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Kornwestheim Zahl der Arbeitsplätze ist entscheidend

siehe Kommentar, vom 06.10.2017 00:00 Uhr
Zur Bebauung vorgesehen: das Areal zwischen Solitudeallee und Containerbahnhof. Foto: Tim Schneider
Zur Bebauung vorgesehen: das Areal zwischen Solitudeallee und Containerbahnhof. Foto: Tim Schneider

Kornwestheim - Noch existiert es nur auf dem Papier, das Gewerbegebiet Südwest zwischen der Solitudeallee und dem Containerbahnhof. Aber das soll sich flugs ändern. Die Stadt Kornwestheim ist mit der Firma Porsche im Gespräch, die sich für die Fläche interessiert. Gespräche muss die Stadt Kornwestheim allerdings auch mit der Stadt Stuttgart führen, der seit einem Gemarkungstausch im Jahr 2012 eine Ecke der Fläche gehört, auf die Porsche ein Auge geworfen hat. Dabei dürfte es insbesondere um die Frage gehen, wie die Gewerbesteuern aufgeteilt werden, sollte es zu einem gemeinsamen Gewerbegebiet kommen.

Die Vorsitzenden der im Kornwestheimer Gemeinderat vertretenen Fraktionen geben sich, nachdem die Pläne bekannt geworden sind, abwartend. Entscheidend sei, so sagen sie übereinstimmend, was Porsche auf dem Areal plane und wie viele Arbeitsplätze dort entstehen sollen. „Einem Parkplatz werden wir sicherlich nicht zustimmen“, sagt Hans Bartholomä (CDU/FDP). Er begrüßt die Überlegungen und Gespräche. Dieses Gewerbegebiet zu entwickeln, das sei überfällig, so der CDU-Stadtrat. Kornwestheim habe den Fehler gemacht, Gewerbegrundstücke zunächst zu „vervespern“ und sich dann Gedanken zu machen, wo neue Flächen ausgewiesen werden können. Bartholomä: „Uns fehlt die Kontinuität.“ Dass ein Gewerbegebiet Südwest als Argument pro Nordostring gewertet werden kann, diese Sorge hat Bartholomä nicht. Durch die Verkleinerung des Wohngebiets Ost IV im noch zu verabschiedenden Flächennutzungsplan habe sich Kornwestheim selbst einer guten Argumentation beraubt.

Ralph Rohfleisch (Grüne/Linke) ist verärgert – und zwar darüber, dass im Vorfeld nicht allgemein festgelegt worden sei, welche Bedingungen die Stadt mit dem Verkauf von Gewerbefläche verknüpfe. So hätte festgezurrt werden können, welche Erwartungen die Stadt zum Beispiel bei der Schaffung von Arbeitsplätzen habe. Potenzielle Käufer wüssten so, ob sie den Anforderungen Folge leisten können. Rohfleisch warnt davor, zum „Hinterhof der Region“ zu werden, der nur noch Lagerflächen zur Verfügung stelle. Wer immer sich im Gewerbegebiet Südwest, das nach Ansicht der Grünen im Flächennutzungsplan kleiner ausgewiesen werden sollte, ansiedeln werde, müsse für eine entsprechende Wertschöpfung sorgen, so Rohfleisch.

Gabi Walker (Freie Wähler) hat „grundsätzlich nichts dagegen, dass Porsche nach Kornwestheim kommt“. Allerdings gebe es noch zu viele ungeklärte Fragen – und daran sei auch die Stadt mit Schuld. „Wir haben überhaupt keine Vorstellung, wie oder was da entstehen soll“, sagt Walker. „Es gab keine Präsentation und keine Kommunikation dazu.“ Die entscheidende Frage, die sich für Walker stellt, ist zuvorderst die nach dem Verkehr: Diesen ausschließlich über die A81 und die B27a zu leiten, hält sie zwar für möglich, aber nicht ideal, durch die Stadt sei es unmöglich. Zudem gilt es für die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler weiterhin die entscheidenden Fragen zu klären, wie viele Arbeitsplätze entstünden, wie groß die neue Anlage werde und wie die konkreten Pläne von Porsche überhaupt aussähen – also was dort produziert werden soll. „Ich habe gehört, dass Porsche Leipzig Interesse hat“, sagt Walker.

Auch die SPD scheint dem Autobauer nicht abgeneigt. „Das ist ein seriöses Unternehmen, mit dem die Arbeit, wie zum Beispiel die Transporte, die es von Kornwestheim aus organisiert hat, immer reibungslos geklappt hat“, sagt der Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz. Das Gewerbegebiet Südwest sei ohnehin „mit die einzige Möglichkeit“, wo Kornwestheim noch wachsen könne. Allerdings gelte es im aktuellen Stadium, in dem noch nicht wirklich viel bekannt sei, Vorsicht walten zu lassen. Wie die Freien Wähler treibt auch die SPD die Frage nach der Verkehrsanbindung um, denn der Nordostring ist für sie weiterhin tabu. „Den wollen wir nicht, und dabei bleiben wir auch“, sagt Gritz. Und weiter: „Das neue Gewerbegebiet darf nicht zum Hebel für den Nordostring werden.“ Zudem gibt Gritz zu bedenken, die ökologischen Themen, dabei vor allem den Nachbarschaftsschutz – auch für die angrenzenden Stammheimer – nicht außen vor zu lassen.

Unter diesen regt sich bereits jetzt großer Widerstand. Der Bürgerverein Stuttgart-Stammheim kündigte in einer Mitteilung an, die „vorgesehenen Planungen mit aller Kraft zu bekämpfen“. Durch ein neues Gewerbegebiet würden sich die Lebensbedingungen der Stammheimer Bevölkerung nochmals gravierend verschlechtern, lässt der Verein wissen. Schon jetzt seien über 300 Beschwerden Stammheimer Bürger im Kornwestheimer Rathaus eingegangen, das Gewerbegebiet östlich der Westrandstraße betreffend. Für die Anwohner ist der Verkehr das größte Problem: Die B27a sei bekanntermaßen schon jetzt völlig überlastet, ein adäquater Lärmschutz sei auch durch den Containerbahnhof und zahlreiche Gewerbe- und Industriegebiete nicht mehr zu gewährleisten. Der Verein wirft der Stadt Kornwestheim vor, die Interessen der Anwohner nicht ernst zu nehmen. Aber: „Solche Projekte werden nicht mehr widerstandslos über die Köpfe der betroffenen Anwohner Stammheims hinweg entschieden werden können.“