Am 24. Januar kommt er erstmalig im Jugendzentrum zusammen, berichtet Saur. Eintragen konnten sich Interessierte für den Kreis jetzt schon. Auch die Kommunikationswege gelte es zu klären, so Saur. Der Prozess stehe noch ganz am Anfang, ergänzt sie. Aber: „Wir haben gelernt, dass der enge Austausch sinnvoll und erwünscht ist“, sagt sie. Und betont mit Blick auf die ganz unterschiedliche Herkunft der Jugendlichen und die vertretenen Schulen und Vereine: „Hier kamen junge Menschen zusammen, die sich sonst so nicht begegnen.“

 
 

Sonderthemen