Kornwestheim Wo einst gekickt wurde, wird bald gerollt

Marius Venturini und Peter Meuer, vom 07.03.2018 12:30 Uhr
Hier soll die neue Bahn entstehen. Foto:  
Hier soll die neue Bahn entstehen. Foto:  

Kornwestheim - Der Bau des Kornwestheimer Inline-Skateparks steht kurz bevor. Aktuell feilen die Stadt und die Kornwestheimer Skizunft – es wird ihre Anlage – noch an den Details eines Pachtvertrages. „Wir rechnen damit, dass wir in den kommenden vier Wochen unterschreiben können“, berichtet nun Uwe Heinle, der Vorsitzende der Skizunft. Aus der Stadtverwaltung gibt es ähnliche Signale. Der Vertragsinhalt stehe zu 90 Prozent, heißt es aus dem Rathaus. Es gebe nur noch einige technische Details zu klären. „Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des März zu einem Abschluss kommen“, betont Dietmar Allgaier, der Erste Bürgermeister.

Seit etwa zehn Jahren schon sucht die Skizunft nach einem geeigneten Gelände für den Inline-Skatepark. „Wir hatten viele Areale im Auge, mussten sie aber alle wieder verwerfen“, erinnert sich Heinle. Dank der Verhandlungen mit der Stadt wird die lange Suche wohl nun endlich zu einem erfolgreichen Ende kommen.

Der Pachtvertrag soll über das Gelände des alten Tennenplatz an der Bogenstraße geschlossen werden. Das Fußballfeld wurde in den vergangenen Jahren kaum noch genutzt. Auch wegen der Verletzungsgefahr verzichten Fußballvereine heutzutage meist darauf, auf den „Ascheplätzen“ zu spielen. Das Areal an der Bogenstraße in einen Kunstrasenplatz zu verwandeln, hatte die Stadt samt Ausschuss für Umwelt und Technik schon Ende 2010 geprüft und die Idee wieder verworfen – mit 1,3 Millionen Euro wäre der Umbau viel zu teuer gewesen. Zudem ist das Gelände Teil einer ehemaligen, mehr als 130 Jahre alten Deponie. Im Grund unter dem heutigen Hartplatz wurden bis Anfang der 1970er Jahre Hausmüll, Erde und Bauschutt eingelagert. Allerdings bestünden keine Bedenken gegen eine sportliche Nutzung, heißt es von der Stadt – es gebe keine gesundheitlich bedenklichen Gasansammlungen. „Solange nicht in den eigentlichen Deponiekörper eingegriffen wird.“ Sprich: Es darf nicht tief gegraben werden.

Das ist für die neue Anlage auch nicht nötig. Was die Skizunft aber vorhat: Einen Inline-Skatepark bauen, der „nationalen und internationalen“ Standards genüge, wie Heinle betont. Zukünftig könnten in Kornwestheim große Rennen stattfinden – Bundesligarennen, deutsche und internationale Meisterschaften. Die ovale Bahn hat im Innenkreis einen Radius haben von etwa 200 Metern, sie wird sechs Meter breit sein. Die Kurven werden leicht erhöht angelegt. Das ist notwendig wegen des Fahrverhaltens beim Inlineskating. „Sonst würden die Fahrer von der Bahn abdriften“, erläutert der Vorsitzende des Vereins.

Bei den Inline-Skatern der Skizunft ist die Begeisterung über das lang erwartete Projekt erwartungsgemäß groß: „Das freut mich riesig“, gibt Harald Glatzl auf Nachfrage zu Protokoll. Der Ski-Abteilungsleiter ist im Referat Inliner gleichzeitig Breitensport- und Wettkampftrainer. Derzeit trainiert die Gruppe in der Hannes-Reiber-Halle. Früher waren die Rechberghalle und der Parkplatz der Pattonviller Realschule bevorzugte Übungsstätten.

Um den Inline-Sport in Kornwestheim weiter wettbewerbsfähig zu machen, ist eine neue Bahn für die Athleten essenziell. „Wir müssen das machen“, so Glatzl, „der nächste Bundeskader-Trainer sitzt in Heilbronn.“ Allerdings sollen die Trainingsbedingungen, die nach Fertigstellung der Bahn in Kornwestheim herrschen sollen, die dortigen nach Möglichkeit übertreffen. „Die Bundeskader-Athleten können dann auch in Kornwestheim trainieren“, so Glatzl, „unter der Voraussetzung, dass sie Mitglied bei der Skizunft werden.“ Das wäre für Spitzensportler wie zum Beispiel Patrick Reuter eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er fuhr früher für die Skizunft, ist auch weiterhin Mitglied. Doch mittlerweile ist er für den SSF Heilbronn am Start, läuft zudem in der deutschen Nationalmannschaft. Und: Nicht nur für den Wettkampfsport wäre die Bahn ein Fortschritt. „Wir wollen, dass die Kinder das Inline-Skaten richtig lernen“, sagt Glatzl, „dass sie Spaß haben, aber auch die Kontrolle.“

Bleibt die Finanzierung. 100 000 Euro könnte die Anlage kosten, sagt Heinle. Und ergänzt: „Das ist noch eine ziemlich willkürliche Schätzung.“ Klar ist: Die Skizunft kann nicht jede x-beliebige Firma mit dem Bau der Anlage beauftragen. „Es braucht Spezialgeräte zur Geländemodellierung und zum Aufbringen des Feinbelags“, so Heinle weiter.

Dank des langen Vorlaufs habe der Verein aber schon Geld zur Seite legen können, berichtet er, „auch wenn weitere Sponsoren natürlich nicht schlecht wären.“ Die Skizunft erhofft sich außerdem Zuschüsse vom württembergischen Landessportbund. „Als nächsten Schritt wollen wir mit dem Pachtvertrag auf den Verband zugehen“, sagt Heinle. „Wir müssen zwar alles vorfinanzieren können“, ergänzt er. „Aber wir hoffen, dass wir bis zu 30 Prozent der Baukosten so zurückerhalten.“ Schon im Sommer könnte es losgehen mit dem Bau. „Wir sind einen Riesenschritt weiter gekommen“, fasst Heinle zusammen. „Wenn es gut läuft, können die Inline-Skater noch in diesem Jahr auf der neuen Bahn fahren.“