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Kornwestheim„Sorgfältig schauen, wie wir gute Lösungen finden“

Susanne Mathes, vom 08.11.2017 19:00 Uhr
Gefragt: die Theodor-Heuss-Realschule. Foto: z
Gefragt: die Theodor-Heuss-Realschule.Foto: z

Kornwestheim - Auf uns zukommen sehen haben wir das schon länger, aber in Zahlen zu sehen, was uns erwartet, das hat uns am Dienstagabend schon überwältigt“, sagt Petra Götz, geschäftsführende Schulleiterin, nach der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses, bei der fast alle Rektoren im Publikum saßen. Das Büro Biregio hatte bei der Präsentation seiner Schülerprognosen vorausgesagt, dass binnen weniger Jahre so viele ABC-Schützen mehr in die Grundschulen strömen werden, dass es zu eng wird – vor allem an der Bolz-, der Silcher- und der Schillerschule.

„Mit einer Ausnahme hatten wir schon jetzt immer stabile oder steigende Schülerzahlen“, sagt Petra Götz für die Silcherschule. Mit Zahlen aus dem Einwohnermeldeamt hätten die Schulen auch bisher schon recht gut planen können. Die nun vorausgesagten Spitzen habe aber keiner kommen sehen. „Noch im letzten Gutachten bescheinigte man uns, wir hätten zu viel Raum“, was der Realität mit Ganztagsklassen, benötigtem Platz für differenziertes Lernen und Kleingruppenarbeit aber nicht entspreche. „Jetzt müssen wir sorgfältig schauen, wie wir gute Lösungen finden“, sagt die geschäftsführende Schulleiterin.

Dass ihre Schule in drei Jahren schier aus den Nähten platzen soll, erfuhr Ute Grießhaber am Mittwoch beim Zeitunglesen. Die Rektorin der Bolz-Grundschule war nicht in der Ausschusssitzung und hatte zuvor keine Kenntnis über die Inhalte des Gutachtens. Nähere Einsichten erhoffte sie sich von einem von der Stadt anberaumten Gespräch mit den Rektoren am Mittwochabend. Derzeit, so Grießhaber, sei ihre Schule zweizügig und damit gut gefüllt. Das stark gefragte Ganztagsangebot sorge auch nachmittags für Betrieb, so dass es schon eng werde, wenn nachmittags auch Elterngespräche anstünden. „Wenn eine Klassenstufe dreizügig würde, müssten wir mit der Förderschule verhandeln, die aber ihre Räume braucht“, sagt sie. Laufe es auf eine durchgängige Dreizügigkeit hinaus, sei das ohne mehr Platz nicht machbar.

Ute Maucher, Chefin der Schillerschule, sieht „intensive Gespräche“ auf Rektoren und Schulträger zukommen. „Wenn es wirklich Bedarf an einer weiteren dreizügigen Grundschule gibt, ist das ein Entwicklungsprozess, an dem enorm viele Faktoren hängen“, sagt sie. Die Schillerschule ist vierzügig. „Für eine weitere Klasse hätten wir noch Platz, aber wenn die Fünfzügigkeit ein Dauerzustand wird, haben wir ein Problem.“ Die Schule fahre ohnehin räumlich und personell am Limit.

Die Leiter der weiterführenden Schulen sehen die Studie auch – aber nicht nur – aus räumlichen Gesichtspunkten heraus, denn sie beschäftigt sich auch mit den Übertritten. Er habe sich am Dienstagabend etliche Fragen notiert, die konkreterer Ausführung bedürften, sagt ESG-Direktor Christoph Mühlthaler. Etwa die Aussage, dass das ESG höhere Abgängerquoten habe als andere Gymnasien im Kreis.

Der Schulleiter sieht das anders, hat aber zuletzt eine hohe Quote an Nichtversetzungen in der 6. Klasse registriert – für ihn ein Symptom dafür, dass manches Kind entgegen der Grundschulempfehlung aufs Gymnasium kommt, „sich zwei Jahre quält“ und dann doch wechseln muss. Mit seinem Realschulkollegen Boris Rupnow hat er vereinbart, alle Eltern, die ihre Kinder ohne die entsprechende Empfehlung anmelden, nochmals intensiv zu beraten. Mühlthaler verweist auf die Gemeinschaftsschule, wo manches Kind sicher besser aufgehoben wäre. „Wir haben drei Schularten, und ich bin der Meinung, dass Kornwestheim diese drei Schularten auch braucht.“ Steuere das ESG auf eine durchgängige Fünfzügigkeit zu, brauche es räumlich genauso neue Lösungen wie die Realschule, falls sie fünf- bis sechszügig wird.

„Schon jetzt haben wir sehr volle Klassen“, sagt Boris Rupnow, der im Übrigen heilfroh ist, dass der Gemeinderat die Mensa nicht weggespart hat, die mittlerweile rund 80 Esser pro Tag verzeichnet. Auch wenn die Realschule künftig den Hauptschulabschluss anbiete, werde doch in den Klassen fünf und sechs erst mal auf Realschulniveau unterrichtet, betont er in Hinsicht auf die hohen Anmeldezahlen an der THRS. Dass Familien angesichts der vielen Veränderungen in der Schullandschaft verunsichert sind, kann er nachvollziehen. „Wir können sie nur gut beraten, aber ihnen die Entscheidung nicht abnehmen.“

Gerhard Link, Leiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Grund- und Gemeinschaftsschule, ist sich sicher: „Wir sind für viele Kinder die richtige Schule. Wir können nach unten und nach oben fördern und haben vom Förderschullehrer über den klassischen Grund- und Hauptschullehrer bis hin zum Gymnasiallehrer alle Pädagogen im Kollegium.“ Gerade zuletzt habe die Schule vier Gymnasiallehrer eingestellt. „Wir sind nicht die frühere Hauptschule mit einem neuen Etikett drauf.“ Er hofft für die Kinder und das Kollegium, dass sich diese Erkenntnis noch stärker durchsetzt.