Kornwestheim Kornwestheim braucht eigenen Mietspiegel: Institut befragt Tausende Mieter

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Kornwestheim gilt landläufig als ähnlich teuer zum Wohnen wie die Nachbarstädte Ludwigsburg und Stuttgart. Foto: Archiv/Werner Waldner

Kornwestheim - Ein Urteil des Amtsgerichtes Ludwigsburg zeigt: Für Kornwestheim wird es höchste Zeit, einen eigenen Mietspiegel zu erstellen. Im September wies dort ein Richter eine Klage als unzulässig ab, mit der eine Vermieterin aus Kornwestheim versucht hatte, eine Mieterhöhung durchzusetzen. Als Begründung für das Mehr auf der Miete legten die Frau und ihre juristischen Vertreter den Ludwigsburger Mietspiegel von 2017 vor. „Die Klägerin war der Auffassung, dass sie den Mietspiegel aus Ludwigsburg auf Kornwestheim anwenden könne“, sagt der Pressesprecher und Richter am Amtsgericht, Ulf Hiestermann. Dieser Argumentation aber wollte das Amtsgericht nicht folgen.

Die Begründung: Der Mietspiegel aus einer anderen Stadt oder Gemeinde darf nur dann als Basis – beispielsweise für eine Mieterhöhung – dienen, wenn die beiden Kommunen auch wirklich vergleichbar sein. Genau das aber sah der zuständige Richter bei Kornwestheim und Ludwigsburg als nicht gegeben an. Zwar lägen Kornwestheim und Ludwigsburg nebeneinander, aber es gebe zu große Unterschiede etwa bei Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen Angeboten. „Es fehlt an der Vergleichbarkeit, deswegen war es in diesem Fall nicht möglich, den Mietspiegel anzuwenden“, erläutert Hiestermann das Urteil seines Kollegen.

In der Vergangenheit diente der Ludwigsburger Mietspiegel immer wieder als Orientierungshilfe für Mieter und Vermieter in Kornwestheim. Auch mit Blick auf das Urteil sei es gut und besonders sinnvoll bald einen eigenen zu haben, sagt der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler. „Um Rechtssicherheit zu schaffen für Mieter und Vermieter, und auch für uns als Stadt“, ergänzt er und lässt auch nicht außen vor, dass die Stadt selbst über die städtische Wohnbau Vermieteraufgaben hat.

Das Projekt „eigener Mietspiegel“ hat Kornwestheim bereits vor einigen Monaten begonnen. Im Juli beschloss der Gemeinderat einstimmig, einen solchen erstellen zu lassen – vom Institut für Empirische Marktanalysen (Ema) in Sinzing . Die Kosten dafür belaufen sich auf ungefähr 34 000 Euro. Rund 11 000 bis 12 000 Euro gibt es allerdings in Form von Fördergeldern vom Land Baden-Württemberg zurück. Dieser Tage verschickt Ema tausende Fragebögen, um eine Datengrundlage zu schaffen. Per Zufallsprinzip erhalten Kornwestheimer Klein- und Großvermieter sowie Mieter die Fragen, die per Post oder online beantwortet werden können.

Abgefragt werden im Wesentlichen die Lage, die Ausstattung und der Mietpreis der jeweiligen Wohnung. Ema wird die Ergebnisse zusammenführen, weiterverarbeiten und dann zu dem Mietspiegel verschmelzen. Im August kommenden Jahres, sagt Güthler, rechne man mit Ergebnissen. „Wenn der Mietspiegel fertig ist, werden wir ihn sicher auf unserer städtischen Internetseite zur Verfügung stellen“, ergänzt der Baubürgermeister.

Kornwestheim arbeitet indes nicht alleine am Mietspiegel. Die Stadt kooperiert mit Ludwigsburg. Im Spätsommer schloss sich zudem die 8000-Einwohner-Gemeinde Hemmingen den beiden Städten an. Für alle drei Kommunen arbeitet Ema zeitgleich am Mietspiegel. Wichtig ist aber – und das erst Recht in Hinsicht auf das Urteil des Amtsgerichtes –, dass für Kornwestheim am Ende ein eigenständiges Werk entstanden sein wird.

„Am Ende stehen getrennte Mietspiegel“, betont Güthler. Die Zusammenarbeit habe organisatorische und finanzielle Gründe. Es ließen sich Synergieeffekte nutzen. „Wir sparen uns dadurch Kosten“, betont der Baubürgermeister. Was am Ende im Kornwestheimer Mietspiegel stehen wird? Hier wagt die Stadt in der aktuellen Situation keine Prognose.

Trotz der vom Gericht festgestellten Unterschiede bei Infrastruktur, Geschäften und Kultur lässt sich aber davon ausgehen – blickt man etwa in Immobilienbörsen und Wohnungsannouncen –, dass die Unterschiede zu Stuttgart und Ludwigsburg nicht allzu groß sein dürften. Kornwestheim liegt an der S-Bahn. Das ist die harte Währung für viele Mieter. Man geht aktuell grob von einer ortsüblichen Miete von 14 bis 15 Euro pro Quadratmeter aus. Diese Zahlen nannte die Oberbürgermeisterin Ursula Keck vor einigen Monaten zur Baugemeinschaft Neckarstraße. „Ich glaube, das Grundniveau wird auch im eigenen Mietspiegel am Ende ähnlich wie in Ludwigsburg sein. Das ist natürlich nur eine Einschätzung“, sagt Daniel Güthler.

 
 

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