KornwestheimProtest gegen rücksichtslose Autofahrer

Susanne Mathes, vom 12.06.2017 00:00 Uhr
Raser siond nicht erwünscht, die Plakate von Seiten der Stadt allerdings auch nicht. Foto: Susanne Mathes
Raser siond nicht erwünscht, die Plakate von Seiten der Stadt allerdings auch nicht.Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Wer das gewesen ist, weiß ich nicht, aber ich find’s auf jeden Fall gut. Stimmt ja alles“, sagt eine Anwohnerin mittleren Alters, die am Montagmorgen in der Ludwig-Herr-Straße steht, aber anonym bleiben möchte. Sie unterhält sich mit zwei weiteren Anliegern über die Plakate, die gegenüber am Zaun des Stadtgartens angebracht sind.

Über Nacht wurden in der nördlichen Ludwig-Herr-Straße und der Lammstraße, auch an den Kreuzungen Friedrich-Siller-Straße und Im Wiesengrund, gleich mehrere solcher Plakate an Zäunen, Baumstützpfosten und Laternenmasten befestigt. „30 kmh! Keine Raser im Wohngebiet!“, steht darauf geschrieben, oder „Abgase und Lärm machen krank!“ In ihrer Machart nicht auf Dauerhaftigkeit konzipiert und bereits vormittags vom Wind ordentlich gezaust, zeigen sie doch, dass für manchen Anwohner das Maß offensichtlich voll ist.

Ein Hausbesitzer aus der Ludwig-Herr-Straße erzählt, Autofahrer heizten oft mit deutlich mehr als 30 Stundenkilometern aus der Senke herauf, um die Grünphase an der Ampel zur Zeppelin-Kreuzung noch erwischen. „Da wird dann noch mal richtig Gas gegeben. Aber wenn die Ordnungshüter mal das Tempo messen, dann meistens nur weiter unten am Stadtpark.“ Oft komme es auch wegen der Raserei zu brenzligen Situationen, gerade an unübersichtlichen Einfahrten wie derjenigen aus der Oststraße. Als wolle ein Autofahrer dies bekräftigen, beschleunigt er nach dem Stadtgarten lautstark, um sogleich vor der Einmündung Oststraße, knapp an der Stoßstange des vor ihm fahrenden Autos, wieder abrupt zu bremsen.

Baustellen wie diejenige am Stadtgarten, wo ein Haus errichtet wird, aber auch die aktuelle Sperrung der Stuttgarter Straße, die zusätzliche Fahrzeuge in die Parallelstraßen spült, sorgen derzeit für mehr Verkehrsaufkommen und entsprechenden Lärm. Darin sieht auch die Stadtverwaltung einen Hauptgrund für die Protest-Bekundungen, „obwohl die offizielle Umleitung nicht über die Lammstraße führt“, wie Pressesprecherin Eva Wiedemann auf Anfrage erklärt.

„Unabhängig davon wird in der Lammstraße regelmäßig die Geschwindigkeit kontrolliert.“ Allein im letzten halben Jahr habe es dort 38 Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten und in beide Fahrtrichtungen gegeben. „Wir sind hier also weit über einen wöchentlichen Kontrollrhythmus hinaus tätig und das Team des Gemeindevollzugsdienstes erhält dazu positive Rückmeldungen der Anwohner.“

Die städtische Statistik korrespondiert indes nicht mit dem Empfinden mancher Anlieger. „Die Auswertung zeigt, dass die Verstöße im Schnitt bei rund zehn Prozent liegen. Das schnellste Fahrzeug wurde in der Lammstraße im vergangenen halben Jahr mit 54 Stundenkilometern gemessen“, gibt Eva Wiedemann zur Auskunft. Derlei Ergebnisse seien nicht außergewöhnlich, sondern entsprächen Erkenntnissen aus vielen weiteren Straßen. So seien im Lärmaktionsplan für die Lammstraße auch keine Maßnahmen geplant, da „die Pegelwerte dort unter den Auslösewerten der Lärmaktionsplanung“ lägen und zudem bereits Tempo 30 gelte. Wer in Kornwestheim Plakate aufhängen wolle – etwa Vereine, Parteien, Gruppen und Organisationen – , brauche im Übrigen eine Genehmigung. Das Stadtrecht regle die Modalitäten für die Plakatierung – etwa erlaubte Stückzahl, Kosten und vorgesehene Straßen – klar. An Masten mit Verkehrszeichen, Ampeln, Wegweisern, Kreuzungen oder in Grünanlagen sei die Plakatierung verboten. „Bei den Plakaten in der Lammstraße handelt es sich um private Plakate, da keine offizielle Gruppe die notwendige Genehmigung beantragt hat. Private Plakate dürfen jedoch grundsätzlich nicht auf öffentlicher Fläche befestigt werden“, so Eva Wiedemanns Hinweis.

Nicht genehmigte Plakate entferne die Stadt kostenpflichtig. Der Plakatierer – sofern bekannt – müsse Beseitigungskosten und ein Bußgeld bezahlen. Das gelte auch für die Plakate in der Lammstraße.