KornwestheimMit Charme und wandlungsfähiger Stimme

Sabine Baumert, vom 15.04.2017 15:00 Uhr
Vlady Vitaly hat im K die Besucher ihres Konzerts musikalisch und kulinarisch verwöhnt. Foto: Christian Mateja
Vlady Vitaly hat im K die Besucher ihres Konzerts musikalisch und kulinarisch verwöhnt.Foto: Christian Mateja

Kornwestheim - Da hatte Vlady Vitaly bei ihrem ersten Konzert in Kornwestheim mit Lev Lourie am Piano und Andreas Streit am Bass offenbar gleich eine leere Stelle im Terminkalender von Freunden des Oldtime-Jazz entdeckt. Der Veranstaltungsraum im K war voll besetzt, zu einem guten Teil mit Zuhörern, die man sonst in der warmen Jahreszeit beim Jazz auf dem Marktplatz trifft.

Für das Publikum gab es da allerdings etwas anderes auf der Bühne zu sehen als die Formationen älterer Herren, die traditionell dort auftreten. Vlady Vitaly ist gerade mal 27, kann hervorragend singen und erinnerte im Aussehen an das Filmidol Audrey Hepburn aus den 1950er-Jahren. Grund genug für die einen, die Smartphones zu zücken und das Trio mit seiner Frontfrau als Erinnerung im Bild festzuhalten. Manche ältere Dame im Publikum bekam verträumte Augen, vielleicht in Erinnerung an romantische Abende im Kino bei Filmen der großen amerikanischen Hollywood-Ikonen.

Für Getränke und Essen war ebenfalls gesorgt – auch das eine Reminiszenz an den Kornwestheimer Open-Air-Jazz alter Schule. Vlady Vitalys gesamte Familie hatte sich gewaltig ins Zeug gelegt und Häppchen, leckere Kuchen und Getränke aller Art bereitgestellt. Was machte es da aus, dass man angesichts der Menge an Zuhörern eigentlich zwei Räume gebraucht hätte, einen für das Konzert und einen anderen für das Büfett? So hieß es eben ein bisschen anstehen für die Leckereien. Doch schließlich kamen alle zum Zuge.

Musikalisch wurden auch viele Leckerbissen aus Swing, Blues und Südamerikanischem serviert. Andreas Streit fungierte als verlässliche Harmoniebasis, sowohl was die Basstöne als auch was die Vermittlung zwischen der temperamentvollen Sängerin und dem Pianisten mit den flinken und kräftigen Fingern anging. Die junge Künstlerin interpretierte auch klassische Jazztitel wie den „Long gone Blues“ von Billie Holiday, „These foolish things remind me of you“ von Ella Fitzgerald oder „Georgia on my Mind“ von Ray Charles mit Charme und wandlungsfähiger Stimme. „Sie sollen einen unbeschwerten Abend verbringen können“, hatte Vlady Vitaly zu Beginn des Konzertes versprochen. Und so schien auch der Schmerz angesichts der geliebten Männer, die einfach mal so zur nächsten Frau weiterzogen oder die die Frau selbst nicht mehr lieben konnte, nie übermäßig groß. Klar gibt es Trauer im Leben, war die philosophische Botschaft. Aber über die kann man letztlich auch immer wieder irgendwie hinwegkommen.

Beim traditionellen Jazz dürfen natürlich Reminiszenzen an die amerikanischen Südstaaten nicht fehlen, sei es das bereits erwähnte Georgia oder die berühmte Basin Street in New Orleans, wo die Damen ihren Besuchern versprechen, sie würden sie „in das Land der Träume“ entführen.

Träume von tropischen Stränden weckte ein Bossa, bei dem Vlady Vitaly gekonnt den Shaker als Rhythmusinstrument bediente und Lev Lourie dem Piano südamerikanische Rhythmen entlockte. Dass die Musikerin früher eine sehr erfolgreiche Turniertänzerin im Bereich lateinamerikanische Tänze gewesen ist, kam ihr sehr zugute. Denn so bekam das Publikum zusätzlich zum Gesang temperamentvolle südamerikanische Tanzelemente zu sehen. Welche Verführungskunst bei all dem ins Spiel kommt, zeigte Vlady Vitalis ebenfalls tanzerfahrene Schwester mit ihrem Tanzpartner bei einer kurzen Einlage.

„Es war ein wunderschöner Abend“, fasste eine Zuhörerin zusammen. Einen Herrn aus dem Publikum hat das Konzert sogar an eine Jazz-Veranstaltung in München erinnert. Nach der Zugabe blieben viele noch plaudernd beieinander, unterhielten sich mit Freunden oder nutzten die Gelegenheit zum Fachsimpeln. Nur einer war froh, dass das Konzert vorbei war. Der Hund, der geduldig auf dem Boden gelegen hatte, gab Herrchen und Frauchen zu verstehen, dass er nach Hause wollte.