Kornwestheim Merkel geht: Erleichterung herrscht vor

unserer Redaktion, vom 31.10.2018 09:00 Uhr
Merkel: Wer tritt aus ihrem Schatten hervor? Foto: dpa
Merkel: Wer tritt aus ihrem Schatten hervor? Foto: dpa

Kornwestheim - Die Anerkennung ist groß, dass sie diesen Schritt tut, die Erleichterung aber auch. Der Rückzug Angela Merkels von der CDU-Parteispitze kommt bei den Christdemokraten gut an.

Der Kornwestheimer CDU-Stadtverbandsvorsitzende Sven Waldenmaier sagt: „Ich glaube, dass die Entscheidung Angela Merkels unserer Partei extrem gut tut, es ist der richtige Schritt“. Das sei seine persönliche Meinung, aus dem Stadtverband habe er noch kein Stimmungsbild. Merkel habe verpasst, andere starke Persönlichkeiten aufzubauen, so Waldenmaier weiter. Übrigens hatte der Kornwestheimer CDU-Chef sich schon während der Koalitionsverhandlungen ähnlich geäußert. Auch heute sagt er: „Ich glaube, wenn Jamaika gekommen wäre, hätten wir einige Probleme so nicht gehabt.“ Annegret Kramp-Karrenbauer könne er sich als Nachfolgerin gut vorstellen. Waldenmaier ergänzt: „Wir müssen das konservative Profil der CDU wieder schärfen.“

Rainer Wieland, der Vizepräsident des Europäischen Parlaments wie auch CDU-Kreisvorsitzender in Ludwigsburg ist, sagt: „Wir haben alle großen Respekt vor der Entscheidung von Angela Merkel.“ Er berichtet von einer von ihm besuchten Ortsverbandssitzung vor einigen Tagen, die „mit großer Nachdenklichkeit“ abgelaufen sei. „Die Leute haben gesagt: Frau Merkel kann mittlerweile alles richtig machen, und hat es dennoch schwer.“ Wieland lobt die „Souveränität“ und „Noblesse“, mit der die Kanzlerin dieser Tage auftrete. In Europa werde Angela Merkel nach wie vor als Anker begriffen, so der CDU-Europapolitiker. Zu Fragen über Angela Merkels Rolle als Bundeskanzlerin sagt er: „Es geht aktuell um den Parteivorsitz, nicht um die Kanzlerschaft.“ Als Nachfolger in dieser Position könne er sich jemanden vorstellen, „der ein Teamspieler“ sei.

Vom Zeitpunkt der Ankündigung überrascht war Hans Bartholomä, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Er hält die Entscheidung Merkels jedoch für „einen notwendigen“ Schritt. „Es kann ja nicht so weitergehen, dass immer mehr Wähler verloren gehen“, meint Bartholomä. Sein persönlicher Favorit als Merkel-Nachfolger ist Friedrich Merz. „Als er in Amt und Würden war, hat er einen guten Job gemacht. Ich freue mich, dass er jetzt zur Diskussion steht.“ Vor allem mit seiner Wirtschaftspolitik hat Merz den Kornwestheimer Stadtrat überzeugt.

Deutliche Worte fand der Kreisverband Ludwigsburg der Jungen Union (JU) schon am Sonntagabend. In einer Stellungnahme auf der Facebookseite der JU heißt es: „Wir fordern die CDU auf, endlich zu reagieren und Konsequenzen aus den herben Verlusten der vergangenen Wochen in den Landtagswahlen und Umfragen zu ziehen. Der Parteivorsitz muss neu besetzt werden, das konservative und wirtschaftliche Profil wieder geschärft werden und die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt werden.“ Geteilt haben die jungen Christdemokraten dort auch die Forderung nach einem Rücktritt Merkels als Kanzlerin. JU-Kreisvorsitzende Fridericke Jähnichen ergänzte auf Nachfrage unserer Zeitung gestern lediglich: „Angela Merkel ist eine intelligente Frau. Sie weiß, was sie tut.“ Zu den Personen, die derzeit für die Nachfolge im Gespräch sind, wollte sie sich nicht äußern.

Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier, zugleich Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der CDU Nordwürttemberg, bezeichnet den Schritt der Kanzlerin als „richtig und fällig“. Er habe in vielen Gesprächen innerhalb der Partei gespürt, dass der Wunsch nach neuen und jungen Kräften an der Parteispitze“ immer größer werde. Die Wahlausgänge in Bayern und Hessen hätten zudem gezeigt, dass das Vertrauen in die CDU nicht mehr vorhanden sei. Nun habe seine Partei die Chance auf einen Neuanfang. Dass CDU-Vorsitz und Kanzlerschaft nicht in einer Person vereinigt seien, sieht Allgaier „als nicht so dramatisch“ an. Was Allgaier wirklich freut: Die Delegierten haben, so sieht es derzeit aus, wirklich die Wahl zwischen mehreren Kandidaten. „Das ist urdemokratisch“, so Allgaier, der die CDU auch im Kreistag vertritt. Sein Favorit? Niemand aus dem Dunstkreis der Bundeskanzlerin, weil das einem wirklichen Neuanfang widersprechen würde. Weshalb Annegret Kramp-Karrenbauer seine Stimme wohl nicht bekommen würde. Aber Allgaier gehört nicht zu den Delegierten für den Bundesparteitag in Hamburg, wohl aber zu denen des Bezirksparteitages. Der KPV-Vorsitzende geht davon aus, dass die Landes-CDU sich um ein einheitliches Votum für einen Kandidaten bemühen wird.