Kornwestheim Landwirte lehnen Umgehung weiter ab

Melanie Bürkle, vom 12.03.2018 09:00 Uhr
Die Felderrundfahrt. Foto: Bürkle
Die Felderrundfahrt. Foto: Bürkle

Kornwestheim - Es dauerte eine Weile, bis die Diskussionsrunde am Samstagnachmittag in der Dreschhalle auf dem Sonnenhof so richtig in Fahrt kam. Dabei wird das umstrittene Straßenbauprojekt „Nord-Ost-Ring“ zwischen Kornwestheim und Fellbach sonst immer hitzig diskutiert. Doch die rund 25 anwesenden Gegner des Projekts, darunter zahlreiche Landwirte, deren Ackerböden dem Straßenbau zum Opfer fallen würden, hatten es offensichtlich satt, immer mit der gleichen Leier abgespeist zu werden – und genau dieses Gefühl hatten sie zunächst am Samstag.

Nachdem die Landwirtin Kathrin Scheck aus Zazenhausen eine kurze Einführung über das Projekt gab, den zukünftigen Trassenverlauf schilderte und sogleich festhielt, dass der Ring keine Vor-Ort-Umfahrung, sondern das Herzstück eines Autobahn-Projekts vom Rheintal bis nach Bayern sein soll, übernahm der CDU-Politiker Steffen Bilger das Wort. Bilger befürwortet eine Nord-Ost-Ring-Lösung. Er versuchte, die Wogen zu glätten und das Thema nicht zu konfrontativ darzustellen. Zwar schilderte der Abgeordnete knapp, dass es eine bestmögliche Projektplanung geben wird, sagte dann aber auch viel zu den allgemeinen Stauproblemen rund um Stuttgart und zum Thema E-Mobilität. Die Umfahrung sei wichtig, so Bilger weiter. Rund 20 Prozent der Autos wollten schließlich nicht nach Stuttgart hinein, sondern hindurch, sagte er mit Blick auf die Stau-Probleme der Landeshauptstadt.

Doch den Nord-Ost-Ring zur Lösung der Probleme halten viele Landwirte für einen falschen Ansatz, so wie auch der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel von Bündnis 90/Die Grünen: „Wir haben noch nie versucht, Verkehr zu vermeiden. Wir schauen immer nur, wie wir mit neuen Straßen dem Verkehr gerecht werden“, sagte er. Das sei hier aber der falsche Ansatz. Neue Straßen würden schließlich neue Lärmquellen und Umweltkonflikte schaffen. Gastel ist sich sicher: „Der Nord-Ost-Ring ist kein Beitrag zur Lösung, sondern er schafft neue Probleme.“ Ungeachtet möglicher neuer Probleme, welche auch der Landschaftsschützer Joseph Michl von der Arge Nord-Ost noch einmal hervorhob, interessierte die Landwirte vor allem, wie man die Zerstörung der nährstoffreichen Ackerböden rechtfertigen könne. „Man kann doch nicht zulassen, dass guter Ackerboden, auf dem regionale Lebensmittel angebaut werden, einfach zubetoniert wird“, warf Peter Rauscher von den Nürtinger Linken in den Raum.

Vor der Debatte hatte es eine Felderrundfahrt gegeben, deswegen hatten alle Anwesenden die Landschaft zur potentiellen Streckenführung der mehrspurigen Straßen vor Augen. Etliche Parzellen, welche aktuell für den Anbau von Kartoffeln, Mais, und verschiedener Getreide- und Beerensorten genutzt werden, würden dem Beton weichen müssen. Das sei keine Lösung, waren sich die Landwirte einig: „Wir haben doch mit die fruchtbarsten Ackerböden in Deutschland.“ Und schließlich habe man auch noch eine Verantwortung für die Nachfahren.

Doch der CDU-Bundestagabgeordnete betonte hierzu, er sehe keine Alternative für den Nord-Ost-Ring. Bilger sprach noch eine mögliche streckenweise Untertunnelung der Straße an, doch die Nord-Ost-Ring-Gegner erwiderten, dass dies kaum möglich sei.

Der Grünen-Politiker ergänzte, dass mit dem Nord-Ost-Ring neue Probleme für die Region geschaffen und keine bestehenden gelöst würden. „Das Ziel ist es, weniger Autos auf den Straßen zu haben und nicht, so ein Quatschprojekt auf die Beine zu stellen“, sagte Matthias Gastel abschließend.

Lösungen brachte der Sonnenhof-Nachmittag keine: Auch dieser Nachmittag zeigte, dass die Landwirte mit der Idee der Nord-Ost-Straße nicht einverstanden sind und weiterhin ihren Protest gegen das umstrittene Projekt aufrechterhalten werden.