Kornwestheim Wagner hat keine Lizenz zum Bewirten

siehe Kommentar, vom 22.02.2018 09:15 Uhr
Catering. Foto: Pixabay
Catering. Foto: Pixabay

Kornwestheim - Es ist ein erlauchter Kreis von vier Gastronomen, die bei Veranstaltungen im K auftischen dürfen – im Herbst des vergangenen Jahres ausgewählt vom städtischen Eigenbetrieb Das K. Nicht zum Quartett darf sich Ralph Wagner zählen, der das im Haus befindliche Restaurant „Applaus im K“ betreibt. Ihm wollen CDU/FDP- und Freie-Wähler-Fraktion nun aber doch Zugang zum Catering im K verschaffen. Sie haben einen entsprechenden Antrag formuliert, über den heute Abend im Gemeinderat im nicht öffentlichen Teil entschieden wird.

Zur Erinnerung: Im Sommer des vergangenen Jahres hatte „Applaus im K“ Insolvenz anmelden müssen. Die Stadt suchte nach einem neuen Pächter für das Parkrestaurant, und der Gemeinderat entschied sich letztlich wieder für – Überraschung – Ralph Wagner, der mit einer Mini-GmbH weitermachen wollte und schließlich auch durfte. Warum darf nun ausgerechnet er nicht bei Veranstaltungen im K bewirten?

Wagner habe, als es um die Vergabe des Parkrestaurants im Spätsommer gegangen sei, beteuert, dass er kein Catering machen wolle, so Oberbürgermeisterin Ursula Keck, die auch sagt, dass Wagner eigentlich kein Caterer sei. Die Pressestelle der Stadt verweist auf einen Bericht vom 14. Oktober aus der Kornwestheimer Zeitung, in dem Wagner mit den Worten zitiert wird, dass er die „bisherige Verpflichtung, grundsätzlich für das Catering im K bereitzustehen, loshaben und sich auf das Gastrokonzept fokussieren“ wolle. „Mit seiner Weigerung, diese Pflicht zu übernehmen, wie sie jahrzehntelang Tradition im Kulturhaus war, hat er bewusst auf dieses Bewirtungsrecht für Veranstaltungen verzichtet“, so schreibt die Stadt auf Nachfrage der KWZ.

Wagner hatte im Oktober gegenüber unserer Zeitung allerdings ebenso gesagt, dass er „auch künftig gerne das Catering für Veranstaltungen im K übernehmen“ wolle. „Allerdings will ich mein eigener Herr sein und selbst entscheiden, für welche“, so der Gastronom seinerzeit. Nun hat Wagner das Problem, dass Kunden bei ihm im Restaurant nachfragen, ob sie Räumlichkeiten im K buchen können und ob er die Bewirtung der Veranstaltungsgäste übernehmen kann. Catern darf er allerdings nicht, das dürfen nur die vier Betriebe, mit denen die Stadt eine entsprechende Vereinbarung getroffen hat. Da Wagner auch das Brauhaus in Ludwigsburg betreibt und eng mit der benachbarten Musikhalle zusammenarbeitet, verweist er die Interessenten in die Nachbarstadt. Man könne, sagt der Gastronom im Gespräch mit unserer Zeitung, in Kornwestheim nicht von ihm erwarten, dass er für die Belegung des Kultur- und Kongresszentrums sorge und der Konkurrenz dann auch noch die Aufträge überlasse.

Dieses Problem haben auch CDU und Freie Wähler erkannt. Sie beantragen zwar nicht, dass die Viererliste um „Applaus im K“ aufgestockt wird, sie wollen aber, dass der jeweilige Pächter des Parkrestaurants Räumlichkeiten im K anmieten und die Veranstaltungen dann auch bewirten darf – an dem Quartett vorbei, das eigentlich fürs Catering im K verantwortlich zeichnet. Es sei doch das ureigenste Interesse der Stadt, dass das K gut belegt sei und dass es dem Pächter gut gehe, sagt der CDU/FDP-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä. Wagner selbst möchte nach wie vor gerne Veranstaltungen im K bewirten. Und er verstehe sich, widerspricht er Oberbürgermeisterin Ursula Keck, bestens aufs Catering.

An der Auswahl der vier Unternehmen war der Kornwestheimer Gemeinderat nicht beteiligt, er war lediglich informiert worden. Der Eigenbetrieb hatte elf Unternehmen in einer beschränkten Ausschreibung angesprochen, sechs gaben eine Bewerbung ab, vier kamen auf die Liste. Es seien Unternehmen mit ganz unterschiedlichem Portfolio, aus ganz unterschiedlichen Preiskategorien, so die OB, die den Weg als richtig erachtet, den Mietern mehrere Caterer zur Auswahl zu stellen. Ohne die verpflichtende Bindung an ein einziges Unternehmen steige auch das Interesse an den Räumlichkeiten, habe sich in der Vergangenheit gezeigt. Den Kunden ganz freie Hand lassen, das will die Oberbürgermeisterin allerdings auch nicht. Das sei mit einem Mehraufwand für die K-Crew verbunden, die jedes Mal neue Caterer einweisen müsse. Der Weg zwischen den beiden Extremen sei der richtige, so die Oberbürgermeisterin. Die Unternehmen, die bei Veranstaltungen im K bewirten dürfen, müssen einen Teil des Umsatzes an die Stadt Kornwestheim abführen.

Überlegungen, die eigentlich zu groß geratene Restaurant-Küche zu teilen und eine Hälfte den Caterern zur Verfügung zu stellen, will die Stadt Kornwestheim laut Oberbürgermeisterin Ursula Keck nicht weiter verfolgen. „Aus verschiedenen Gründen“ sei das nicht möglich. Die Stadt, die einen Gastronomieexperten gebeten hatte, sich die räumliche Situation im K anzuschauen, denkt aber darüber nach, einen Raum neben der Festsaalbühne so umzubauen, dass Caterer ihr Essen dort herrichten können.