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KornwestheimSich als Bildungsträger etablieren

Michael Bosch, vom 10.11.2017 00:00 Uhr
Für Abwechslung ist gesorgt: Zwar liegt der Schwerpunkt der Schulkooperation  des SVK auf Ball- und Rückschlagsportarten, aber es wird auch mal geklettert. Foto: Michael Bosch
Für Abwechslung ist gesorgt: Zwar liegt der Schwerpunkt der Schulkooperation des SVK auf Ball- und Rückschlagsportarten, aber es wird auch mal geklettert.Foto: Michael Bosch

Kornwestheim - Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass ein Grundschulkind dazu in der Lage ist, rückwärts zu laufen – ist es aber heutzutage nicht mehr. Bewegungsmangel und fehlende Schulung im frühkindlichen Alter haben dazu geführt, dass immer weniger Kinder das hinbekommen. Auch ein Purzelbaum stellt für manche eine nicht zu bewältigende Herausforderung dar. „Kinder und Jugendliche werden motorisch immer schlechter“, sagt Thomas Eeg, Geschäftsführer des SV Kornwestheim. „Außerdem haben wir festgestellt, dass es auch immer mehr übergewichtige Kinder gibt.“ Und dem soll vorgebeugt werden. Dabei sieht sich der SVK – wie auch schon andere Vereine in der Stadt – in der Pflicht und hat deshalb eine Kooperation mit allen Grundschulen in der Stadt auf den Weg gebracht.

Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die das Ganztagsangebot in Anspruch nehmen. Sie hätten ohnehin weniger Zeit, Sport zu treiben, erklärt Eeg. Und der SVK wolle das eben auch für diese Kinder möglich machen. „Wir wollen uns als Bildungsträger etablieren“, sagt der Geschäftsführer. Obendrein werden so die koordinativen und motorischen Fähigkeiten der Grundschüler trainiert.

Und dass der Bedarf da war beziehungsweise ist, zeigt sich daran, dass alle Grundschulen sofort eingestiegen sind. Ungefähr 150 Ganztagsschüler nutzen das Angebot mittlerweile an der Eugen-Bolz-Grundschule, der Schillerschule, der Silcherschule und der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule. „Wir sind begeistert über den Vorschlag des SVK gewesen und sofort aufgesprungen“, sagt Ute Grießhaber, Schulleiterin der Bolz-Grundschule.

Sie hat nicht nur die motorische Schulung, die den Kindern zu Teil wird, im Blick, sondern auch den sozialen Aspekt des Sports. Durch ihn würde auch „das Miteinander gelernt“ – und die Kinder seien mit Feuereifer dabei. Die Schule habe selbst Überlegungen angestellt, wie sie den Ganztagsschülern zusätzliche Sportstunden ermöglichen könne – das Geld habe aber gefehlt. Und da kam der SV Kornwestheim gerade recht.

Das Problem mit der Finanzierung kennt aber auch der Sportverein. „Wir sind relativ stark in Vorleistung gegangen“, berichtet Thomas Eeg. Die Mittel an den Schulen und bei der Kommune reichten eben nicht aus. „Aber wir beschweren uns nicht“, betont Eeg. Stattdessen versucht der Verein, Sponsoren zu akquirieren, um so den Fehlbetrag von etwa 10 000 Euro auszugleichen. „Wir wollen Partner finden, denn das Projekt soll schließlich langfristig laufen“, sagt der SVK-Geschäftsführer.

Dass dies keine Worthülsen sind und es von Anfang an das Ziel war, das Programm möglichst professionell aufzuziehen, zeigt die Tatsache, dass zwei neue Stellen geschaffen wurden. Ein FSJler wurde beantragt, Felix Beutel ist seit dem 1. September hauptamtlich für die Kooperation mit den Schulen beim SVK angestellt.

Der Torhüter der Drittliga-Handballer des SV Kornwestheim, der seinen Bachelor in Sportmanagement abgeschlossen hat und zuvor schon einige Jahre Vereinstraining mit Kindern geleitet hat, wollte vor seinem Masterstudium schon einmal Berufserfahrung sammeln. „Deshalb musste ich gar nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde“, sagt der 23-Jährige. „Ich habe Spaß an der Arbeit mit Kindern“ – und das merkt man ihm auch an, wenn er mit den Kindern in der Halle steht. Seine Arbeit dreht sich vor allem um Ball- und Rückschlagspiele. „Wir spielen Hand- und Fußball, haben aber auch schonmal Tischtennis ausprobiert“, sagt Beutel. Teilweise finden die Übungseinheiten in den Schulen statt, teilweise im Funsportzentrum, wo sich die Kinder an der Kletterwand ausprobieren können.

So können sie Sportarten entdecken, die ihnen Spaß machen. Viele seien sich nicht sicher, was ihnen gefalle oder wer der richtige Ansprechpartner sei, meint Felix Beutel. Deshalb sei es wichtig, in den Schulen präsent zu sein. Thomas Eeg sieht auch einen umgekehrten Trend, der seiner Meinung nach zum Teil von den Eltern ausgeht. Sie würden von Anfang an, schon vor der Anmeldung im Verein, nach ganz bestimmten Sportarten fragen und sich wünschen, dass sich das eigene Kind „früh spezialisiert“. Vielleicht zu früh?

Felix Beutel meint, dass viele Kinder, die er betreue, noch viel Bestätigung bräuchten. Erst nach und nach würden sie selber herausfinden, was sie besser und was schlechter können.