KornwestheimVereine rutschen vom Plus ins Minus

Werner Waldner, vom 18.03.2017 07:00 Uhr
Auch für die Nutzung des Stadions will die Stadt mehr Geld von den Vereinen. Foto: Archiv/Marius Venturini
Auch für die Nutzung des Stadions will die Stadt mehr Geld von den Vereinen.Foto: Archiv/Marius Venturini

Kornwestheim - Der Schock sei groß gewesen, sagt Marcus Gessl, Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport. Und er stellt gleich einmal klar: „So können wir das in keiner Form akzeptieren.“

Vor einigen Tagen bekamen die Vereinsvertreter in zwei großen Excel-Tabellen die Berechnungen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung vorgelegt, wie sich die öffentliche Hand eine Vereinsförderung und die Gebühren für Sporthallen und -plätze vorstellen kann. Die drittletzte Spalte ist die entscheidende: Dort wird aufgelistet, wie sich die Änderungen für die Vereine auswirken. Einige wenige verzeichnen ein Plus, das Gros der Vereine zahlt indes drauf – und das kräftig. Der SVK zum Beispiel hat zuletzt, wenn er Sportförderung und Gebühren gegenrechnet, ein Plus von 28 000 Euro gemacht. Künftig soll er 165 000 Euro jährlich an die Stadt zahlen. Das Entsetzen im SVK-Präsidium war so groß, dass sämtliche Mitglieder mit Rücktritt drohten, sollte es so kommen. Und die erste geharnischte E-Mail hat die Stadtoberen bereits erreicht. Anderen Vereinen geht’s kaum besser: Die Skizunft kam bisher mit einem Plus von 21 000 Euro davon, künftig soll sie 17 000 Euro zahlen. Der SV Pattonville hat bisher 2000 Euro erhalten, laut Vorschlag sind ab 2018 37 000 Euro fällig. Für sämtliche Kultur- und Sportvereine sehen die Berechnungen so aus: Statt bisher 210 000 Euro will die Stadt nur noch 140 000 Euro an Förderung auszahlen, statt bisher 55 000 Euro an Hallen- und Platzgebühren will sie 300 000 Euro kassieren.

Eine Kommission mit Vertretern aus dem Gemeinderat hat die Liste erstellt. Die den Berechnungen für die Gebühren zugrunde liegende Idee: Ein Drittel des Defizits, das die Hallen und Sportplätze verursachen, sollen die Vereine tragen. Es existiert auch eine zweite Liste, die aus den Reihen der Verwaltung stammt und in der die Vereine für ein Fünftel des Abmangels – das wären 232 000 Euro – zur Kasse gebeten werden. Beides sei viel zu hoch, sagt Marcus Gessl, der darauf verweist, dass die Vereine bereit seien, mehr zu zahlen – aber nicht so viel mehr. Was die Vereinsvertreter besonders fuchst: Waren die Hallen bisher für den Jugendsport kostenfrei, so sehen die Vorschläge nunmehr auch für diese Gruppen Gebühren vor. „Das ist nicht darstellbar“, sagt Gessl, der sich noch am ehesten mit den Änderungen bei der Förderung anfreunden kann. Die Grundidee dort: Die Grund-, Kinder und Jugendförderung wird leicht erhöht, sämtliche Einzelfallförderungen, Fahrtkostenzuschüsse zu Wettkämpfen oder die Übernahme der Sanitätskostenzuschüsse gestrichen.

„Alles halb so schlimm“ suggeriert die letzte Spalte der beiden Excel-Tabellen. Für die Vereine ist errechnet worden, welche Beitragserhöhungen auf einzelne Mitglieder zukommen, wenn die Gebühren wie vorgeschlagen erhöht und die Zuschüsse gestrichen werden. Ein SVK-Mitglied kommt danach auf 28 Euro jährlich mehr, ein Skizunft-Mitglied auf 31 Euro. Besonders hart trifft es die Mitglieder des RSV Möve (116 Euro) und des Akkordeonorchesters (106 Euro). Die Vereine weisen aber darauf hin, dass diese Zahlen nicht stimmen, weil bei der Berechnung nicht berücksichtigt worden sei, dass viele Vereinsmitglieder nicht den ganzen Beitrag zahlen, sondern Familien- oder Jugendbeiträge in Anspruch nehmen würden. Der SVK geht davon aus, dass er seine Beiträge um bis zu 50 Euro jährlich erhöhen müsste, wollte er den Fehlbetrag wieder reinholen.

Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier rät dazu, die Beratungen zwischen Stadt, Gemeinderat und Vereinsvertretern in aller Ruhe zu führen. Und um das zu gewährleisten, soll frühestens im Mai über die Gestaltung der Gebühren und der Vereinsförderung im Gemeinderat entschieden werden. In der kommenden Woche haben sich die beiden Dachverbände der Kornwestheimer Vereine, der Stadtverband für Sport und der Stadtausschuss für Sport und Kultur, zu einer gemeinsamen Vorstandssitzung verabredet. Eingeladen ist auch Bürgermeister Daniel Güthler, der das Modell für die Hallen- und Platzgebühren erläutern soll.