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Kornwestheim Mehrheit möchte Moschee mit Minarett

Werner Waldner, vom 12.07.2018 00:00 Uhr
Darf gebaut werden: das Minarett an der Moschee. Foto:  
Darf gebaut werden: das Minarett an der Moschee. Foto:  

Kornwestheim - Es ist selten, dass Beiträge von Stadträten mit Applaus honoriert werden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz bekam gestern Abend für seine Stellungnahme Beifall – von der Zuschauertribüne und aus den Reihen der anderen Fraktionen. In besonnenen Worten hatte er erläutert, warum der Gemeinderat aus seiner Sicht dem Bebauungsplan für das Areal an der Sigelstraße, der eine Moschee mit Minarett möglich macht, zustimmen sollte.

Mit einem Ja zu einer Moschee samt Turm verteidige man auch die eigene Werte von christlicher Nächstenliebe und Toleranz. Er sehe ein Minarett nicht wie die CDU als Symbol der Macht, sondern als Symbol des Glaubens, sagte Gritz. Und man könne das Minarett auch als positives Symbol dafür betrachten, dass das Zusammenleben von Mitgliedern ganz unterschiedlicher Religionen in Kornwestheim funktioniere.

Ganz so liebevoll gingen die Stadträte durchgehend nicht miteinander um. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä kritisierte Grüne und Linke für Beiträge, die am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik geäußert worden waren. Dort hatte Ralph Rohfleisch (Grüne) den Christdemokraten vorgeworfen, sie seien auf den Zug der Rechtspopulisten aufgesprungen, Anne Jeziorski (Linke) sieht sie „im Fahrwasser der AfD“. Mit solchen Formulierungen, so Bartholomä, trügen sie zu einer „Verrohung der Sprache“ bei. Grüne und Linke wollten die CDU diskreditieren und verletzen.

Diese Kritik wies Ralph Rohfleisch, Vorsitzender der Grüne/Linke-Fraktion, umgehend zurück. Wer solche Vorwürfe vorbringe, der solle sich an die eigene Nase fassen. Die Argumentation der CDU sei nicht schlüssig, die Christdemokraten würden mit der Ablehnung des Minaretts rund zehn Prozent der Bevölkerung, die muslimischen Glaubens seien, vor den Kopf stoßen und zudem demokratische Werte unterlaufen.

Markus Kämmle (Freie Wähler) warnte davor, in der Entscheidung über das Minarett „große Politik“ machen zu wollen. Hier gehe es um den Wunsch eines Vereins, der zu Kornwestheim gehöre. Das Minarett sei ein religiöses Symbol.

Dem widersprach Dr. Jörg Schaible (CDU). „Es ist nicht ganz so, dass das nichts mit dem türkischen Staat zu tun hat“, sagte er. Die Bedeutung der Minarette habe sich für die deutsche Bevölkerung in den vergangenen ein, zwei Jahren geändert, so der Stadtrat. Prof. Walter Habenicht (SPD) warnte davor, die Zahlen einer CDU-Mitgliederbefragung zu überinterpretieren. Von den 81 Mitgliedern in Kornwestheim hatten sich 42 beteiligt, 35 von ihnen gegen das Minarett ausgesprochen. Das seien nur 45 Prozent aller CDU-Mitglieder, rechnete Habenicht vor. Theresia Liebs (Freie Wähler) bat die CDU herzlich, ihren Antrag zurückzuziehen. Das Minarett, sagte sie, sei wie eine „Knospe“.

Mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, Grüne, Linke und der Oberbürgermeisterin (parteilos) sprach sich der Gemeinderat für den Bebauungsplan aus – und damit quasi auch für den Bau einer Moschee mit Minarett. Die Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, die in großer Zahl zur Sitzung gekommen waren, registrierten es mit Freude. Vorm Rathaus machten sie ein Gruppenfoto, um den für sie so wichtigen Tag im Bild festzuhalten.