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KornwestheimKatzentatzentango im Saal und Kaffee im Sonnenschein

Stefanie Köhler, vom 14.05.2017 16:00 Uhr
Wer wollte es bezweifeln? Musik macht Vergnügen! Foto: Dömötör
Wer wollte es bezweifeln? Musik macht Vergnügen!Foto: Dömötör

Kornwestheim - Im Großen Saal im Haus der Musik herrscht dicke Luft. Sie ist so dick, dass Johannes Ellrott, der kommissarische Leiter der Musikschule, allenfalls noch Kinder reinlässt. Schuld ist der „Elefantenpups“. Beim Eröffnungskonzert der musikalischen Früherziehung wollen Eltern, Freunde und Bekannte den Nachwuchs unbedingt spielen hören. Nachdem die Stühle schnell besetzt sind, stellen die Zuhörer sich an die Wände. Begeistert halten Mütter und Väter ihre Mobiltelefone, die sie als Fotoapparat und Kamera benutzen, in die Luft, während der „Katzentatzentango“ auf den Streichinstrumenten erklingt. Für ihren Auftritt haben sich die Vier- bis Sechsjährigen als Marienkäfer, Schildkröten, Schmetterlinge, Bären oder Katzen verkleidet. Der Applaus ist riesig.

Derweil treten draußen auf der Bühne Bands der Musikschule auf. Sie haben größtenteils Glück mit dem Wetter. Am Nachmittag verschwinden die grauen Wolken für eine Weile und die Sonne scheint. Viele Besucher genießen ihren Kaffee und ihr Stück Kuchen im Freien.

Für den Tag der offenen Tür am Samstag hat sich die Musikschule ein buntes Programm überlegt. Im Mittelpunkt des Festes stand die Instrumentenberatung: In den einzelnen Räumen konnten Kinder 16 der 26 Instrumente ausprobieren, die die Musikschule am Marktplatz anbietet. Das Spielen eines Instruments bezeichnet Ellrott als Investition ins Leben. Nicht nur deshalb, weil es wie Radfahren sei – man verlerne es nicht. „Musik vernetzt die Synapsen im Gehirn und fordert es heraus“, sagt er. Beim Musizieren würden gleichzeitig verschiedene Fähigkeiten wie Hören, Motorik oder Kreativität angesprochen. „Außerdem formt es die Disziplin“, sagt Ellrott. Das gemeinsame Musizieren im Orchester oder in einer Band findet er besonders wichtig. „In Zeiten der sozialen Medien kennt man zwar viele Leute, trifft sie aber selten“, sagt Ellrott.

Streichinstrumente wie Violine und Cello sind ebenso beliebte wie orchestertaugliche Instrumente. Allerdings brauchen Musiker für Geige und Co. mehr Ausdauer, Zeit und Energie als zum Beispiel für Gitarre und Klavier, die auch sehr gefragt sind. „Wer Gitarre oder Klavier spielt, hat schnell Erfolgserlebnisse. Anders als bei der Geige gibt es keine schiefen Töne, und man kann sich rasch selbst begleiten“, sagt Ellrott. Viele Kinder und Jugendliche spielen auch Saxofon und Trompete.

Um ein Instrument zu beherrschen, bedarf es der Übung. Einmal die Woche Musikunterricht zu nehmen, reicht nicht. „Wenn ein Kind gerne übt, dann hat es Freude am Instrument und möchte weiterkommen“, sagt Ellrott. Aus seiner Sicht haben Eltern trotzdem einen Erziehungsauftrag: Sie sollten ihre Kinder gegebenenfalls zum Üben ermuntern. Ellrott sagt, dass auch einkommensschwächere Eltern ihren Kindern Musikunterricht ermöglichen können. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Mütter und Väter eine Sozialermäßigung.

Die meiste Zeit beim Tag der offenen Tür betätigen die Kinder sich als Instrumenten-Detektive, denn wer alle Instrumente auf dem Laufzettel getestet hat, erhält einen Preis. Bei Trompetenlehrer Thomas Reiner stehen die Mädchen und Jungen Schlange. Zuerst machen sie Trockenübungen. „Verziehe deine Lippen, als würdest du in eine Zitrone beißen“, weist Reiner Emilia an. Die Fünfjährige scheint ein Naturtalent zu sein. Sie bläst in die Trompete – und bringt einen kräftigen Ton hervor.

Trompete lernen will Emilia trotzdem nicht. Sie findet sie zu laut. Welches Instrument sie später spielen möchte? „Geige vielleicht“, sagt das Mädchen, woraufhin ihr Bruder Jan (6) den Kopf schüttelt. „Das ist ein Mädcheninstrument“, meint der Junge, der bereits Gitarrenunterricht nimmt. Emilias und Jans Mutter legt Wert darauf, dass ihre Kinder „in alle Richtungen gefördert werden“. Musizieren verbessere die Konzentration, was dem Nachwuchs „möglicherweise auch in der Schule zugute kommt“, sagt sie.

Ein paar Räume weiter zupft der neunjährige Johannes die vier Saiten des Kontrabasses. Das Instrument gefällt ihm, er mag die tiefen Töne. Erlernen will er es aber nicht. „Es ist so schwer“, sagt der Schüler und meint die Größe.

Hans-Joachim Weiß hört diesen Satz häufig. „Die Größe und Schwere des Instruments schreckt viele ab“, sagt der Kontrabass-Lehrer, vor allem Eltern, die das Instrument im Auto transportieren müssen. Dabei sei es unglaublich vielseitig. Western, Country, Jazz, Klassik – der Kontrabass mischt in vielen Musikrichtungen mit, sagt Weiß. Dass die Musikschule immerhin acht Kontrabassisten hat, macht ihn stolz. „Auch wenn die Geiger über diese Zahl lachen werden.“