Kornwestheim Schonfrist für die Kinderwelt

Werner Waldner, vom 09.12.2017 09:00 Uhr
Maskottchen Ravo darf bleiben. Foto: Archiv/Peter Mann
Maskottchen Ravo darf bleiben. Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - Die einen wollen einen „Schrecken ohne Ende“ verhindern und lieber ein „Ende mit Schrecken“, die anderen haben Hoffnung, dass die Ravensburger Kinderwelt mit zusätzlichen Investitionen und einem neuen Konzept doch noch die Kurve kriegt. Letztere sind deutlich in der Mehrheit. Lediglich Markus Kämmle und Theresia Liebs, Stadträte der Freien Wähler, stimmten am Donnerstagabend im Verwaltung- und Finanzausschuss für eine Schließung der Ravensburger Kinderwelt zum nächstmöglichen Termin, am besten schon zum 31. Dezember.

Einen entsprechenden Antrag hatten die Freien Wähler im Rahmen der Haushaltsberatungen in den Gemeinderat eingebracht. Auch wenn der Mietvertrag noch bis zum 31. Dezember 2022 laufe, so könne sich die Stadt doch zumindest den Betriebskostenzuschuss in Höhe von 240 000 Euro jährlich sparen. erläuterte Kämmle das Ansinnen seiner Fraktion. „Je früher man das beendet, umso wirtschaftlich sinnvoller ist es.“ Das Geld solle man besser in die Kinderbetreuung investieren.

Kämmle räumte ein: Ja, auch die Freien Wähler seien Fürsprecher der Einrichtung gewesen. Aber die Wirklichkeit stimme mit dem, was man sich vorgenommen habe, nicht überein. „Es wird sicherlich wertvolle Arbeit in der Kinderwelt geleistet. Aber wenn wir es uns nicht leisten können, dann sollte man es beenden.“

Die Mehrheit der Stadträte will es indes zwei weitere Jahre „versuchen“, wie es auch in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung heißt. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die Veränderungen greifen, die jetzt in die Wege geleitet werden. Ein Marktforschungsinstitut hat, nachdem es die Einrichtung genauer unter die Lupe genommen hatte, angeregt, Gerüste zum Klettern und Springen zu installieren und Möglichkeiten zu schaffen, dass auch Kleinkinder in Fahrzeugen ihre Runden durch die Kinderwelt drehen können. Auf 180 000 Euro belaufen sich die Investitionen. Zudem werden die Öffnungszeiten – und damit die Personalkosten – reduziert.

Man sollte es mit diesem „massiven Sparprogramm“ versuchen, sagte die stellvertretende CDU/FDP-Fraktionsvorsitzende Silvia Stier. „Wenn’s nicht läuft, müssen wir ran.“ Sie zeigte sich verwundert, dass die Fraktion, die sich vehement für die Einrichtung der Kinderwelt im Jahr 2013 eingesetzt habe, nunmehr den Ausstieg anstrebe. „Es ist durchaus legitim, seine Meinung zu ändern“, konterte Kämmle.

Der SPD-Stadtrat Dr. Roland Bertet warf den Freien Wählern Populismus vor. Ihre Kritik und ihr Antrag seien eine „Geringschätzung gegenüber Ravensburger“. Die neuen Pläne, zeigte er sich überzeugt, würden eine gute Chance bieten, dass sich alles zum Positiven wende. Sven Waldenmaier (CDU) warnte davor, die Einrichtung totzureden. Kritik dürfe man äußern, aber es komme auf die „Tonalität“ an. Seine Fraktionskollegin Elvira Saverschek äußerte die Sorge, dass mit einem vorzeitigen Ausstieg das Wette-Center zum Problemfall werde. „Dann haben wir hier eine richtige Bauruine.“ Deshalb dürfe man nicht nur auf die Besucherzahlen schauen, sondern müsse auch die Auswirkungen im Blick haben, sollte die Kinderwelt geschlossen werden. Theresia Liebs (Freie Wähler) indes verteidigte den Antrag ihrer Fraktion. Die Einrichtung werde mit einem Geldbetrag „in unsagbarer Höhe“ unterstützt. Sie habe, erinnerte sie, damals gegen die Kinderwelt gestimmt. Besser wäre es gewesen, die Spielhalle, die eigentlich in die Räumlichkeiten im Wette-Center ziehen wollte, zuzulassen. Das Land Baden-Württemberg unterhalte schließlich, gar nicht so unweit von Kornwestheim, ebenfalls ein großes Spielcasino.

Mit dem Beschluss vom Donnerstagabend werden nunmehr 500 000 Euro als jährlicher Betriebskostenzuschuss an die Kinderwelt in den Doppelhaushalt 2018/2019 eingestellt. Der Haushalt wird vom Gemeinderat aller Voraussicht nach am 19. Dezember verabschiedet.