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KornwestheimWas ausgefranst war, wurde geglättet und korrigiert

Birgit Kiefer, vom 17.05.2017 00:00 Uhr
Ein bunter Flickenteppich: die neuen Wahlbezirke. Foto: Stadt Kornwestheim
Ein bunter Flickenteppich: die neuen Wahlbezirke.Foto: Stadt Kornwestheim

Kornwestheim - Wenn die Wahlbenachrichtigungen für die Bundestagswahl im September in den Briefkästen einflattern, dann lohnt sich in diesem Jahr ein genauerer Blick auf die Unterlagen: Denn so mancher Wähler in Kornwestheim muss sich neu orientieren – nicht etwa, was seine Stimme angeht, sondern wo sie abzugeben ist: Die Wahlbezirke werden neu aufgeteilt.

Im Rathaus wurden Bleistift und Lineal gezückt und die Grenzen neu gezeichnet. „Wir haben uns bemüht, klare Abgrenzungen hinzubekommen“, berichtet Susanne Nemetz vom Fachbereich Recht, Sicherheit und Ordnung von dem Geschehen. „Vorher waren die Wahlbezirke etwas ausgefranster“, erzählt sie. Die Bezirke waren eben historisch gewachsen. Nur um Ordnung zu schaffen wurde allerdings nicht der Aufwand betrieben. Hinter der Neueinteilung steckt viel mehr. Zum Beispiel der Paragraf 12 der Bundeswahlordnung, nach dem Wahlbezirke so abgegrenzt werden sollten, dass allen Wahlberechtigten die Teilnahme an der Wahl möglichst erleichtert wird. Kein Wahlbezirk sollte mehr als 1700 Wahlberechtigte umfassen. Susanne Nemetz: „Wir hatten aber einige Bezirke, die sehr groß ausfielen, und andere, die sehr klein waren.“ Das habe regelmäßig dazu geführt, dass sich in den einen Wahllokalen zu Stoßzeiten die Leute in die Schlange stellen mussten, während andernorts die Wahlhelfer eine ruhige Kugel schoben. „Jetzt haben wir alles etwas logischer gemacht.“ Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat für die Neueinteilung bereits sein Okay gegeben.

Die Änderungen bedeuten aber auch, dass sich bei der anstehenden Wahl niemand sicher sein kann, dass sein Wahllokal noch dasselbe ist wie in früheren Jahren. Viele Straßenzüge wurden anderen Bezirken zugeschlagen. Das bedeutete zunächst mal viel Fleißarbeit in der Verwaltung, denn mit Linien ziehen und etwas Rumrechnen ist es nicht getan. Alles muss noch in die Datenbank eingespeist werden. Und sollte doch mal eine Hausnummer übersehen werden und jemand ins falsche Wahllokal geschickt werden? „Dann ist das auch kein Beinbruch, weil sich der Fehler ja durchziehen würde“, versichert Nemetz.

Aber was ändert sich nun konkret? Nachfolgend werden hier die größeren Korrekturen aufgelistet: Im Osten der Stadt wird es ein neues Wahllokal geben. Rund 1100 Wahlberechtigte werden dort ihre Stimme abgeben können. Dadurch wird das ganze Gebiet durcheinandergewürfelt. Entlastet wird dadurch der Kindergarten Otterweg, wo bisher aus zwei Wahlbezirken Stimmen abgegeben wurden. Einige Wähler müssen dadurch weniger weit laufen. Der Wahlbezirk Bauhof wurde hingegen mit dem Wahlbezirk 5, Kinderhaus Lessingstraße zusammengelegt. Er fiel bisher ziemlich klein aus.

Ähnlich war es um den bisherigen Wahlbezirk 7 bestellt, dessen Wahllokal im Haus der sozialen Dienste lag. Er wird abgeschafft und mit dem Rathaus zusammengelegt. In Pattonville sind nach der Aufsiedelung auf Kornwestheimer Seite über 1700 Wahlberechtigte beheimatet. Jetzt ergibt sich die etwas kuriose Situation, dass der Ortsteil in zwei Bezirke aufgeteilt wird, aber weiterhin alle am Wahltag dasselbe Ziel ansteuern: Die Kindertagesstätte Nord. Dort gibt es allerdings in zwei verschiedene Zimmern zwei verschiedene Wahllokale. Das Wohngebiet Im Obstgarten wird komplett neu zugeordnet. Statt zur Schillerschule müssen die dortigen Anwohner fortan im Kindergarten Daimlerstraße ihr Kreuzchen machen. Auch westlich der Gleise gab es eine nicht unbedeutende Verschiebung. Der Wahlbezirk 2, dessen Wahllokal im Bewohner- und Familienzentrum liegt, wurde deutlich verkleinert, was auch im Hinblick auf den bald erfolgenden Zuwachs durch die neue Wohnbebauung am Salamanderplatz mit voraussichtlich 110 neuen Wohneinheiten geschehen ist.

Insgesamt reduziert sich die Zahl der Wahllokale in der Stadt von 25 auf 24. Das habe den Vorteil, so die Stadt, dass der Bedarf an erfahrenen Wahlhelfern etwas reduziert wird. Wahlhelfer sind ohnehin eine seltene Spezies, bisher hätten sich allerdings letztlich immer doch genügend Freiwillige gemeldet, so Nemetz. Auch auf den jüngsten Aufruf hin hätten sich bereits einige Interessierte gemeldet. Und für den Notfall stünden stets ein paar weitere Helfer in Reserve bereit. „Wir haben da einen festen Stamm“, freut sich Nemetz.