KornwestheimOperiert die Stadt mit falschen Zahlen?

Werner Waldner, vom 16.03.2017 07:00 Uhr
Falsche Zahlen bei der Jazzaktion? Foto: dpa
Falsche Zahlen bei der Jazzaktion?Foto: dpa

Kornwestheim - Es handelt sich um eben jene 5000 Euro, die die Stadt zu sparen hofft, indem sie die Jazzaktion nicht weiter unterstützt. Diese Summe weist die Vorlage aus, auf deren Grundlage der Beschluss heute vor einer Woche im Verwaltungs- und Finanzausschuss gefallen ist. 5000 Euro habe die Stadt aber nie bezahlt, rechnet nun das Jazzaktionsteam vor, das am vergangenen Samstag die letzte Veranstaltung – es war die 28. ihrer Art – über die Bühne gebracht hat. Passenderweise lautete das Motto „Zabbaduuuschtr!“.

Die Stadt übersehe bei ihrer Kostenauflistung, dass Sponsoren für einen nicht unwesentlichen Teil der Kosten aufgekommen seien, sagen die „Jazzaktionisten“. Was das Jahr 2017 betreffe, sei das Missverhältnis eklatant. Gut 6000 Euro habe die Veranstaltung am vergangenen Samstag, bei der sich immerhin sechs Formationen präsentiert hätten, gekostet. Die Stadtwerke hätten den Abend mit 3000 Euro gefördert, das Land Baden-Württemberg habe erstmalig aus einem Sondertopf 2300 Euro beigesteuert. Blieben für die Kommune gerade einmal 700 Euro. „Grund genug, eine kulturelle Perle wie die Jazzaktion zu opfern?“, fragt Bernd Mathe für das Team.

Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier räumt ein, dass es sich bei den 5000 Euro um einen „Erfahrungswert“ handeln würde. Allerdings stellen die Organisatoren auch das in Abrede. „Schon 2016 waren nur 3300 Euro im Haushalt eingestellt“, erinnern sie in einem Schreiben. Dank der Sponsoren habe die Stadt diese 5000 Euro in den vergangenen Jahren nie aufbringen müssen. Allgaier gibt allerdings zu bedenken, dass das Sponsoring nicht auf Dauer fließen werde. Das Geld komme mit den Stadtwerken von einer städtischen Tochter, die sich bei der Vergabe mit der Stadt abstimme. Es sei nicht gesichert, dass die Jazzaktion weiter unterstützt werde, so Allgaier, der sich in diesem Jahr für den 3000-Euro-Zuschuss stark gemacht hatte.

Aber nicht nur die in den Raum gestellten 5000 Euro ärgern die Macher der Jazzaktion. Dass SPD-Stadträtin Andrea Tröscher und Oberbürgermeisterin Ursula Keck in öffentlicher Sitzung behauptet hatten, die Jazzaktion solle ohnehin auslaufen, bringt sie ebenso auf die Palme. Im Oktober 2016 sei ihnen von Seiten der Stadtverwaltung mitgeteilt worden, dass die Jazzaktion 2018 auf der Streichliste stehe. Die Stadt ihrerseits habe also den Organisationen das Ende nahegelegt. Tröscher und Keck würden „Ursache und Wirkung vertauschen“, so heißt es in einem Schreiben der Jazzaktionisten.

Allgaier hofft, die Ungereimtheiten bei einem Abendessen, zu dem die Stadt die Jazzaktionisten einladen und mit dem sie Danke für das langjährige Engagement sagen will, aus der Welt schaffen zu können. Andrea Tröscher hat sich auch zu Wort gemeldet. Sie wünscht sich, dass die Jazzaktion einen Antrag fürs kommende Jahr stellt – „trotz aller Sparmaßnahmen zumindest mal für die Räumlichkeiten“. Die SPD-Stadträtin weiter: „Es kann sicherlich im Rahmen der Gleichbehandlung ehrenamtlichen Engagements zu Gunsten der Kornwestheimer Bevölkerung nochmals darüber nachgedacht werden.“ Sie sei zuversichtlich, dass sich kreative Ideen umsetzen ließen. „So schnell sterben gut organisierte Projekte nicht.“