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Kornwestheim„Kloppt euch nicht rum, sondern bleibt cool“

Susanne Mathes, vom 13.06.2017 19:00 Uhr
Sommer, Sonne, Spendentag: Friedhelm Hoffmann (Mitte)  mit Ahmetcan Sahin, Jan Brandt und Michael Wolfschläger. Foto: Susanne Mathes
Sommer, Sonne, Spendentag: Friedhelm Hoffmann (Mitte) mit Ahmetcan Sahin, Jan Brandt und Michael Wolfschläger.Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - I ch möchte Euch bei der leidigen Frage nach einem sinnvollen Geburtstagsgeschenk behilflich sein. Da ich Fresskörbe verabscheue, mein Bedarf an Unterhosen und Oberhemden gedeckt ist und meine Wohnung bereits einem Erinnerungsmuseum für Reiselustige gleicht, wünsche ich mir einfach eine kleine Geldspende, mit der ich mir und Euch ein Denkmal setzen will. Ein Akt, den viele alternde (Lokal-) Politiker ausüben.“ So hatte der ehemalige Linke-Stadtrat Friedhelm Hoffmann seine Freunde auf seinen Geburtstagswunsch eingestimmt – eine Bank im Rahmen des Projektes „Kornwestheim 300“. Auf Grundlage einer SPD-Initiative will dieses Projekt erreichen, dass in der Innenstadt alle 300 Meter ein Plätzchen zum Hinsitzen angeboten werden kann.

Die Initiative hat vor allem die älteren Mitbürger im Blick. Hoffmann nahm mit seiner Geburtstagsaktion unter dem Motto „Ein 68er wird 68“ – die in seinem Freundeskreis auf großen Zuspruch und rege Spendenbereitschaft stieß – allerdings eine andere Zielgruppe ins Visier: Jugendliche in sind es, denen er mit seiner Crowdfunding-Aktion zu einem Sitzmöbel der etwas anderen Art verhelfen wollte. „Zwischen uns liegt zwar ein halbes Jahrhundert“, sagte Hoffmann gestern bei der Übergabe zu den jungen Leuten, die auf der Bank künftig „chillen und rumlümmeln“ dürfen. „Aber ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern, und Azubi war ich auch mal. Und Jugendhausbesucher auch.“

Nicht nur die Alten müssten sich zwischendurch erholen, findet Hoffmann, sondern auch die Jungen. „Vom Schulstress oder von beknackten Ausbildungsvorgesetzten“, wie er es in der ihm eigenen Schnodderigkeit kundtut – und hinzufügt: „Ich war übrigens auch mal Vorgesetzter.“

Da sich das Jugendzentrum weder im Innenstadtbereich befinde noch eine passende Sitzgelegenheit im Außenbereich anbiete, hält er das „Hoffmann & Friends“-Geschenk dort für genau richtig platziert. „Außerdem weiß ich zu schätzen, was die Mädels und Jungs hier mit euch machen“, meinte der Ex-Stadtrat mit Blick auf die Arbeit der Sozialpädagogen im Juz. Und da er bei Christian Kübler und Jeanette Thévenot beim Stadtplanungsamt auf offene Ohren gestoßen sei, habe alles gepasst – inklusive des aus der Norm fallenden Bank-Modells, das nicht zum Sitzen, sondern zum Liegen einlädt.

Gerade das finden die Nutznießer ziemlich lässig: „Solche Bänke müssten eigentlich überall in der Stadt stehen. Die sind übelst gemütlich“, sagen FSJler Ahmetcan Sahin und sein Kumpel Nico Di Lago, die unter anderem regelmäßig Musik im Juz-Soundstudio machen. „Sie ist viel bequemer als normale Bänke, und gut aussehen tut sie auch“, findet Ahmetcan. Nico ergänzt: „Und das als Spende: Respekt. Coole Sache.“

Dass eine Privatperson das Jugendzentrum mit einer solchen Spende bedenkt, freut auch Jugendreferentin Uschi Saur: „Das ist schon eine Seltenheit. Etwas ganz Besonderes“, findet sie. Zum kleinen Festakt, an dem’s zur Feier des Tages alkoholfreie Cocktails gibt – sie sind in Sekundenschnelle weg – , ist sie deshalb ebenfalls in den Südzipfel der Stadt gekommen.

Friedhelm Hoffmann wäre aber nicht Friedhelm Hoffmann, wenn er die Bank mit einem gängigen Sponsorenschild geziert hätte. Den kernigen Spruch auf dem Plättchen – „Liebe Jugendliche, ich wünsche euch die Ruhe und Gelassenheit dieser Bank. Sie muss schließlich auch mit jedem Arsch zurecht kommen“, steht darauf geschrieben – habe er mit Bedacht gewählt, gibt er den Jugendlichen mit auf den Weg, „denn was wäre ’ne Bank ohne Botschaft?“ Sie sollten keinem Streit aus dem Weg gehen, aber Hass und Gewalt brächten keinen weiter, appelliert Hoffmann an die Heranwachsenden. Das Möbel zum Abhängen hat mithin auch sinnbildlichen Charakter: „Kloppt euch nicht rum“, meint Hoffmann, „sondern bleibt cool, kommt runter und versucht immer, eine Lösung zu finden.“