KornwestheimMit dem Wüstenrot-Chef über die Baustelle

Michael Bosch, vom 15.08.2017 13:33 Uhr
Der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot-Bausparkasse Bernd Hertweck (Zweiter von rechts) im Gespräch mit  Besuchern auf der Baustelle des neuen Campus. Foto: Christian Mateja
Der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot-Bausparkasse Bernd Hertweck (Zweiter von rechts) im Gespräch mit Besuchern auf der Baustelle des neuen Campus.Foto: Christian Mateja

Kornwestheim - Draußen rumpeln die Bagger und Tieflader, es wird überall gewerkelt, dementsprechend staubig ist es. Aber: Lange dauert es nicht mehr, bis die 1200 W&W-Mitarbeiter in ihre neuen Büros auf dem Campus einziehen. „Ich war schon eine Weile nicht mehr auf der Baustelle“, sagte Bernd Hertweck, der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot-Bausparkasse, am Montagnachmittag. „Aber es geht voran. Wir sind sehr zufrieden mit dem Fortschritt.“

Die zwei neuen Bürohäuser im Süden des Areals mit einer Fläche von circa 20 000 Quadratmetern und Kosten von 130 Millionen Euro sollen bis zum November fertig sein, und dann kommen auch schon die Mitarbeiter. Wohl Ende des Jahres werden sie vollends umgezogen sein. „Das war ein ambitionierter Plan“, sagt Hertweck, „aber es fügt sich jetzt langsam alles zusammen. Man sieht aber schon, was wir noch zu tun haben.“ Die Fassade aus 615 000 Klinkersteinen jedenfalls ist schon fast fertig. Am Montag hatte Bundestagskandidat Steffen Bilger im Rahmen des CDU-Sommers zu einer Führung für jedermann geladen. Für Bilger ist W&W „einer der wichtigsten Arbeitgeber im Wahlkreis“. 4000 Personen sollen einmal in Kornwestheim arbeiten. Die Tage der alten W&W-Häuser zwischen Ludwigsburger Straße und B 27-Zufahrt sind derweil gezählt. 40 Jahre standen sie, im Februar 2018 sollen sie abgerissen werden. In gerade einmal acht Monaten sollen die alten Gebäude dem Erdboden gleich gemacht werden.

Demnach wäre der erste Spatenstich für die fünf weiteren geplanten Gebäude, die den Campus vervollständigen, im September 2018. In Zeiten von gescheiterten (Groß-)Bauprojekten landauf, landab durchaus erfreulich. „Wir haben vor“, sagt Hertweck und zeichnet den weiteren Weg des neuen W&W-Campus’ vor, „die fünf Gebäude in einem Zug fertigzubauen.“

Neben Hertweck und Jörg Tigges, Abteilungsleiter Städtebau bei W&W, nahmen knapp 20 Interessierte an dem kleinen Rundgang teil – und die hatten einige Fragen zu den fast futuristisch anmutenden neuen Büros. Wo denn die Telefone seien, wollte ein Teilnehmer wissen. Antwort: Die gibt es nicht mehr. Die Zukunft ist drahtlos, telefonieren werden die 1200 Mitarbeiter aus den zwei Abteilungen, die zuerst in die neuen Gebäude ziehen, vorzugsweise über das Internet. Falls jemand mit dem E-Bike zur Arbeit kommen sollte, muss er keine Angst haben, dass sein moderner Drahtesel auf dem Heimweg die Unterstützung versagt. Im neuen Parkaus gibt es ausreichend Ladestationen. Auch sonst gab es jede Menge über die neue Bürowelt zu erfahren. Einen festen Arbeitsplatz werden einige der Beschäftigten künftig nicht mehr haben. „Desk-Sharing“ ist das Zauberwort, was eigentlich nur so viel bedeutet wie: Mehrere Mitarbeiter teilen sich einen Schreibtisch. Sind sie mit der Arbeit fertig, schließen sie ihren Laptop in ihren Spind. In Zeiten von flächendeckendem W-Lan und Zugriff auf persönliche Dateien über einen Cloud-Speicher ist so ein Arbeitsmodell kein Problem mehr. Bernd Hertweck weiß aber auch, dass das für seine Mitarbeiter „durchaus eine Umgewöhnung“ werden wird. Aber: „Wir haben Projekte, da sind Mitarbeiter über zwei Monate nicht im Haus. Da macht es keinen Sinn, dass der Schreibtisch so lange leer steht.“

Und was sagen die Mitarbeiter? „Die meisten sind begeistert“, berichtet Jörg Tigges, der den größten Teil der Führung über die Baustelle übernimmt. „Aber natürlich haben einige auch immer Bedenken. Die Sorgen gehen dabei los, dass einige befürchten, ihre Identität zu verlieren. Andere wollen nach wie vor ihr eigenes Büro haben, wieder andere meinen, dass das Gebäude zu kalt ist.“

Und dann war da noch die leidige Frage nach der Verkehrsanbindung. Eine eigene S-Bahn-Station, sagt Bernd Hertweck, die wäre schon „perfekt“.