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KornwestheimStadträte unterbrechen Sommerpause

siehe Kommentar, vom 08.08.2017 00:00 Uhr
Die Häppchen für Zwischendurch sollten eigentlich für gute Geschäfte sorgen. Foto: Archiv: Fotolia
Die Häppchen für Zwischendurch sollten eigentlich für gute Geschäfte sorgen.Foto: Archiv: Fotolia

Kornwestheim - Nun soll’s ganz schnell gehen. Noch am Montagabend, nachdem „Applaus im K“ den Insolvenzantrag gestellt und sein Scheitern öffentlich gemacht hatte, verschickte Oberbürgermeisterin Ursula Keck die Einladungen an die Stadträte für eine nicht öffentliche Sondersitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend. „Wir wollen beraten, wie’s weitergeht“, so Keck gestern gegenüber unserer Zeitung. Ob bereits ein Beschluss gefasst werde, wer die Nachfolge von „Applaus“ antreten werde, das wisse sie noch nicht, sagt die OB, die nach eigenen Angaben mit zwei interessierten Gastronomen im Gespräch ist. Die Zukunft des Restaurants im K sei für die Stadt ein wichtiges Thema, erläutert Keck die Eile, mit der nun agiert wird. Die OB umgeht mit der Sondersitzung die Fristen, die bei der Einladung zu Gemeinderatssitzungen zu beachten sind. „In Notfällen“ , so die Formulierung in der Gemeindeordnung, „kann der Gemeinderat ohne Frist, formlos und nur unter Angabe der Verhandlungsgegenstände einberufen werden“.

Vor zwei Wochen hatte die Stadt Kornwestheim dem Pächter des Restaurants im K fristlos gekündigt. Als Grund führt die Stadt an, dass die Pächter vertraglich festgelegte Regelungen nicht eingehalten hätten. So seien Pachtzahlungen nicht geleistet und Umsatzzahlen nicht vorlegt worden. Außerdem sei Applaus nicht, wie zugesichert, die Kooperation mit einem erfahrenen Caterer eingegangen. Von dem am Montagnachmittag eingereichten Insolvenzantrag zeigte sich die OB dann aber auch überrascht. „Die Entwicklung hat sich so nicht abgezeichnet.“Dem widersprechen die beiden Gastronomen, die im Frühjahr des vergangenen Jahres das frühere Parkrestaurant übernommen haben. Sie hätten bereits Ende 2016 auf die rückläufigen Anfragen und Buchungen hingewiesen. Und in der Tat: Im ersten Halbjahr 2017 fanden im K 25 Veranstaltungen weniger statt als im Vergleichszeitraum 2016, als 190-mal das K gebucht worden war. Diese Zahlen nennt Claudia Münkel, als Fachbereichsleiterin Kultur und Sport für die Belegung im K mit verantwortlich, auf Nachfrage unserer Zeitung. Im März hatte sie im Verwaltungs- und Finanzausschuss noch ein positives Bild der Entwicklung gezeichnet. Seinerzeit ging sie aber nur auf das Jahr 2016 ein – und das war im Vergleich zu 2015 blendend gelaufen.

Dass die Stadt bei der Vermarktung der Räumlichkeiten zu wenig getan habe, diesen Vorwurf mag die OB nicht gelten lassen und verweist auf vielfältige Aktivitäten von der Eintragung in Branchenregister, Locationsportale und ein Gutscheinbuch bis zur Präsenz auf Messen sowie in den sozialen Medien. Es habe Vertriebskampagnen, Mailings und Netzwerkarbeit gegeben, so die OB. Sie bedauert, dass sich „Applaus im K“ an diesen Aktivitäten nicht mehr beteiligt habe.

Oed und Wagner hatten sich durch das Kongressgeschäft und durch private Veranstaltungen mehr Aufträge erhofft. Derzeit, sagen sie, erziele das Restaurant mehr als Doppelte an Umsatz als das Catering. Für sie kann sich vor diesem Hintergrund das Geschäft nicht rechnen. Er habe, sagt Oed, im K eine doppelt so große Küche und ein doppelt so großes Lager wie im Brauhaus in Ludwigsburg – und deshalb auch erheblich höhere Nebenkosten. Ohne Einnahmen aus dem Catering für Kongresse und Veranstaltungen und bei der von der Stadt verlangten Pacht lässt sich seiner Ansicht nach das Restaurant nicht betreiben. Und das zeige ja auch das Scheitern der vorherigen Pächter.

Nur mit einem Restaurantbetrieb Geld verdienen, das sei heutzutage nicht leicht, sagt Simone Theurer aus der Familie Renninger, die in Kornwestheim drei Hotels und den Gasthof Hasen betreibt. Die Gäste seien anspruchsvoller geworden und würden nicht mehr so viel Geld fürs Essen in Restaurants ausgeben. Sie würde es sehr bedauern, wenn die Gaststätte im K mangels eines Betreibers schließen müsste. Eine gute Gastronomie in der Stadt sei auch für ihren Hotelbetrieb wichtig. Der, so Theurer, profitiere vom Kongressbetrieb im K so gut wie gar nicht. Die Übernachtungszahlen, die auf Veranstaltungen im K zurückzuführen seien, seien minimal.Tobias Zwiener, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Stuttgart, kann auf den Spezialfall in Kornwestheim nicht eingehen, bestätigt aber, dass es durchaus eine Herausforderung sei, ein Stadthallen-Restaurant zu betreiben und gleichzeitig für das Catering der Veranstaltungen zu sorgen. „Das sind zwei Paar Stiefel“, sagt der Gastronomie-Experte, der die Probleme kennt, die immer wieder zwischen den verpachtenden Kommunen und den Betrieben auftreten. Sein Verband berate sowohl die Betriebe als auch die Städte und Gemeinden, erläutert Zwiener.

Beim Catering verzeichnet der Dehoga Umsatzsteigerungen von 25 Prozent in den Jahren von 2011 bis 2015. Die Zahl der Betriebe, die entsprechende Angebote machen, habe in dieser Zeit um 36 Prozent zugenommen. Vereinfacht werde das Catering natürlich, wenn die Halle oder das Zentrum gut ausgelastet sei, so Zwiener.

Der Restaurantbetrieb sei derzeit wohl das schwierigste Segment in der Branche, sagt Zwiener. Hoher Personalaufwand, wenig Planungssicherheit, Fachkräftemangel und eine anspruchsvolle Kundschaft listet er die Problemfelder auf.