Kornwestheim Video von einer Enthauptung erreicht 14-Jährigen per Whatsapp

Michael Bosch, vom 10.04.2018 12:00 Uhr
Ein 19-Jähriger ist zu Sozialstunden verurteilt worden. Foto: dpa
Ein 19-Jähriger ist zu Sozialstunden verurteilt worden. Foto: dpa

Kornwestheim - Ich habe nicht gewusst, dass er noch so jung ist“, beteuerte der Kornwestheimer. Der Empfänger seiner Whats-app-Nachricht war erst 14 Jahre alt. Ihm hatte der 19-Jährige im Oktober des vergangenen Jahres ein Video geschickt, indem zu sehen ist, wie ein Mann in einem Wohnhaus mit einer Machete geköpft wird. Anschließend hält der Schlächter den abgetrennten Kopf in die Kamera. Weil es verboten ist, gewaltverherrlichende Inhalte an Minderjährige zu verschicken, hat das Amtsgericht Ludwigsburg den Angeklagten zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Eine Lehrerin des 14-Jährigen, dem das Video zugeschickt worden war, hatte Anzeige erstattet, nachdem das Filmchen in ihrer Klasse kursierte.

Der Junge war nicht bei der Hauptverhandlung am Amtsgericht Ludwigsburg anwesend, jedoch wurden Inhalte seiner Vernehmung zuvor bei der Polizei verlesen. Der Polizist, der die Ermittlungen in dem Fall leitete, berichtete, dass das Opfer auch einige Zeit nach dem Vorfall noch immer unter dem Eindruck des Videos gestanden habe. Der 14-Jährige hatte angegeben, die Bilder nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen, habe lange schlecht einschlafen können. Er befinde sich deshalb auch in psychiatrischer Behandlung. Der 29-jährige Polizeibeamte sagte auch: „Das Video sah schon sehr realistisch aus. Es kam mir aber so vor, als wäre das irgendwo in Südamerika gewesen.“ Ein Bezug zu Deutschland sei nicht erkennbar gewesen, so der Polizist.

Der Verteidiger des Angeklagten aus Kornwestheim erläuterte, dass sein Mandant das Opfer online beim Spielen von GTA 5 – das Spiel setzt ein Mindestalter von 18 Jahren voraus – kennengelernt habe. „Das ist ein Spiel, das durchaus selbst Gewalt verherrlicht“, sagte er. Der 14-Jährige habe sich aber bewusst darauf eingelassen. Der Anwalt kritisierte, dass man nicht wisse, wie es dem Opfer wirklich gehe. Der Anwalt meinte: „Es scheint so, als sei er aber vorgezeichnet und deshalb auch eher für solche Inhalte empfänglich.“ Auch habe sein Mandant den Schüler, der aus der Region Mannheim kommt, nie persönlich getroffen. Kontakt habe es lediglich über Chats und per Telefon gegeben. Deshalb habe er nicht wissen können, dass der Empfänger des Videos erst 14 Jahre alt sei. Richterin Franziska Scheffel tat dies als „Schutzbehauptung" ab, da der Angeklagte bei einer früheren Anhörung eingestanden habe, dass sich das Opfer am Telefon „ziemlich jung“ angehört habe. Scheffel konfrontierte den 19-Jährigen auch damit, dass er die Vorwürfe am Telefon gegenüber der Polizei als „lächerlich“ abgetan hatte und zu seiner ersten Vorladung nicht erschienen war.

Die Staatsanwaltschaft, ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe und auch die Verteidigung sprachen sich dafür aus, Jugendstrafrecht anzuwenden. Dem folgte die Richterin. Der Angeklagte sei aufgrund seiner Biografie „weit davon entfernt, einem Erwachsenen gleichzustehen“. Der 19-Jährige war seit seinem Hauptschulabschluss noch keiner festen Arbeit nachgekommen. Außerdem hatte er sich bereits dreimal wegen Drogendelikten und einmal wegen Beleidigung vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwältin meinte, dass Letzteres auch die „Geringschätzung von Personen“ des Angeklagten zeige. Das verbreitete Video spreche für „fehlende Reife und Einfühlungsvermögen“. Sie forderte eine Strafe von 80 Sozialstunden, um dem Angeklagten das „Unrecht vor Augen zu führen“ und um „Struktur in den Alltag“ des Arbeitslosen zu bringen.