Kornwestheim Kornwestheimer Technik rettet Leben

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Der mm-lab-Geschäftsführer Michael Meiser zeigt am Simulator, wie die Systeme des Unternehmens funktionieren. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Textmarker in verschiedenen Farben, ein wenig Lautmalerei, Papier oder ein Zeichenboard: Mehr braucht Michael Meiser nicht, um komplexe technische Sachverhalte allgemein verständlich zu skizzieren. „Nehmen wir an, auf der linken Spur fährt ein Auto mit 160 Sachen“, sagt der Geschäftsführer von mm-lab und malt quietschend eine dreispurige Straße und ein blaues Quadrat. „Und dann kommt auf der mittleren Spur ein weiteres Fahrzeug mit 200 Kilometern pro Stunde angesaust“, baut er das Szenario weiter aus und zeichnet sodann ein rotes Quadrat. „Unser System erkennt die Gefahr und warnt beide Fahrer“, schließt Meiser. Ein kurzes „Pieps“ ertöne, damit die Fahrer nicht beispielsweise die Spur wechselten. Michael Meiser beschreibt das so: „Das System sagt: Pass auf! Pass auf!“

Die neue Software von mm-lab nennt sich schlicht „Cave!“ und ist ein Kollisionswarnsystem für Automobil-Teststrecken. Per präziser Satellitennavigation, genauen Karten, schnellem Funknetz und eingebettet in spezielle Mobiltelefone warnt es Fahrer und kann so die Sicherheit auf den Teststrecken erhöhen und Unfällen vorbeugen.

Unlängst wurde das Land Baden-Württemberg auf „Cave!“ aufmerksam. Am Mittwochabend wurde der Innovationspreis des Landes, der Rudolf-Eberle-Preis, an mittelständische Unternehmen im Bereich technologischer Dienstleistungen vergeben. Die Kornwestheimer von mm-lab landeten zwar am Ende nicht auf den vorderen Rängen, die Firma gehört aber dank „Cave!“ zum Kreis der Geehrten anno 2018.

Die Software kommt bereits auf mehreren Teststrecken zum Einsatz, etwa auf dem Bosch-Prüfgelände bei Boxberg. Mit weiteren Partnern ist mm-lab im Gespräch. Das System hat dabei einige Besonderheiten: Es ist auf den Meter genau, es kann auch Situationen einschätzen und davor warnen, die die Testfahrer selbst noch gar nicht sehen. Außerdem ist es in die Gesamt-Softwareinfrastruktur eingebunden, die mm-lab bereitstellt. Denn: Das Unternehmen verwandelt Testgelände in komplett smarte Umgebungen, in denen physische Begebenheiten und digitale Anwendungen miteinander verschmelzen.

Wie das in der Praxis gesteuert wird, zeigt Michael Meiser in einem großen Computerraum von mm-lab: Die Simulation einer Teststrecke flackert dort über einen Monitor, daneben steht ein Fahrsimulator. Das Ganze wirkt ein bisschen wie die Lotsen-Zentrale eines Flughafens. Die Software regelt Zugangsberechtigungen und öffnet oder schließt beispielsweise automatisch Schranken, der Funkverkehr zu den Fahrern läuft individuell ab, per Knopfdruck können die Zuständigen auf einzelne Streckenabschnitte zugreifen und den Fahrern in diesen beispielsweise Warnungen schicken.

Das Unternehmen hat seinen Sitz auf dem Salamander-Areal, gegründet wurde es 2005 im Techmoteum-Umfeld. Heute hat mm-lab 45 Mitarbeiter bei 5,2 Millionen Euro Jahresumsatz (Stand 2017).

„Cave!“ zu entwickeln hatte aber nicht allein wirtschaftliche Gründe, wie Meiser, der Sales-and-Project-Manager Steffen Firchau und die Zuständige für Marketing und Vertrieb, Heike Ujevic, ausführen. Immer wieder kommt es auf Teststrecken mit ihren Steilkurven, auf denen teils mit sehr hohen Geschwindigkeiten gefahren werden kann, zu gefährlichen Unfällen. Bekannt wurde etwa ein Crash 2010 auf der Teststrecke in Papenburg. Dabei starb ein junger Entwicklungsingenieur.

„Unser System kann helfen, solche Vorfälle zu vermeiden“, ist Michael Meiser überzeugt von der Software. Der Geschäftsführer ist sich außerdem sicher: Software wie die von mm-lab sind Vorläufer für Sicherheits- und Automatiksystem, die in der Zukunft auch allgemein auf den Straßen zum Einsatz kommen werden.

Bei der Preisverleihung in Stuttgart mit dabei war die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck.. „Die Firma mm-lab war eine der ersten in unserem Gründerzentrum“, berichtet Keck. „Sie entspricht genau dem Portfolio des Techmoteums, mit seinen Schwerpunkten in Mobilität, Technik und Umwelt.“ Das Unternehmen habe sich schnell und gut entwickelt. „Wir sind stolz, solche Firmen in der Stadt zu haben“, so Keck.

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