LeichtathletikEinmal Puls zum Maximum und zurück

Marius Venturini, vom 15.06.2017 00:00 Uhr
Die Autoreifen auf der Zielgerade des „Strongman Runs“ sind für Matthias Putze eine der größten Herausforderungen gewesen. Foto: z/Lars Schäfer
Die Autoreifen auf der Zielgerade des „Strongman Runs“ sind für Matthias Putze eine der größten Herausforderungen gewesen.Foto: z/Lars Schäfer

Kornwestheim - Qua Beruf sitzt Matthias Putze eigentlich ständig am Schreibtisch: Der 26-Jährige ist IT-Spezialist. „Das Laufen war eigentlich nie mein Hobby“, sagt der Kornwestheimer, „bis ich nach der Schule zur Bundeswehr gegangen bin.“ Dort wollte es der junge Mann dann genau wissen, was die Ausdauer angeht. „Aber meinen ersten Halbmarathon habe ich nur mit Hängen und Würgen überstanden“, erinnert er sich.

Nun hat der drahtige Athlet bei einem der bekanntesten Hindernisläufe weltweit im Gesamtklassement den zehnten Rang belegt. Bei der, wie die Veranstalter behaupten, „Mutter aller Hindernisläufe“, dem „Strongman Run“ am Nürburgring, schaffte er es ziemlich unerwartet in die Top Ten. Und dafür musste Matthias Putze unter anderem durch eine Grube voller alter Autoreifen staksen, durch Schlammwasser schwimmen, zuvor eine veritable Rutsche hinunterrutschen und sich an Netzen entlanghangeln.

Sämtliche Anforderungen erstrecken sich über eine Strecke von 24 Kilometern. Dazwischen wird, natürlich, gelaufen, gerannt, gejoggt. Putze benötigte für den Parcours eine Gesamtzeit von 2:03.51 Stunden. Der Sieger, Andre Joubert Calitz aus Südafrika, rettete sich nach 1:52.07 Stunden in das Ziel.

Dass Matthias Putze der Läuferszene erhalten geblieben ist, liegt vor allem daran, dass ihm die Lauferei vom Jahr 2013 an dann doch noch Spaß gemacht hat. Schon damals durfte es ein erster Extrem-Hindernislauf sein, der „Tough Mudder“ in Mittelfranken. „Da waren wir schon eine kleine Gruppe, die da teilgenommen hat“, erinnert sich Putze, der in den Folgejahren kaum eine Gelegenheit ausließ zu laufen. „Egal welcher Modus, egal welche Veranstaltung“. Beim jüngsten Silvesterlauf in Bietigheim-Bissingen belegt er Rang 123.

Moment: dort „nur“ 123., aber jetzt mit einer Top-Platzierung am Nürburgring? „2016 habe ich bei einem 24-Stunden-Lauf in Weeze Knieprobleme bekommen und musste danach wieder bei Null anfangen“, sagt Putze. Seitdem steigere er die monatlichen Umfänge auf rund 300 Kilometer. „Eigentlich“, sagt Putze aber, „sind meine Trainingseinheiten die Events.“

Und von denen gibt und gab es eine ganze Menge. Zum Beispiel bei eben jenem 24-Stunden-Hindernislauf in Weeze. Matthias Putze schaffte bei seiner zweiten Teilnahme mit seinem Team 114 Kilometer. „Das hätte keiner gedacht, richtig krass!“ Und seitdem hat er an sehr vielen Veranstaltungen teilgenommen. „Inzwischen liegt mein Fokus auf dem Trailrunning, und es war klar, dass der ‚Strongman’ der einzige Hindernislauf sein wird, den ich dieses Jahr absolviere“, gibt Putze zu Protokoll. Dass es der zehnte Platz wurde, habe ihn selbst am meisten überrascht. „Allerdings“, fügt er hinzu, „ist der ‚Strongman Run’ nicht nur kompetitiv. Viele Teilnehmer begleiten sich gegenseitig, es hat mehr diesen Eventcharakter. Und danach wird auch noch ordentlich gefeiert.“

Was nicht davon ablenken soll, dass ein solcher Hindernislauf wirklich, wirklich anstrengend ist. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man sich auf ein bestimmtes Lauftempo einschießen kann und das dann beibehält“, sagt Matthias Putze. Vielmehr gehe man in Sachen Puls ans Maximum und müsse das dann wieder herunterfahren. „Um vorne dabei zu sein, muss man schon ein wenig ein Allround-Athlet sein“, so Putze, der in seiner Jugend im Stuttgarter Stadtteil Neugereuth viele Kletterspielplätze vor der Haustür hatte. „Das fällt mir recht leicht“, sagt er und lacht.

Prinzipiell ist der Kornwestheimer aber eher der Läufer, allein ob seiner Statur. Und er hat die notwendige Willenskraft. „Ich bin nicht der Stärkste oder der Schnellste, aber ich kann mich durchbeißen. Das ist auch wichtig.“ So hätten zum Beispiel die Autoreifen auf der Zielgerade des „Strongman Runs“ enorm viel Kraft gekostet. „Aber ansonsten fordern am Nürburgring die Hindernisse zwar körperlich, aber nicht so sehr mental.“

Da ist das Trailrunning eine andere Hausnummer. An Pfingsten absolvierte Matthias Putze zum Beispiel den Keufelskopf Ultra-Trail, ein Lauf über 85 Kilometer mit 3600 zu überwindenden Höhenmetern. Er belegte nach 12:55:03 Stunden den 35. Rang von 74 Teilnehmern. Im vergangenen Jahr war er noch über die halbe Distanz, immerhin ein ganzer Marathon, am Start gewesen. „Das war so schön, dass ich wieder dabei sein wollte, auf der langen Strecke. Aber es ist schon ein ordentliches Brett.“ Ein weiterer Jahreshöhepunkt ist das Trans-Alpine-Etappenrennen im September. Von Fischen im Allgäu geht es in sieben Etappen nach Sulden am Ortler nach Italien. Die Abschnitte sind durchschnittlich 38 Kilometer lang. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt Putze.