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Kornwestheim Rad fahren, ohne in die Pedale zu treten

Susanne Mathes, vom 17.07.2013 00:00 Uhr
Schuften für den Pump-Track: Schüler der Eugen-Bolz-Förderschule helfen tatkräftig mit. Foto: Susanne Mathes
Schuften für den Pump-Track: Schüler der Eugen-Bolz-Förderschule helfen tatkräftig mit. Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Sonne, Erde, Staub, dazwischen eine gerade aus dem Boden gestampfte Hügellandschaft und verschwitzte Gestalten mit Spaten, Rechen und Schubkarren: So sieht das Szenario auf dem südlichen ESG-Gelände aus. Dort entsteht – unter tatkräftiger Hilfe eines Dutzends Jugendlicher aus der Eugen-Bolz-Förderschule, der Kindersportschule und dem Bewohner- und Familienzentrum – ein Pumptrack, also eine spezielle Fahrradbahn. „Anstrengend ist es, aber es macht vor allem Spaß“, meint Massimo, der auf der Baustelle richtig ranklotzt. Er ist, ebenso wie die anderen Jungen und das eine Mädchen, die auf dem Gelände mit anpacken, freiwillig da.

Erfahrungsgemäß wollen bei solchen Aktionen meist sogar mehr Schüler mitmachen als Helfer gebraucht werden, berichtet Werk- und Techniklehrerin Sabine Müllerschön von der Förderschule. Für ihre Siebt- bis Neuntklässler seien Projekte dieser Art ein Höhepunkt im Schuljahr, erzählt die Pädagogin: „Da können sie zeigen, was in ihnen steckt.“ Sie wüssten zu schätzen, auf diese Weise zum Einsatz kommen zu dürfen. „Ich finde es super, dass die Stadt solche Sachen immer wieder mit uns macht“, sagt zum Beispiel Marvin, der vor zwei Jahren auch schon beim Bau des Spielplatzes in der Anna-Nopper-Straße mitgeholfen hat. „Die Jugendlichen können dabei ihre Stärken zeigen und erfahren Anerkennung“, sagt Garten- und Landschaftsplaner Werner Winkler.

Positiver Nebenaspekt: Auch manches Handwerks- oder Bauunternehmen, das der Einbindung von Schülern skeptisch gegenüber steht, kann bei solchen Aktionen eines Besseren belehrt werden. So sprang für einen der am Pumptrack-Bau beteiligten Jugendlichen sogar ein Praktikum beim Garten- und Landschaftsbauer heraus. Ein weiterer Pluspunkt: Die Jugendlichen fühlen sich für die Spielplätze verantwortlich, wenn sie selbst daran mitgearbeitet haben. „So helfen wir, Vandalismus einzudämmen“, sagt Jeanette Thevenot vom Stadtplanungsamt. Von der Uhlandwiese abgesehen, auf der es schon Zerstörungen gegeben habe, funktioniere das Prinzip bisher bestens.

Damit der Pumptrack – er soll mit dem Mehrgenerationenbereich nach Aussage von Stadtplaner Christian Kübler „das Herzstück des Jugend- und Freizeitgeländes“ werden – auch professionellen Ansprüchen genügt, dafür sorgt Fabian Scholz. Der Mountainbike-Tester und Pumptrack-Experte hat genau im Blick, wie die Abstände zwischen den Wällen bemessen sein müssen, welche Hindernisse am meisten Spaß machen oder wie die Kurven am besten angelegt werden.

Auf einem Pumptrack gehe es darum, den Parcours zu bewältigen, ohne in die Pedale zu treten, erzählt Scholz. Stattdessen müssen beim Überfahren der Hügel und Wellen die Arme gebeugt und gestreckt und das Rad kraftvoll auf und ab gezogen werden, damit Schwung entsteht. „Ist ganz schön anstrengend“, meint Scholz lachend und gibt auf seinem speziellen Dirt Bike eine Kostprobe von den Möglichkeiten, die die neue Bahn bietet. Scholz war schon am Bau vieler Pumptracks beteiligt, deshalb hat die Stadt ihn auch mit ins Boot genommen. 30 000 Euro nimmt sie für den Pumptrack in die Hand. Wenn sie vollends modelliert ist, bekommt die Bahn noch eine wassergebundene Wegdecke für die bessere Stabilität, außerdem soll Rindenmulch die Strecke schürzen. Auf die Freiflächen wird Gras gesät, ein Unterstand und ein Trinkbrunnen sind ebenfalls geplant. Im Herbst, hofft Christian Kübler, kann der Pumptrack dann eingeweiht werden.