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Kornwestheim Wohnbauprojekt nimmt Fahrt auf

Julian Illi und Susanne Mathes, vom 30.11.2017 19:00 Uhr
Neben dem Rewe (gelbes Gebäude, rechts oben) sollen an der Grenze zu Grünbühl fünf Häuser für knapp 200 Menschen gebaut werden. Foto:  
Neben dem Rewe (gelbes Gebäude, rechts oben) sollen an der Grenze zu Grünbühl fünf Häuser für knapp 200 Menschen gebaut werden. Foto:  

Pattonville - Im Sommer schlugen die Wellen hoch, dann wurde es für längere Zeit still – und jetzt soll ein Beschluss gefasst werden: Das umstrittene gemeinsame Wohnungsbauprojekt der Städte Remseck und Kornwestheim in Pattonville steht kurz vor dem Abschluss. Angrenzend an Grünbühl sollen auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück neben dem Rewe-Supermarkt fünf Gebäude mit Sozialwohnungen für bis zu 200 Menschen gebaut werden. Die Remsecker Kommunalpolitik könnte dafür schon am kommenden Dienstag grünes Licht geben, Kornwestheim soll wenig später folgen. Bereits im kommenden Herbst könnten die Bagger an der Arkansasstraße anrücken.

In einer Vorlage für die Remsecker Gemeinderatssitzung ist die Rede von rund 3400 Quadratmetern Wohnfläche, die entstehen sollen. Je zur Hälfte sollen die Wohnungen zwischen Remseck und Kornwestheim aufgeteilt werden. Damit wollen beide Städte den dringenden Bedarf nach erschwinglichem Wohnraum zumindest teilweise decken. Von einem Wohnheim für Flüchtlinge, wie noch im Sommer diskutiert wurde, ist nicht mehr die Rede. Laut dem Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger strebe man eine „sozial verträgliche Mischung“ an. Klar sei aber: mehr als 80 Flüchtlinge werden nicht in die neuen Häuser einziehen. Das sei Konsens zwischen Remseck und Kornwestheim.

Kornwestheims Baubürgermeister Daniel Güthler erklärt: „Geplant ist ganz normaler, auf Dauerhaftigkeit angelegter Standard-Wohnungsbau, der definitiv keinen Wohnheim-Charakter haben wird.“ Jede Wohnung werde ihre eigene Küche und ihre eigenen Sanitätsräume haben. Er verweist auf die Sozialwohnungsneubauten in der Hornberg- und in der Werner-Heisenberg-Straße. Auch dort sei eine gute Durchmischung samt Betreuung durch Sozialarbeiter Voraussetzung fürs Gelingen.

In der Beratungsvorlage, die den Kornwestheimer Räten auf dem Tisch liegt, heißt es: „Die Stadt ist davon überzeugt, dass ein solider Baustandard und eine städtebaulich abgerundete Konzeption grundsätzlich positiv zur sozialen Integration beitragen.“ Dass maximal 80 der künftigen Bewohner in der Arkansasstraße Flüchtlinge mit Bleibeperspektive sein sollen, ist in Kornwestheim sogar schriftlich in der Vorlage fixiert. Das heißt, sowohl Remseck als auch Kornwestheim könnten jeweils 40 Plätze für die Anschlussunterbringung einplanen. Kornwestheim rechnet 2018 mit der Zuweisung von 155 weiteren Flüchtlingen, die im Land bleiben dürfen.

Während der Ausschuss für Umwelt und Technik das Thema am Dienstag erst vorberät, steht in Remseck zeitgleich schon die Gemeinderatszustimmung an – und bereits am Mittwoch ein öffentlicher Info-Abend in der Pattonviller Bürgerhalle, bei der die Baubürgermeister die Planungen vorstellen. Bevor es in die detaillierte Ausarbeitung gehe, sagt Daniel Güthler, solle sich nun erst einmal die Öffentlichkeit ein Bild von den Ideen machen.

Die ersten Pläne für die Sozialwohnungen hatten im Sommer vor allem die Stadt Ludwigsburg in Rage gebracht. Oberbürgermeister Werner Spec hatte im Juli von „einer Kriegserklärung“ gesprochen. 200 Flüchtlinge, meist junge Männer, meist auf engem Raum – Ludwigsburg sah wegen der Pläne für Pattonville vor allem die eigenen Integrationsbemühungen torpediert, denn das fragliche Gelände grenzt direkt an den Ludwigsburger Stadtteil Grünbühl. Nun schlägt man in der Barockstadt versöhnlichere Töne an.

„Es war ein intensives Ringen, aber wir haben einen Konsens mit den Nachbarstädten gefunden“ sagt Spec heute. Höchstens 80 Flüchtlinge und dazu geförderter Wohnraum – er halte das für eine vertretbare Lösung, auch mit Blick auf das Sozialgefüge vor Ort. Die Ludwigsburger Stadträte kennen die Details über den Kompromiss noch nicht; Spec will sie nun schnellstmöglich informieren.

Unmut über das Bauvorhaben kommt inzwischen von anderen Stelle: Der Bürgerverein Pattonville hat sich mit einem Schreiben an die Städträte und die Rathäuser in Remseck und Kornwestheim gewandt. Darin ist die Rede von „allergrößten Bedenken“, die man „angesichts einer Massenunterbringung am Ortsrand habe“. Die Vorsitzende des Vereins, Stephanie Daimer, schreibt aber auch von einem „deutlichen ‚Ja’ zur Aufnahme von Flüchtlingen“. Sie ärgert sich in ihrem Brief über die Lage der neuen Häuser, „abgetrennt von der restlichen Wohnbebauung“.

Auch der im Kornwestheimer Gemeinderat sitzende Pattonviller Ralph Rohfleisch findet, die Planung klinge zwar mittlerweile schon besser und Wohnraum für sozial Schwache sei vonnöten. Doch blieben noch viele offene Fragen, etwa diejenige der Kinderbetreuung für die neuen Bürger, wo doch schon für die jetzigen Kindergartenplätze fehlten. Zudem, findet der Grünen-Stadtrat: „Von der Lage her gehört’s gefühlt nicht richtig nach Pattonville, sondern eher nach Grünbühl.“

OB Schönberger findet, die Lage des Quartiers sei gut, von einem Abschieben könne man „wahrlich nicht sprechen“. Der Martin-Luther-King-Platz als Zentrum von Pattonville sei nur 400 Meter entfernt.