Kornwestheim Zirkusartisten messen sich mit Skateboardern

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Clown Carillon mit seinem Sohn Foto: Eva Tilgner

Kornwestheim - Wer schon immer mal Akrobaten, Musiker oder Clowns persönlich kennenlernen wollte, der darf nicht zu früh ins Bett gehen: „Wir Zirkusmenschen essen um Mitternacht zu Abend“, erzählt Markus Strobl, der für die Leitung Medien, Digitales und Kommunikation bei der Unternehmensgruppe Roncalli zuständig ist. Noch bis Sonntag, 12. August, verzaubern die Künstler tagsüber vor dem Ludwigsburger Schloss die großen und kleinen Zirkusfreunde. Nachts kehren sie zurück nach Kornwestheim zum Entspannen. Denn ein Teil der Truppe ist mit 25 modernen Wohnmobilen und Caravanbussen seit Mitte Juli auf den Festplatz am Eichenweg gezogen.

„Jeder bringt etwas mit für das Barbecue“, beschreibt Strobl die gesellige Runde, die hier ab und zu bis 3 Uhr morgens zusammensitzt. „Unser Wohnzimmer ist das Draußen. Allein gibt es im Zirkus nicht.“ Wer keine Runde Uno mitspielt oder einen Film unter freiem Himmel sehen will, zieht in die nahe Nachbarschaft. Die Lage seiner fahrbaren Wohnung neben der Halfpipe gefällt Kenny, dem Ältesten der vier „Cedeno-Brothers“, gut. Dort messen sich die Akrobaten, die in ihrem Berufsalltag bei waghalsigen Circusnummern versuchen, die Schwerkraft außer Kraft zu setzen, auch mit Skateboardern aus Kornwestheim. Eigentlich müssten die Ecuadorianer andere Temperaturen gewohnt sein: „Aber es ist ganz schön heiß hier“, stöhnt der 28-jährige Kenny.

Dabei sind ihre mobilen Häuser gut dafür ausgerüstet, um das Leben auf vier Rädern attraktiv zu gestalten. Selbst, wenn auf dem Festplatz nicht ein Bäumchen Schatten spendet – Klimaanlagen in den Wagen könnten für Abkühlung sorgen. Könnten. Doch die Künstler schalten sie nicht ein. „Sie haben Angst, dass sie sich erkälten“, sagt Strobl.

Dafür hat sich die Zirkuswelt mit Ventilatoren eingedeckt – und zwar sowohl in der Caravansiedlung in Kornwestheim als auch vor den Schminkspiegeln der 80 historischen Wagen, die rund um das Zirkuszelt am Ludwigsburger Schloss stehen. Im Gaderobenwagen kämpft Paolo Casanova, bekannt als Clown Carillon, mit seinem weißen Make-Up. „Alles verläuft so schnell“, seufzt er und pinselt noch einmal nach. Zwar sind die teilweise 100 Jahre alten Wagen penibel restauriert. Doch ihre Decken bestehen aus Holzpalletten und sind mit Teer bestrichen. Um die Mittagszeit herum, wenn die Vorbereitungen für die Show auf Hochtouren laufen, heizen sich die Wagen richtig auf.

Warum hält der Zirkus immer noch an den antiquierten Häusern auf vier Rädern fest, wenn in Kornwestheim die modernen Campingbusse locken? Wegen der Träume ihres Publikums: „Wir sind ein fahrendes Zirkusmuseum“, erklärt Strobl. Die historische Wohnwagensiedlung neben dem Roncalli-Zelt gehört zum Nostalgie-Image des 1975 von den Österreichern Bernhard Paul und André Heller gegründeten Unternehmens. „Prima“ finden das die Kinder von Markus Stolz. Ihr Kinderzimmer im 17 Meter langen Oldtimer-Wagen befindet sich jetzt direkt neben dem Schloss im Blühenden Barock.

„Als meine Tochter hier angekommen ist, hat sie sich ihr Eisköniginnenkleid angezogen und allen erzählt: Ich bin jetzt die Prinzessin“, sagt Markus Strobl und lacht. Das Ferienprogramm könnte für die kleinen Roncalli-Mitfahrer nicht besser sein: Schwimmbad, Schlossbesichtigung, ein Besuch in der Ravensburger Kinderwelt und eine Kinderparty in Kornwestheim. Was unterscheidet denn den Kindergeburtstag eines acht Jahre alten Roncalli-Mädchens von dem eines Stadtmädchens? Die Feier startet erst um 21 Uhr.

Obwohl noch spät abends am Festplatz etwas Trubel herrscht, hofft Markus Strobl, dass seine Truppe bei den Kornwestheimern genauso beliebt ist wie in den anderen Städten. „Und wer schlechte Laune hat, soll einfach bei Circus Roncalli vorbeischauen: Die wird von unserer Herzlichkeit schon beim Eintritt vertrieben.“

 
 

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