KornwestheimVoller Durchblick im Linienwirrwarr

Susanne Mathes, vom 28.06.2016 00:00 Uhr
Da gilt es den Überblick zu behalten: Linienmarkierung in der Hannes-Reiber-Halle. Foto: Horst Dömötör
Da gilt es den Überblick zu behalten: Linienmarkierung in der Hannes-Reiber-Halle.Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Das Gewirr an Farben, Formen und Linien ist beträchtlich. Gestrichelte, orangefarbene Halbkreise hier, grüne Rechtecke da, weiße Doppellinien mittendurch: Respekt, wer dabei den Durchblick behält.

Am Samstag und am Sonntag hat je ein halbes Dutzend Markierungstechniker der Kipp GmbH den zart marmorierten, creme-beigen Linoleumboden der Hannes-Reiber-Halle in eine bunte Spielfeldervielfalt verwandelt. Drei Kilometer Linien zog das Markierungsteam auf rund 1300 Quadratmetern Boden auf: schwarze Felder für Basketball, ein weißes und mehrere gelbe Felder für Volleyball, orangene fürs Handball und grüne für Badminton. Manche Felder entsprechen den einzelnen Hallendritteln, andere ziehen sich quer durch die Halle. Damit dabei kein Kuddelmuddel entsteht, müssen Sachkenntnis, Erfahrung und handwerkliches Geschick zusammenkommen. Darüber, meint Kipp-Geschäftsführer Stefan Morcher, verfüge sein Team bei jährlich rund 1200 Sporthallenmarkierungen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland reichlich.

Zunächst muss der Hallenboden vermessen werden: „Im Prinzip gehen unsere Mitarbeiter wie Vermessungstechniker vor“, erklärt Morcher. Geräteeinbauten wie Basketballkörbe und Bodenhülsen für Netze oder Tore helfen fürs Linienziehen bei der Orientierung; für Halbkreise und Kreise kommen Schnüre mit Kreide zum Einsatz – überdimensionalen Zirkeln gleich. Für die Felder-Maße gibt es zudem in jeder Sportart genaue Vorgaben der entsprechenden Sportfachverbände.

Sind alle Linien vorgezeichnet, kleben die Markierungstechniker den Boden komplett ab – „wie wenn man zuhause eine Wand abklebt, bevor man sie streicht“, erläutert der Geschäftsführer. Bei einer Hallenmarkierung gestaltet sich das Prozedere allerdings diffiziler: Schließlich kreuzen einander die Linien verschiedener Spielfelder vielfach. Wenn der komplette Hallenboden abgeklebt ist, kommt die Farbe zum Einsatz: Von Hand pinseln die Mitarbeiter sorgfältig jede Linie. Zuerst kommt die in der – zuvor von einer Sportkommission festgelegten – am niedrigsten priorisierte Sportart dran. Dann folgen nach und nach die in der Hierarchie weiter oben stehenden. Jeweils danach werden die Klebebänder abgezogen. So garantieren die Markierer, dass die Sportart, die zuletzt an der Reihe ist, über durchgezogene Linien verfügt, die nicht von anderen Linien unterbrochen werden, sondern höchstens ihrerseits die zuvor aufgetragenen Markierungen unterbrechen. Ganz schön kompliziert – „aber das haben unsere Leute im Griff“, sagt Stefan Morcher. Und dadurch, dass sie sich mächtig ins Zeug gelegt hätten, hätten sie die gesamte Hallenmarkierung an einem Wochenende fertig bekommen. Dafür wurden übrigens nur rund 20 Kilo Farbe benötigt: „Wenig Farbe, viel Wirkung“, meint Morcher.

In den nächsten Tagen steht noch etliches an in der Hannes-Reiber-Halle: Florian Thal vom Generalunternehmer Kubus 360 in Stuttgart zählt unter anderem finale Installationsarbeiten, Heizungsprobelauf, Einregulierung der Lüftungsanlage oder letzte Malerarbeiten auf. Nächsten Montag um 17.30 Uhr wird die Halle ihrer Bestimmung übergeben.