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KornwestheimZwischenschritt oder kurzfristige Lösung

Birgit Kiefer, vom 05.11.2017 00:00 Uhr
Sprachkurse sind  nur ein  Mittel der Integration, einen eigenen Integrationsmanager wird sich die Stadt Kornwestheim nicht leisten. Foto: dpa-Zentralbild
Sprachkurse sind nur ein Mittel der Integration, einen eigenen Integrationsmanager wird sich die Stadt Kornwestheim nicht leisten.Foto: dpa-Zentralbild

Kornwestheim - Es macht nicht immer Sinn, Gelder vom Land abzugreifen – findet zumindest die Stadtverwaltung. Im konkreten Fall geht es um den Pakt für Integration. Er würde es ermöglichen, die Personalkosten für einen Integrationsmanager erstattet zu bekommen. Von dieser Möglichkeit will Oberbürgermeisterin Ursula Keck allerdings keinen Gebrauch machen, wie sie im Ausschuss für Soziales und Integration erläuterte. Sie begründete die Zurückhaltung damit, dass „nach zwei Jahren die Förderung vorbei ist und dann sind die Leute eingestellt“. Wenn eine dauerhafte Förderung, und „nicht eine kurzfristige, die einem eine Einstellung nur schmackhaft macht“, gewährleistet sei, dann sehe sie die Situation anders. Außerdem: Die bisherige Lösung mit Kräften vom Landratsamt laufe zur vollsten Zufriedenheit. Die Mitarbeiter seien inzwischen bei den Asylbewerbern bekannt und anerkannt und „gerade in diesen Bereichen brauchen wir Kontinuität“. Mal abgesehen davon, dass die Verwaltung auch nicht davon ausgeht, schnell an das entsprechende Personal zu kommen. Der Konkurrenzkampf unter den Kommunen und den freien Trägern ist jetzt schon groß, eine befristete Zwei-Jahres-Stelle werde da kaum für große Nachfrage sorgen.

SPD-Stadträtin Andrea Tröscher äußerte hingegen in der Sitzung die Auffassung, dass der Pakt für Integration einen „hilfreichen Zwischenschritt“ möglich machen würde. „Was wir aufwenden müssten, wäre nicht viel Geld“. Sie bemängelte auch, dass ein Brief des Arbeitskreises Asyl nicht den Stadträten zugänglich gemacht worden sei. In diesem reagieren die Ehrenamtlichen auf einen Artikel in dieser Zeitung, in dem dargestellt wurde, dass die Stadtverwaltung die Betreuung der Flüchtlinge weiterhin dem Landkreis überlassen möchte. Die Ehrenamtlichen regen in dem Schreiben an, über einen Integrationsmanager ihre eigene Tätigkeit sinnvoller zu erledigen. Ein solcher könnte die Flüchtlinge besser kennenlernen und ihnen gezielter helfen. Oberbürgermeisterin Ursula Keck gab zu bedenken, dass der Brief erst am Vortag eingegangen und daher den Stadträten nicht mehr zugänglich gemacht werden konnte.

Noch wichtiger für die Ehrenamtlichen vom AK Asyl: Der Landkreis werde den Betreuungsschlüssel anheben, kündigte die Oberbürgermeisterin an.

Mit dem Pakt für Integration stellt das Land den Kommunen in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 320 Millionen Euro zur Verfügung. 280 Millionen Euro stehen dafür bereit, Kommunen bei den Kosten für die Anschlussunterbringung zu entlasten und weitere 140 Millionen Euro fließen in konkrete Integrationsförderprogramme und -maßnahmen vor Ort. Rund 1000 Integrationsmanager sollen in Städten und Gemeinden finanziert werden, um Geflüchteten mit Bleibeperspektive zu unterstützen, Integrationsangebote wahrzunehmen.

Der Landkreis Ludwigsburg hat in Kornwestheim bisher die soziale Betreuung in der Anschlussunterbringung übernommen. Im Herbst 2016 wurde diese Aufgabe mit den sozialen Trägern zusammen neu konzipiert und seither gibt es eine Anlaufstelle in der Albstraße 7. Die dortigen Sozialarbeiter betreuen Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften und zugleich in der Anschlussunterbringung. Die Kornwestheimer Stadtverwaltung warnt nun, dass durch die Einstellung eines eigenen Integrationsmanagers die bisher gewonnene Fachexpertise verspielt werden könnte. Abstimmen konnten die Stadträte über diese Position der Verwaltung nicht, sondern sie nur zur Kenntnis nehmen.