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KornwestheimMit Messerstich lebensgefährlich verletzt

Gaby Mayer, vom 20.12.2012 00:00 Uhr
Ein 18-Jähriger bekommt es mit dem Gesetz zu tun. Er hat mit einem Klappmesser zugestochen. Foto: Fotolia
Ein 18-Jähriger bekommt es mit dem Gesetz zu tun. Er hat mit einem Klappmesser zugestochen.Foto: Fotolia

Kornwestheim - Für die Eltern des Angeklagten ist es ein schwerer Gang. Sie sind – gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern – am Donnerstagnachmittag ins Stuttgarter Landgericht gekommen. Ihr Sohn wird in Handschließen in den Verhandlungssaal geführt, er muss sich vor der 4. Großen Jugendkammer wegen versuchten Mordes verantworten. Fast jedes Wort des jungen Mannes begleitet die Mutter mit einem Nicken oder kopfschüttelnd. „Ich verstehe, dass Sie mit ganzem Herzen mitgehen“, sagt die Vorsitzende Richterin Cornelie Eßlinger-Graf. Auch für den Angeklagten selbst, den nervöse Zuckungen während der gesamten Verhandlung nicht loslassen, hat sie beruhigende Worte übrig – zunächst jedenfalls.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni ereignete sich die Tat. Auf dem Salamander-Areal fand das Kulturwerk statt. Zum Auftakt am Freitag gab es eine Fußballübertragung und eine Party. Der Angeklagte war dort mit seinen Freunden, nachdem sich die Gruppe im Stadtpark zum „Vorglühen“ mit Wodka- und Whiskey-Mixgetränken getroffen hatte. Reichlich angetrunken – ein Atemalkoholtest nach seiner Verhaftung ergab 1,4 Promille – verließ der Ludwigsburger nach Mitternacht das Festgelände, um am Bahnhof nach dem S-Bahn-Fahrplan zu sehen. Dabei soll er eine leere Flasche gekickt haben – was das spätere Opfer auf den Plan rief. Der Kornwestheimer Polizeibeamte, der an diesem Abend nicht im Dienst, sondern privat unterwegs war, forderte den jungen Mann auf, das Flaschentreten zu unterlassen. „Mit breiter Brust und die Hände auf dem Rücken“, wie es in der Anklageschrift heißt, sei der 19-Jährige daraufhin auf sein Opfer zugegangen und habe ihn gefragt, ob er Probleme habe. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung soll sich der Angeklagte zum Telefonieren zurückgezogen haben, um den Polizisten dann abermals zu stellen. Weil der Auszubildende ihm dabei zu nahe kam, habe ihn der Beamte mit der flachen Hand von sich weggeschoben – zu spät. Der Angeklagte zog ein Klappmesser, stieß es dem Opfer in den Bauch und flüchtete. Von Mitarbeitern des städtischen Vollzugsdienstes wurde der Ludwigsburger gestellt und überwältigt. Das Opfer kam unterdessen mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus und wurde noch in der Nacht notoperiert.

Heimtückisch sei der Angriff gewesen, so die Staatsanwaltschaft, den Tod seines Opfers habe der angehende Teilezurichter billigend in Kauf genommen. Jener sah das anders. Recht flüssig beschrieb der Angeklagte, wie er sich von dem Mann, der ihn zurecht gewiesen habe, bedroht gefühlt habe. Dieser habe ihn „angestarrt mit so einem Blick“ und ihn nicht weggeschoben, sondern geschubst. „Der hat Streit gesucht.“ Mit dem Messer habe er ihm daher Angst machen wollen. Warum er es dann aber bis zur Attacke hinter dem Rücken verborgen gehalten habe, wie ihm die Vorsitzende Richterin vorhielt, vermochte er nicht zu erklären. Wortkarg gab sich der Angeklagte auch, als die Sprache auf seine Verbindungen zur Organisation Black Jacketts kam. Rund ein Jahr gehörte er ihr als zahlendes Mitglied an, und auch wenn er mittlerweile ausgetreten sei, wie der 19-Jährige beteuerte, habe er sich in Untersuchungshaft mit seinen Kontakten gebrüstet, so Eßlinger-Graf. „Da haben Sie noch erzählt, was für ein großer Hecht Sie bei den Black Jacketts waren.“ Dass sich der Ludwigsburger an keine Namen seiner einstigen Kumpane zu erinnern vermochte, nahm ihm die Richterin ebenso wenig ab wie den Versuch, die Tat als eine Art Unfall darzustellen. Das Messer habe der Polizist nur abbekommen, weil „er mir zu nahe kam“. Dass sein Opfer hätte sterben können, sei ihm nicht klar gewesen: „Ich kenn mich damit nicht aus.“ Eine Aussage, die Eßlinger-Graf aufbrachte. „Das ist nicht einfach passiert. Sie haben zugestochen“, fuhr Sie den Angeklagten an. „Machen Sie sich nicht schlichter, als Sie sind.“

Der Prozess wird am Freitag, 21. Dezember, fortgesetzt.

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