Kornwestheim Lurchi kommt unter den Hammer

Werner Waldner, vom 12.06.2017 13:00 Uhr
Das erste Lurchi-Heft ist versteigert worden. Foto: z
Das erste Lurchi-Heft ist versteigert worden. Foto: z

Kornwestheim - Die Schuhe, die die Kornwestheimer Familie vor 80 Jahren im Schuhhaus Schantz erworben hat, dürften längst den Weg alles Irdischen gegangen sein. Aber das Lurchi-Heft, das sie als kostenlose Dreingabe bekam, hat die Jahrzehnte überlebt und wird am 21. Juni im Auktionshaus Gärtner in Bietigheim-Bissingen versteigert. Angeboten wird es für stolze 2000 Euro.

Um das erste Abenteuer von Lurchi ranken sich einige Geheimnisse. Insbesondere ist eine Frage auch nach 80 Jahren noch ungeklärt: Wer hat’s gezeichnet? Die Verse sollen von Alex Haffner stammen, dem damaligen Generaldirektor der Salamander AG. So beginnt das erste Abenteuer, das den Salamander in einen Wald mit Zwergen und Elfen führt.

„Sohn und Tochter Salamander

springen fröhlich umeinander.

Glücklich schaut die Mutter zu.

Papa liest in guter Ruh’.

Alle tragen miteinander

Schuhe nur von Salamander.“

Waren Lurchis Abenteuer gleich von Beginn an als Reihe konzipiert? Vermutlich nicht, sagen die Experten, denn dann hätte ja auch Nr. 1 auf dem ersten Heft vermerkt sein müssen. Gleichwohl ließ Salamander bis zum Jahr 1939 fünf Hefte produzieren.

Offen ist auch die Frage, ob es sich bei dem jetzt zur Versteigerung kommenden Heft um das letzte verbliebene Exemplar handelt. Der Verein für Orts- und Heimatgeschichte, der in den vergangenen Jahrzehnten eine umfangreiche Salamander-Sammlung zusammengetragen hat, hat ein solches Exemplar nicht in seinem Fundus. Die zur Ara AG gehörende Salamander GmbH, die ihren Sitz im rheinischen Langenfeld hat, hat sich in der Vergangenheit – auch weil regelmäßig die Eigentümer des Unternehmens wechselten – nie sonderlich für ihre Geschichte interessiert und kaum Exponate aus der Vergangenheit. Und auch in einschlägigen Museen ist das vor 80 Jahren erschienene Heft nicht aufzutreiben. Wohl aber bei einem älteren Ehepaar, das das Heft nun versteigern lässt. Es habe keine Kinder, sagt der Ehemann, der lieber anonym bleiben möchte. Er habe die Sorge, dass der Wert des zwölfseitigen Comics von den Hinterbliebenen später nicht eingeschätzt werden könne und im Altpapier lande. Deshalb wolle er über die Versteigerung das Heft lieber einem Liebhaber veräußern, der ein Faible für Lurchi und seine Freunde habe, sagt der Senior.

Während das Heft außen in Sütterlinschrift gestaltet ist, findet sich innen lateinische Schreibschrift. Die Rückseite weist den Stempel von „Schuh-Schantz – Das Haus für gute Schuhe u. Strümpfe“ auf. Ein Experte des Auktionshauses hat den Wert des Heftes auf 2000 Euro geschätzt. Und mit diesem Preis wird Lurchis erstes Abenteuer am 21. Juni auch aufgerufen.

Für Kornwestheim, dessen Geschichte eng mit Salamander verwoben ist, ist es sicherlich eine Besonderheit, fürs Auktionshaus ist es eines von 30 000 Losen, die bei der Juni-Auktion unter den Hammer kommen. Dabei handelt es sich insbesondere um Briefmarken und Münzen. „Das lustige Salamanderbuch“ ist das 21 654. Exponat, das versteigert wird – nach und vor zwei Exlibris.

Sollten Sammler nach Durchsicht ihrer Hefte frohlocken, dass auch sie Heft Nr. 1 in ihrem Bestand haben, so seien sie gewarnt: Heft Nr. 1 gibt’s gleich zweimal. Als Salamander im Jahr 1952 nach einer längeren Pause wieder mit der Produktion von Lurchis Abenteuern startete, begann die Neuzeit mit Nr. 1 – und nicht mit Nr. 6, wie es nach den von 1937 bis 1939 erschienenen fünf Heften eigentlich passender gewesen wäre. Dem Nachkriegslurchi verhalf 21 Jahre lang der Kinder- und Jugendbuchillustrator Heinz Schubel zum Leben. Diese Hefte sind durchaus noch in größerer Zahl vorhanden und haben bei Weitem nicht den Wert, den das erste Heft hat. Mittlerweile hat Lurchi, der nunmehr von Dietwald Doblies gezeichnet und getextet wird, schon 157 Abenteuer bestehen müssen. Unter den Hammer ist er dabei allerdings noch nie gekommen.