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Kornwestheim Schläge mit Faust und Eisenstange

Peter Meuer, vom 08.08.2018 00:00 Uhr
Das Gericht bestrafte die Schläge. Foto: dpa
Das Gericht bestrafte die Schläge. Foto: dpa

Kornwestheim - Das sei „für früher“ gewesen, sagte der Angeklagte nach seinem unerwarteten Fausthieb gegen einen 25-Jährigen. Was genau „früher“ passiert war, das arbeitete das Amtsgericht indes nicht heraus. Das Wort „Mobbing“ geisterte zwar mehrmals durch den Sitzungssaal in Ludwigsburg. Dort musste sich ein 24 Jahre alter Kornwestheimer wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung verantworten. Was ihn schlussendlich – von persönlichem Frust und Alkoholkonsum einmal abgesehen – angetrieben hatte, das kam nicht heraus. Die Abfolge der Geschehnisse am 13. Januar diesen Jahres zeichnete das Gericht dafür detailliert nach. Am Ende wurde der junge Mann wegen des Fausthiebs, einer Attacke mit einer Eisenstange einige Minuten später und verbalen Angriffen zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße von 1000 Euro – zu zahlen an das ökumenische Hospiz in Ludwigsburg – verurteilt, wobei Gericht und Staatsanwalt ihm durchaus eine günstige Sozial- und Kriminalitätsprognose bescheinigten.

Der 24-Jährige stand an jenem Samstagabend gegen 20.30 Uhr am Ausgang des Rewe in der Johannesstraße und schlug unvermittelt ins Gesicht des 25-Jährigen, der den Supermarkt gerade mit einem Freund verließ. „Das war für früher“, rief er dabei und machte sich danach auf und davon. Das Opfer und sein Bekannter brachten noch am Rewe in Erfahrung, wo in Kornwestheim der Angreifer wohnt, und fuhren mit dem Auto dorthin. Sie sahen den 24-Jährigen die Straße entlangkommen, stiegen aus und gingen in seine Richtung. Der Angeklagte warf eine Bierdose nach ihnen und verschwand dann in seiner Wohnung, die Situation jetzt wohl seinerseits als bedrohlich einstufend.

Die beiden 25-jährigen Freunde blieben am Hauseingang und riefen unterdessen per Mobiltelefon die Polizei. Noch während des Telefonates soll der 24-Jährige wieder aus dem Haus geeilt sein, diesmal mit einer Eisenstange in der Hand. Er habe damit herumgefuchtelt, berichteten die zwei 25-Jährigen – beide als Zeugen geladen – vor Gericht aus. Der Angeklagte rief außerdem Drohungen und Beschimpfungen, am Ende erwischte er mit der Eisenstange erneut sein Opfer. Dieser Hieb ging gegen den Ellenbogen, eine Prellung war die Folge.

Im Großen und Ganzen bestätigten sowohl die beiden Zeugen als auch der Angeklagte die Ereignisse. Letzterer entschuldigte sich auch mehrfach. Er habe an jenem Tag acht Bier getrunken, zudem sei es im Job nicht rund gelaufen. „Seitdem habe ich erkannt, dass Alkohol Probleme verschlimmert“, zeigte er sich reumütig und berichtete von seiner neuen Stelle. Sein Rechtsanwalt Lars Kohler versuchte dennoch, die Strafe abzumildern und nahm die beiden Zeugen zwischenzeitlich engagiert in die Mangel. Er suchte nach Widersprüchen in den Aussagen. Woher sie wussten, wo der Angeklagte wohne, wollte er etwa wissen, und wie gut man sich kenne. Scheinbar gingen der Angeklagte und das Opfer auf die gleiche Schule, woran sich das 25 Jahre alte Opfer aber nur noch dürftig erinnerte. Erst nach Nachhaken berichtete der Freund des Opfers, ein Student, dass man die Straße telefonisch über einen anderen Bekannten in Erfahrung gebracht habe. Auch betonte der Strafverteidiger, dass die zweite Tat – die gefährliche Körperverletzung mit der Stange samt der verbalen Angriffe – gar nicht stattgefunden hätte, wenn die Zeugen nicht den Angeklagten abgefangen hätten. „Sie haben es darauf angelegt“, sagte er, die Zeugen hätten so selbst ihren Teil zur Eskalation beigetragen. Der Verteidiger schloss sein Plädoyer mit der Forderung, für alles, was nach der Episode vor dem Rewe passiert sei, nicht zu verurteilen.

Dem folgte Richterin Verena Sennwitz am Ende dann nicht. Sie wertete zu Gunsten des 24-Jährigen zwar unter anderem seinen alkoholisiert-enthemmten Zustand und dass er sich einsichtig zeigte. „Aber das, was in der Anklageschrift stand, das hat sich hier auch so bestätigt“, sagte sie und wies auf eine bereits bestehende Vorstrafe des Angeklagten wegen einer Körperverletzung hin.