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Kornwestheim Pleiten, Pech und – Ende gut, alles gut

Werner Waldner, vom 07.10.2018 00:00 Uhr
Zur Einweihung blau angestrahlt: die neue THW-Unterkunft mit dem Übungsturm. Foto: Horst Dömötör
Zur Einweihung blau angestrahlt: die neue THW-Unterkunft mit dem Übungsturm. Foto: Horst Dömötör

Pattonville - Was lange währt, . . . – diese Volksweisheit hatten sich gleich mehrere Festredner notiert. Ja, gut ist sie geworden, die neue Unterkunft des Technischen Hilfswerkes (THW) am Alten See in Pattonville. Edel wirkte sie, als sie am Freitagabend zur feierlichen Einweihung im THW-Blau angestrahlt wurde. Aber lang hat’s auch gedauert, bis die THWler ihr neues Domizil nur einen Steinwurf vom alten entfernt in Beschlag nehmen durften. Sehr lange.

War’s pure Ironie, als der THW-Landesbeauftragte Dietmar Löffler in seiner Festrede davon schwärmte, wie schnell doch dieser Bau entstanden sei und wie lange es andernorts dauere? Oder wusste er nicht, wie lange die Ludwigsburger für diesen Bau gekämpft hatten? Im Jahr 1999 übernahm das THW das Gelände am Rande von Pattonville und Gerhard Kratt die Führung des Ortsverbandes. Sein Vorgänger gab ihm mit auf den Weg, sich um eine neue Unterkunft zu kümmern. In zwei Jahren sollte das eigentlich zu schaffen sein, lautete die Vorgabe. Kratt setzte sich auch gleich mit Vertretern der Stadt Kornwestheim zusammen, um das neue Verwaltungsgebäude zu planen. Knapp 20 Jahre hat’s bis zur Einweihung gedauert. Vieles lief nicht rund oder gleich schief – vom mit Schadstoffen belasteten Boden bis hin zum Besitzerwechsel des Geländes, der noch einmal zu Verzögerungen führte. Das ganze Prozedere dauerte so lange, dass man zwischendurch noch einmal in die alte Unterkunft, einem in den 1930er Jahren als Pferdelazarett gebauten Haus, das als solches aber nie genutzt worden war, investieren musste. 2004 wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut, um die Unterhaltskosten zu reduzieren. Gleichwohl: Eine Sanierung der alten Unterkunft wäre nicht wirtschaftlich gewesen, betonte Gerhard Kratt am Freitagabend.

Es wirkt wie das Tüpfelchen auf dem i dieser unendlichen Geschichte, dass auch zur Einweihung nicht alles so lief wie gewünscht. Erst in der vergangenen Woche war die Bauabnahme erfolgt, sodass keine Zeit mehr bestand, das 2,5 Millionen Euro teure Haus einzurichten. Die vielen Ehrengäste konnten sich nur leer stehende Räume anschauen. Er hoffe, sagte Gerhard Kratt, dass bis zum Neujahrsempfang – 2019 wohlgemerkt – alles fertig sei. Zu allem Überfluss musste der THW-Präsident Albrecht Brömme seinen Besuch zur Übergabe der Unterkunft auch noch kurzfristig absagen. Und dabei war der Termin doch so gelegt worden, dass er nach Pattonville kommen konnte.

Erstaunlich, wie gelassen die THWler all das Ungemach hinnahmen und die Fahrzeughalle schön hergerichtet hatten, um die Einweihung zu feiern. Ein Sextett des Musikvereins Oßweil sorgte für die musikalische Untermalung, Gerhard Kratt wurde für sein Engagement und seine Geduld mit dem Ehrenabzeichen des THW-Präsidenten ausgezeichnet. Langmut musste er auch beweisen, bis er den symbolischen Schlüssel in Empfang nehmen durfte, denn Günther Danziger von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – ihr gehört das Gelände und sie war auch die Bauherrin – überreichte ihn zunächst an Dietmar Löffler vom Landesverband, der ihn seinerseits an Andrea Hildebrand von der THW-Regionalstelle Stuttgart weitergab, die dann den großen Acrylschlüssel an Gerhard Kratt leitete. „Herr Kratt, ich bin ganz erleichtert, dass Sie der Schlüssel am Ende erreicht hat“, sagte Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier in seiner anschließenden Rede und hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch er ging noch einmal auf die lange Verfahrensdauer ein. Er wisse gar nicht mehr, sagte er, in wie vielen Neujahrsempfängen die Fertigstellung in Aussicht gestellt worden sei. Allgaier lobte die Pläne des THW Ludwigsburg, der 25 Mann starken Jugendabteilung große Räume zur Verfügung zu stellen. Das zeuge von Weitblick ebenso wie die gute Infrastruktur für die Ausbildung der Ehrenamtlichen. Die Stadt Kornwestheim zeigte sich spendabel: Sie unterstützt den Einbau einer Industrieküche mit 4500 Euro.

Dass die Leistungen des THW auf dem Engagement von Ehrenamtlichen beruhten, betonte auch der Landesbeauftragte Dietmar Löffler. Eine gute Ausstattung der Unterkünfte sei eine Würdigung ihrer Arbeit. Er lobte die gute Jugendarbeit des Ortsverbandes Ludwigsburg.

Ach so, Stefanie Siering hat ihre Arbeit pünktlich abgeliefert. Die Künstlerin aus München zeichnete für die Gestaltung des Treppenhauses und einer Wand im Gemeinschaftsraum verantwortlich. Anhand von Fotos aus den Jahresberichten entwarf sie collagenartige Grafiken und Arbeiten aus Stahl. Die Arbeit der Ehrenamtlichen beeindrucke sie, sagte sie am Rande der Eröffnungsfeierlichkeiten. Und deshalb findet sich auch der Schriftzug „Hero“ – Held – an der Wand im Treppenhaus.