Kornwestheim Unter der roten Treppe ins Glück getanzt

Eva Tilgner, vom 14.02.2018 09:00 Uhr
Die Ytong-Bausteine beschriftete  sie mit Werten,  die dem Paar viel bedeuten: Claudia Münkel, Leiterin des K,  bei der Trauung. Foto: z
Die Ytong-Bausteine beschriftete sie mit Werten, die dem Paar viel bedeuten: Claudia Münkel, Leiterin des K, bei der Trauung. Foto: z

Kornwestheim - Es war Liebe auf den ersten Blick. „Allein schon der Geruch“, schwärmte sie. „Modern und trotzdem viel Wärme“, lobte er. Um Bücherfan Annette Gmelich und Designfreak Willi Zwatz war es geschehen: In der neuen Stadtbücherei auf der Wendeltreppe im K, da wollten sie sich ihr Ja-Wort geben. Und so kam es dann auch: Am 8. Juli 2017 traute Claudia Münkel, Fachbereichsleiterin Kultur und Sport und Betriebsleiterin des K, ihr erstes Brautpaar auf der Empore. „Sag Ja im K“ heißt das Hochzeitspaket des Kultur- und Kongresszentrums, das seit April des vergangenen Jahres angeboten wird. Zur Auswahl im Paket stehen nicht nur fast alle Räumlichkeiten und Ecken im Gebäude als Ort für die Zeremonie, sondern auch die Trauung durch einen der acht Mitarbeiter des Fachbereichs Kultur und Sport, die als Eheschließungsbeamten von der Stadt Kornwestheim zur Verstärkung des Standesbeamten im Rathaus berufen wurden.

Auch für 2018 gibt es schon Buchungen

„Der Trend geht dahin, nicht mehr kirchlich zu heiraten“, stellt Claudia Münkel fest. „Paare überlegen sich genau, wie sie standesamtlich heiraten und wo.“ Das zeigt auch der Trend an Buchungen: 2017 ließen sich 15 Paare im K trauen. Für das Jahr 2018 gibt es schon jetzt dieselbe Zahl an Anmeldungen.

Das vorbereitende Gespräch mit Annette Gmelich und Willi Zwatz dauerte über eine Stunde. „Danach mussten wir uns um nichts bei der Organisation mehr kümmern. Wir haben uns auf ihren Ratschlag verlassen“, erzählt Willi Zwatz. Auch nachdem ihnen Claudia Münkel gestand: „Es ist meine erste Trauung.“ „Meine auch“, antwortete die 47-jährige Braut lachend. In der weiteren Planung erkannte das Paar den Grund für viel Motivation: „Frau Münkel lebt dieses Gebäude.“

Die Kosten für die Hochzeitspakete im K liegen zwischen 500 und 1950 Euro

Das mag auch an den Möglichkeiten liegen, die Claudia Münkel im K für Hochzeitspaare anbieten kann: Ob im Theatersaal auf großer Bühne mit den 421 rot bezogenen Stühlen im Zuschauerraum, Open Air auf der Seeterrasse, im Festsaal für über 700 Personen, im Veranstaltungsraum, im Theaterfoyer am roten Sofa, auf der Wendeltreppe in der Stadtbücherei, am Panoramafenster – das K verbirgt hinter seiner Betonfassade romantische Geheimplätze. Zwischen 500 Euro und 1950 Euro liegen dabei die Kosten der Arrangements, je nachdem, welcher Raum, was für Stehtische, Beleuchtung und Bestuhlung gewünscht wird. Und noch einen Joker packt das K in das Planungspaket mit hinein: viel Zeit. „Brautpaare wollen nicht auf die Uhr schauen“, hat Claudia Münkel festgestellt. Sie sollen nicht beim Ja-Sagen an den Abbau denken. Deshalb verspricht das Angebot vom K flexible Nutzungszeiten für Brautpaar zwischen 6 und 3 Uhr. „Wir konnten in aller Ruhe unsere Hochzeitsfotos machen“, erinnert sich Willi Zwatz.

Das K soll kein Las Vegas sein

Über die Fülle an Motiven, die Haus für Hochzeitspaare bereit hält, freuen sich die beiden heute noch: „Wir tanzen unter der Treppe. Wir liegen auf dem roten Sofa – lauter witzige Bilder und Erinnerungen.“ Trotz des besonderen Ambiente legen die Organisatoren Wert auf den Unterschied zu anderen Lokationen. „Wir sind nicht Las Vegas. Die Würde der Zeremonie steht im Mittelpunkt“, sagt die Pressesprecherin der Stadt Kornwestheim Eva Wiedemann. Das Gegenteil von einem „Event“ erlebte Willi Zwatz bei seiner ersten standesamtlichen Trauung: „Wie im Gerichtssaal: Namen vorlesen, unterschreiben, die Nächsten bitte.“

Die Trauung durch Claudia Münkel gehört zu dem Erinnerungsschatz, von dem das Brautpaar und seine Gäste immer noch schwärmen. Bei ihrer Ansprache suchte Claudia Münkel, etwas nervös, den Blickkontakt zu dem Brautpaar, das zu Tränen gerührt war. Hinterher wurde sie gefragt: „Und, wie war’s?“ „Es haben alle geheult.“ „Dann hast du ja alles richtig gemacht.“