Kornwestheim Marihuana lagerte in der Salatschüssel

Michael Bosch, vom 30.11.2017 07:00 Uhr
Verhandlung vor dem Landgericht. Foto: dpa
Verhandlung vor dem Landgericht. Foto: dpa

Kornwestheim - Fast konnte einem ein bisschen schwindlig werden, so schnell ratterte Staatsanwalt Dr. Philipp Molsberger am Mittwochnachmittag die Anklagepunkte gegen einen 27-jährigen Kornwestheimer vor der Großen Strafkammer am Landgericht Stuttgart herunter. Der Mann soll sich in 30 Fällen strafbar gemacht und gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Seit Anfang Juni 2016 soll der Angeklagte in Kornwestheim – zum Teil aber auch in Stuttgart, wo er zuletzt gewohnt hatte – in 24 Fällen Marihuana im Wert von insgesamt mehreren zehntausend Euro verkauft – jeweils zwischen 250 Gramm und einem Kilogramm. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann zudem vor, sechs weitere Male gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Unter anderem soll er in einem Café in Wangen Kokain weitergegeben haben.

Der Angeklagte bekannte sich nur in einem Fall schuldig – dem letzten vom 29. Mai dieses Jahres. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Damals soll er von rund 1,4 Kilogramm Marihuana etwas mehr als 900 Gramm verkauft haben. Den Rest bewahrte bei sich daheim in einer Salatschüssel auf. Alle anderen Vorwürfe träfen nicht zu, hieß es in einem Schreiben, dass der Anwalt des Beschuldigten, Sebastian Dzuba, vor Gericht verlas.

„Ich bin da schnell reingerutscht“, so der Angeklagte. „Die sechs Monate Untersuchungshaft waren die Hölle für mich.“ Derartige Vorfälle werde es nicht mehr geben, beteuerte der Kornwestheimer.

Zuvor hatte er von sich selbst das Bild eines jungen, durchaus vernünftigen Mannes gezeichnet, der in der Hauptschule zunächst kein gutes Zeugnis abgelegt, sich auf seinem weiteren Bildungsweg dann aber verbessert habe. Die Wirtschaftsschule habe er mit einem Schnitt von 2,0 abgeschlossen und anschließend bei seinem Stiefvater in der Firma als Hausmeister gearbeitet. Der Stiefvater war ebenfalls im Gerichtssaal als Zeuge anwesend. Weil gegen ihn aber ein Verfahren anhängig ist, musste und wollte er keine Aussage machen.

Die damalige Tätigkeit sei von der „Bezahlung nicht so gut“ gewesen, so der 27-Jährige, weshalb er sich mit einem Abbruchunternehmen selbstständig gemacht habe. Dieses habe er zwei Jahre lang geführt, „dann ging es nicht mehr so gut“. Anschließend sei er etwa ein halbes Jahr arbeitslos gewesen, um dann einen neuen Versuch zu starten. „Erst lief es besser, dann war ich dem Stress nicht mehr gewachsen“, sagte der Mann, der einräumte 12 000 Euro Schulden zu haben. Zuletzt habe er eine Lehre als Straßenbauer gemacht. Dem Gericht wurde in diesem Zusammenhang auch ein Schreiben vorgelegt, in dem sein letzter Arbeitgeber bestätigte, dass er mit der Arbeit des Kornwestheimers zufrieden gewesen sei und sich durchaus die Wiederaufnahme der Ausbildung vorstellen könne. Durch die Tat vom 29. Mai habe er sich „viele Dinge für die Zukunft verbaut“, sagte Sebastian Dzuba stellvertretend für seinen Mandanten.

Für die Hauptverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht sind insgesamt vier weitere Termine angesetzt. „Es haben sich schon einige Fragen ergeben“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Klotz. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 6. Dezember, fortgesetzt.