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LokalsportSpitzensport, Hirntraining und Nachwuchssorgen

Michael Bosch, vom 06.09.2017 12:34 Uhr
Die Teilnehmer beim Via-Nova-Sommercamp. Foto:  
Die Teilnehmer beim Via-Nova-Sommercamp.Foto:  

Kornwestheim/Handball - Natürlich haben wir das von Anfang an gewusst“, sagt Walter Schrenk, wenn er danach gefragt wird, ob er von Anfang an daran geglaubt habe, dass die Sportschule Via Nova einmal zehnjähriges Jubiläum feiern würde. Schrenk lacht dann – wohlwissend, dass die Sportschule Via Nova mittlerweile eine Institution in Kornwestheim ist.

Dabei wurde sie eigentlich aus der Not heraus geboren. Nachdem die ersten Herrenmannschaft des SV Kornwestheim im Jahr 2007 nach einem Insolvenzverfahren den Absturz von der Spitze der Zweiten Bundesliga in die Landesliga verkraften musste, wurde die Idee geboren, den kompletten Handballsport in Kornwestheim auf den Sockel einer erfolgreichen und gut geplanten Jugendarbeit zu stellen. Schrenk, Reinhard Zinsmeister, Miriam Bahmann, Gerhard Bahmann, Erwin Holzbaur, Hans Bartholomä, Günter Rommel und Dieter Koser gründeten daher die Sportschule. Koser beim TC Kornwestheim und Rommel für die SVK-Fußballer hatten zuvor bereits versucht, die Idee ihrem Verein beziehungsweise ihrer Abteilung schmackhaft zu machen, waren dabei aber auf zu wenig Unterstützer getroffen. „Dort haben schlicht die Strukturen gefehlt, dass es in Richtung Leistungssport geht“, sagt Walter Schrenk rückblickend. Anders war es bei den Handballern, mit denen die Kooperation als einzige bis heute besteht und die gezwungenermaßen voll mit einstiegen. „Es war eben beim SVK so wie überall“, sagt Zinsmeister, der damals als hauptamtlicher Jugendtrainer im Verein arbeitete. „Die Jugendarbeit war chronisch unterfinanziert.“ Der Verein machte zwar mündliche Zusagen, aber es passierte jahrelang nichts. Das „Ja“ zur Jugendarbeit waren meist nur Lippenbekenntnisse. Bis eben die Insolvenz kam – und damit der richtige Augenblick, um Jugend und Nachwuchs ins sportliche Zentrum zu stellen.

Los ging’s für die Sportschule mit einem Pilotprojekt für Acht- bis Zehntklässler im Jahr 2007. Die Schüler und Schülerinnen konnten während der Schulzeit zwei Doppelstunden pro Woche in den Sportarten Handball, Fußball und Tennis belegen. Trainingsschwerpunkte waren damals – und sind es noch bis heute – Technik, Koordination, Athletik und Spielfähigkeit, als sinnvolle und notwendige Ergänzung zum Mannschaftstraining, wo die individuelle Schulung oft zu kurz komme, wie Schrenk und Zinsmeister betonen. Einmal pro Woche wird heute eineinhalb Stunden zwischen oder nach dem Schulunterricht trainiert. Der zweite Baustein sind die sogenannten Thementrainings der A-, B- und C-Jugend bei denen in Kleingruppen an verschiedenen individuellen Sprung-, Wurf- und Abwehrfehlern gearbeitet wird. „Wir sprechen natürlich mit den Trainern und fragen sie, wo sich ein Spieler noch verbessern kann“, erklärt Schrenk. Und es sei eben etwas anderes, ob ein Trainer fünf bis sechs Leute betreuen müsse oder 25 wie im normalen Trainingsbetrieb. Und die Via Nova könne das eben leisten. Mit Walter Schrenk, Michael Walter und Marc Pflugfelder stehen drei Trainer zur Verfügung, Jens Babel ist wie bei der ersten Mannschaft des SVK für Athletik-, Fitness- und Rehatraining zuständig.

Einer der Höhepunkte im Kalender der Via Nova sind die Feriencamps für bis zu 90 Kinder und Jugendliche von der E- bis zu A-Jugend, die unter anderem auch von A-Lizenz-Inhaber Kurt Reusch, dem ehemaligen Landestrainer des Handball-Verbandes Württemberg und Junioren-Nationaltrainer geleitet werden. Vom Drittligisten sind in diesem Jahr unter anderem Christian Wahl und Christopher Tinti mit dabei. „Es besteht eben auch eine ganz enge Bindung zur ersten Mannschaft. Und das gefällt den Jugendlichen“, erzählt Walter Schrenk. Dass mehrere Jahrgänge am Ende der Sommerferien in bis zu vier Kornwestheimer Hallen zusammen trainierten, sei besonders schön.

Die Via Nova kümmert sich indes nicht nur um den Handball. „Die Via Nova hat auch noch mehr zu bieten“, sagt Reinhard Zinsmeister. Der Verein entwickle sich ständig weiter, meint Walter Schrenk. Gemeinsam mit Reha-Aktiv offeriert die Sportschule zum Beispiel seit 2013 Gehirnfitness.

Die Idee wurde zuerst von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund erprobt. Von einer verbesserten Wahrnehmung und Verarbeitungsgeschwindigkeit sollen aber nicht nur Spitzensportler, sondern auch Kinder und Senioren profitieren. Für beide Gruppen hat die Via Nova entsprechende Angebote. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet sie in einer Partnerschaft mit der Silcherschule mit einer dritten Klasse zusammen und das Projekt ist laut Schrenk ein „großer Erfolg“. Die Grundschüler seien überdurchschnittlich diszipliniert, ihre Aufnahmefähigkeit gesteigert und sie seien generell ruhiger als Gleichaltrige.

Die Via Nova ist also wirklich mehr als nur eine Nachwuchsschmiede für Handballer. Aber gerade um den Nachwuchs sorgen sich die Verantwortlichen ein kleines bisschen. Es ist nicht so, dass das Interesse am Handball in der Breite nicht mehr da ist, aber die Konkurrenz in der Spitze ist größer geworden. Eingeklemmt zwischen Zweitligist SG BBM Bietigheim und Stuttgart, wo der TVB Stuttgart (ehemals TV Bittenfeld) mittlerweile in der ersten Bundesliga spielt, müsse der Hauptverein wachsam sein.

„Ich gehe davon aus, dass in Stuttgart im kommenden Jahr ein Jugendzentrum aufgemacht wird“, sagt Walter Schrenk. „Wir müssen die Augen offen halten, sonst sind wir irgendwann abgehängt.“ Die Jugendarbeit werde mit Sicherheit künftig nicht einfacher werden. Deshalb schließen sie beim SV Kornwestheim auch nichts aus. Es habe schon in der Vergangenheit Gespräche mit dem TVB darüber gegeben, den Jugendbereich in der Spitze zusammenlegen. Die seien aber gescheitert. „Aber wir bleiben dran“, sagt die stellvertretende Abteilungsleiterin Miriam Bahmann. „Wenn es passt, warum soll das dann nicht Wirklichkeit werden?“

Es werde immer Handball gespielt werden, meint Walter Schrenk, die Frage sei nur, mit welchem Anspruch. „Wenn ich das als Leistungssport machen will, dann muss ich halt viel investieren.“ Ihm und seinen Kollegen von der Via Nova zumindest kann man in dieser Hinsicht nichts vorwerfen.