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Kornwestheim/Pattonville Wo die Menschen bald beten und singen

Peter Meuer, vom 13.06.2018 09:00 Uhr
Die Kirchenband Higher, hier bei einem Auftritt in der Martinskirche, könnte künftig häufiger bei besonderen Gottesdienst-Formaten auftreten. Foto:  
Die Kirchenband Higher, hier bei einem Auftritt in der Martinskirche, könnte künftig häufiger bei besonderen Gottesdienst-Formaten auftreten. Foto:  

Kornwestheim/Pattonville - Weniger Gottesdienste, diese aber gut aufeinander abgestimmt, und insgesamt mehr Gottesdienste mit Sonderthemen: Die evangelischen Kirchengemeinde Kornwestheim überarbeitet dieser Tage ihr Gottesdienstkonzept. Zwar sei das alles noch im Fluss, sagt der evangelische Pfarrer Horst Rüb, der Kirchengemeinderat werde das Thema in künftigen Sitzungen erneut besprechen. Klar ist aber: Ab kommendem Frühjahr, wohl im April 2019, wird sich vieles ändern bei den Protestanten.

Aktuell gibt es an den Sonntagen jeweils vier evangelische Gottesdienste in der Stadt, oft sind das traditionelle Predigtgottesdienste. Künftig werden es wohl nur noch drei Gottesdienste pro Sonntag sein. In der Martinskirche und der bis dahin runderneuerten Johanneskirche – nach diesem Umbau richtet sich der Start des neuen Konzeptes – wird dann an jedem Sonntag gemeinsam gefeiert. Im Thomashaus und in der Heiliggeistkirche in Pattonville soll es jeweils alle zwei Wochen Gottesdienste geben. Schwerpunkt in der Martinskirche werden Predigtgottesdienste mit Orgelmusik sein, in der Johanneskirche sollen Predigtgottesdienste sich mit besonderen Formaten wie zum Beispiel Familiengottesdiensten abwechseln.

Abwechseln zwischen klassischen und besonderen Gottesdienst

Horst Rüb, geschäftsführender Pfarrer der Kornwestheimer Kirchengemeinde und zudem Seelsorger an der Martinskirche, betont, die neue Johanneskirche werde sich für außergewöhnliche und moderne Gottesdienstformen besonders gut eignen. Das Gotteshaus wird auf dem aktuellen Stand der Medientechnik sein. Beispielsweise könnte die Anfang dieses Jahres gegründete Kirchenband „Higher“ dort regelmäßig auftreten. Auch in Pattonville und im Thomashaus wird wohl künftig zwischen „klassischen“ und besonderen Formaten rochiert. Angedacht sind auch regelmäßige Film- und Salbungsgottesdienste, so Rüb. Neben dem Umbau der Johanneskirche und dem Abriss des Paulusgemeindehauses im kommenden Jahr gibt es zwei weitere wichtige Gründe für die Entscheidung der evangelischen Kirchengemeinde, sich in Sachen Gottesdienste neu aufzustellen.

Erstens: Der Pfarrplan trifft auch die Protestanten in Kornwestheim. In ganz Württemberg sollen demnach bis 2030 ein Drittel der Pfarrstellen wegfallen, und auch Kornwestheim muss Stellen abbauen. Pfarrerin Fraukelind Braun verabschiedet sich zum 22. Juli, sie tritt eine neue Stelle in Creglingen an. Dieter Haug geht im September in den Ruhestand, die entsprechende 50-Prozent-Stelle wird zwar vorerst mit dem jetzigen Bezirksjugendpfarrer Martin Ergenzinger wiederbesetzt – allerdings auf zwei Jahre befristet. In zwei Jahren wird dann auch Elserose Haug in den Ruhestand gehen. Unterm Strich werden ab 2020 nur noch vier Pfarrstellen in Kornwestheim zur Verfügung stehen – entsprechend fehlt es bald an Ressourcen, um die jetzige Anzahl der Gottesdienste aufrechtzuerhalten. „Wir können das so nicht mehr leisten“, sagt Horst Rüb. Und ergänzt: „Zudem kann es sein, dass wir bis 2030 eine weitere Stelle verlieren.“

Die Kirchen sollen voller werden

Zweitens: Die Kirchengemeinde will ihre Gottesdienste zugkräftiger machen und ein breiteres Spektrum abdecken. Manchmal sitzt nur eine Handvoll Menschen im Kirchensaal, und doch finden an mehreren Orten in der Stadt ähnliche Gottesdienste statt.

Hier will man, dass die Kirchen pro Gottesdienst voller werden – und die thematischen Messen sollen außerdem weiteres Publikum anlocken, Familien und junge Menschen beispielsweise. Für die Älteren und Andere, die nicht mehr so mobil sind, gibt es bereits einen Fahrdienst. Hier hofft Rüb, dass dieser auch in Zukunft verstärkt in Anspruch genommen wird, um zum nächsten Gottesdienst zu gelangen.

„Viele Punkte müssen noch im Detail besprochen werden“, betont Rüb noch einmal, noch nicht alles sei in trockenen Tüchern. Und es ist ja auch noch etwas Zeit. Aber: Unterm Strich begreifen die Protestanten ihre neue Gottesdienstkonzeption „als Chance“, betont Horst Rüb.