Kornwestheim Kornwestheimer Technik fährt in Dubai

Peter Meuer, vom 17.04.2018 09:00 Uhr
Pendler in Dubai steigen in einen der Busse ein, die von Mvmant-Technik gesteuert werden. Foto: z
Pendler in Dubai steigen in einen der Busse ein, die von Mvmant-Technik gesteuert werden. Foto: z

Kornwestheim - Es gab zwei Momente im Leben von Blochin Cuius, die mit dafür verantwortlich sind, dass heute Busse mit Software aus Kornwestheim durch Dubai steuern. Der erste Moment fand in Sizilien statt. Von dort stammt der 42 Jahre alte Geschäftsführer des Kornwestheimer Startups „Mvmant“, dort ging er zu Schule. Zu seinem Gymnasium zu kommen, durch verwinkelte Straßen und dünn besiedelte Dörfer, das war mit den sizilianischen Bussen nicht einfach, denn die fuhren selten und selten pünktlich. Stattdessen wussten aber örtliche Taxifahrer, wo es langgeht. Sie warteten nicht einfach auf Anrufe, stattdessen fuhren sie Straßen und Plätze ab, von denen sie wussten, dass dort Menschen sind, die von A nach B wollen. Cuius fuhr also per Taxi zur Schule. Den zweiten Moment erlebte Blochin Cuius auf Kuba, als er nach seinem Studium in Betriebswirtschaftslehre für einen Spanisch-Sprachkurs auf die sozialistische Insel kam. Dort gibt es die so genannten Taxis particulares, alte Autos aus den 60er Jahren. Auch sie fahren bekannte Strecken ab. „Die Leute wissen genau, wo sie sich hinstellen müssen, die Taxis wissen genau, wo sie Leute einsammeln können“, sagt Cuius. Da sowohl auf Sizilien als auch Kuba die Taxis gerne auch mal mehrere Mitfahrer auf einmal einsammelten, sei das effizient und ökologisch, sagt Cuius. Er beschreibt die Intuition und Ortskenntnis der Taxifahrer als eine „Form von Schwarmintelligenz“ und Vorläufer für „künstliche Intelligenz“.

Das Konzept, dass er bei exotisch-südlichen Haudegen des Personentransports beobachtet hat, verwandelte der Wahl-Kornwestheimer seit 2016 in eine Handy-App. „Wir haben es verfeinert und in Algorithmen übersetzt.“ Er gründete dazu das Startup „Mvmant“ (Sprich: „Movement“, zu deutsch: Bewegung), mit Zentrale in Kornwestheim und Dependancen in Stuttgart und Sizilien. Die App erlaubt es Reisenden und Pendlern, Rufbusse anzufordern – und berechnet dabei direkt die schnellste und ökologischste Route in einem bestimmten Areal. Dank des engmaschigen Netzes möglicher Busstationen könne dennoch nahezu ein „Tür-zu-Tür-Service“ angeboten werden, so sagt Cuius.

Zwei Routen betrieb Mvmant in den vergangenen Wochen in Dubai testweise. Das Startup steuert hierfür übrigens nur die Software bei, für die Busse selbst kooperiere man mit örtlichen Personenbeförderungsunternehmen, erzählt Cuius. Am Wochenende hat das Startup nun eine dritte Route eingeweiht – in der Internetcity von Dubai, wo große Technikfirmen sitzen wie Google, Microsoft und IBM. Für das Projekt in Dubai wurde Mvmant mit fünf anderen Firmen aus rund 2200 Unternehmen ausgewählt, die sich für das Leitprogramm „Dubai Future Accelerators“ der Dubai Future Foundation beworben hatten, einer Stiftung, die am Beispiel Dubais drängende Probleme des 21. Jahrhunderts lösen will.

Schon zuvor war Cuius’ Startup auf offene Türen gestoßen, wenn es um Förderungen und Projektmittel ging. So wurde es beispielsweise auch vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert, ist Mitglied der „Ideenschmiede digitale Mobilität“ des Ministeriums für Verkehr.

Auch in Ragusa auf Sizilien hatte das junge Unternehmen die App dank der Mittel bereits testen können. „Wir wollen bald aber auch auf Investorensuche gehen“, berichtet Blochin Cuius. Im Sommer will er eine Route bei Rom anbieten, und auch in Deutschland seien Kooperationen angedacht. „Dort, wo Landstriche dünner besiedelt sind, kann unser Konzept Sinn ergeben“, berichtet Cuius.

Sein Unternehmen könne natürlich nicht alle Verkehrsprobleme der Welt lösen, sagt der Geschäftsführer. „Unsere Stärke ist es, auf Routen mit geringer Nachfrage die Kosten des Nahverkehrs zu verringern.“