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KornwestheimVom Ankerpunkt aus soll es losgehen

Birgit Kiefer, vom 12.09.2017 00:00 Uhr
Rund um das Thema Energie geht es am Samstag in der Hornbergstraße. Foto: dpa
Rund um das Thema Energie geht es am Samstag in der Hornbergstraße.Foto: dpa

Kornwestheim - Der Bau eines Netzes stellt jede Spinne vor eine riesige Aufgabe: Sie muss einen Anfang finden, wo eigentlich keiner ist. Für ihr Rad sucht sie sich also einen Ankerplatz und von dort aus lässt sie einen Spinnfaden solange durch den Wind in der Umgebung herumflattern, bis er sich an einem weiteren Punkt verfängt. Nun hangelt sie sich zur Mitte dieser ersten Verbindung und legt los – am Ende zittert ein faszinierendes Radnetz bei jedem Lufthauch. Wie die Spinne möchten die Städtische Wohnbau und die Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim ihr Fernwärmenetz aufbauen. Ihr erster Ankerpunkt: das neue Haus in der Hornbergstraße.

Vor dem Sozialbau wird daher am Samstag, wenn der Energiewendetag in der Hornbergstraße stattfindet, zu dem auch Umweltminister Franz Untersteller erwartet wird, ein kleiner Container stehen. Über die darin enthaltene Technik wird vorerst das Gebäude mit Wärme versorgen, bis ein Blockheizkraftwerk südlich des Sportplatzes an der Realschule gebaut ist. Das erste Fernwärmeangebot ist der ausgeworfene Faden, der im Sanierungsgebiet Hornbergstraße auf weitere Interessenten treffen soll. Das Ziel ist, dass langfristig immer mehr Häuser in der Umgebung angeschlossen werden, bis ein echtes Netz entsteht.

Beim Energiewendetag wird in der Hornbergstraße 69 und 71 ein Tag der offenen Tür mit Besichtigungen angeboten. Dazu gibt es Informationen rund um die Baustelle, die Energieversorgung und den Wärmeschutz. Zwischen 14 und 15 Uhr wird zudem Franz Untersteller das Gespräch mit den Besuchern suchen. Bei einer Pressekonferenz warben gestern Bürgermeister und Geschäftsführer der Städtischen Wohnbau Daniel Güthler, Oberbürgermeisterin Ursula Keck und die Leiterin der Stabsstelle Umwelt, Cordula Wohnhas, für das Projekt und den Energiewendetag. „Wir wollen zeigen, dass auch beim Standardwohnungsbau schon energetisch viel getan werden kann“, erläuterte Güthler. Private Haushalte machten immerhin ein Viertel des Energieverbrauchs aus. Die Städtische Wohnbau, die den sozialen Wohnungsbau in der Hornbergstraße errichtet,mache einen mutigen Schritt damit, das neue Gebäude direkt auf Fernwärmeversorgung vorzubereiten. „Es ist sozusagen das Starterhaus“, so Güthler. Eine Interimsanlage steht vor der Haustür in der Hornbergstraße, bis im Herbst 2019 „echte Fernwärme“ aus dem neuen Blockheizkraftwerk geliefert werden kann.

Über die Übergangslösung können aber auch schon weitere Haushalte versorgt werden. Auf das Neubau-Dach der Städtischen Wohnbau kommt außerdem eine Photovoltaikanlage. „Das wird auch ein Modell für das Sanierungsgebiet sein“, fasst Bettina Link von der Projektentwicklung und Bauentwicklung bei der Wohnbau. Cordula Wohnhas lobt den Mut, den die Wohnbau und die Stadtwerke mit dem Setzen auf ein Fernwärmenetz bewiesen. Dass die Fernwärme Abnehmer findet, davon kann wohl ausgegangen werden, aber mitnichten ist klar, wie viele. Eventuell wird auch Wärme in das bestehende Netz im Osten der Stadt eingespeist. Die Vorteile für die Wohneigentümer liege auf der Hand, findet Ursula Keck. „Man hat nie wieder ein Instandsetzungsproblem und spart sich den Platz im Keller für eine eigene Anlage.“