Lokalsport „Torhüter haben wenig Ausreden bei mir“

Henning Maak, vom 26.06.2015 12:00 Uhr
Ahmet Cizmecioglu hat mehr als 25 Jahre Erfahrung als Trainer. Foto: Henning Maak
Ahmet Cizmecioglu hat mehr als 25 Jahre Erfahrung als Trainer. Foto: Henning Maak

Kornwestheim - Fast 20 Jugendmannschaften stellen die Handballer des SV Kornwestheim, für die es jede Saison aufs Neue einen oder zwei Trainer zu finden gilt. Meistens gibt es eine vereinsinterne Lösung. Bei der männlichen A-Jugend stießen die SVK-Verantwortlichen jedoch an ihre Grenzen. Mit Christian Fina, der wegen seiner erhöhten beruflichen Belastung aufhören musste, und Christian Wahl, der zum Zweitligisten TV Neuhausen/Erms gewechselt ist, verließen sowohl der Chef- als auch Co-Trainer die Mannschaft. „Für eine A-Jugendmannschaft findet man aber leichter eine auswärtige Lösung als für eine D-Jugend“, sagt der Kornwestheimer Jugendkoordinator Roland Stark.

Der neue Chef an der Seitenlinie der A-Jugendlichen des SV Kornwestheim heißt Ahmet Cizmecioglu, ihm assistiert mit Kevin Wolf ein Akteur des Drittligateams. „Kevin wird aber nur eine unserer drei Trainingseinheiten mitmachen können“, weiß Ahmet Cizmecioglu. Mit dem 43-Jährigen haben die SVK-Verantwortlichen scheinbar einen guten Fang gemacht. Denn der gelernte Elektroinstallateur verfügt über mehr als ein Vierteljahrhundert Trainererfahrung.

Heimatverein von Ahmet Cizmecioglu ist der TV Bittenfeld, wo er bereits im Alter von 17 Jahren seine erste Station als Spielertrainer übernahm. „Ich habe fast alle Jugendteams des TV Bittenfeld irgendwann einmal trainiert“, erzählt der ehemalige Torhüter, der es als Spieler bis in die Oberliga geschafft hat und bis zum 35. Lebensjahr selbst zwischen den Pfosten stand. Der C-Schein-Inhaber war zeitweilig auch Auswahltrainer des Bezirks Rems-Murr.

Vor sechs Jahren verließ er erstmals seinen Heimatverein und wechselte zusammen mit Henning Fröschle zum SV Remshalden, mit dem er in der Saison 2013/14 den Aufstieg von der Württembergliga in die Baden-Württemberg-Oberliga schaffte. Zuletzt pausierte der 43-Jährige aus gesundheitlichen Gründen, nachdem er sich einer Halswirbel-Operation unterziehen musste. Der SVK ist erst sein dritter Verein.

Seit Mitte März betreut Ahmet Cizmecioglu die A-Jugendlichen des SVK und hat bereits die erste wichtige Hürde mit seinem Team genommen: die Qualifikation des württembergischen Handballverbands für die Württemberg-Oberliga. „Gemäß unserer Philosophie sind Ergebnisse nicht so wichtig wie die Leistung, sondern nur die Folge daraus. Einzige Ausnahme sind aber die Quali-Spiele, da sie über eine ganze Saison entscheiden“, zeigt sich Jugendkoordinator Roland Stark glücklich.

Den Kontakt zu Ahmet Cizmecioglu, der in Kornwestheim wohnt und mit einer ehemaligen SVK-Spielerin verheiratet ist, hat Ex-SVK-Trainer Mirko Henel hergestellt, mit dem Cizmecioglu befreundet ist. Zudem spielt auch Tochter Aylen bereits in der E-Jugend des SVK Handball.

Als Trainingsschwerpunkt für die im September beginnende Saison hat sich der neue Coach die individuelle und die Gruppen-Abwehrarbeit auf die Fahnen geschrieben. „Wir müssen in der Defensive stabiler werden, um dann schnell nach vorne zu spielen“, fordert Ahmet Cizmecioglu von seinen Spielern. Die Notwendigkeit zum schnellen Spiel mit einfachen Toren über Tempogegenstöße ergibt sich für ihn schon daraus, dass er mit Tillmann Joost nur einen Akteur im Kader hat, der das Gardemaß von 1,90 Meter überschreitet. Vom System her will der Coach eine offensive 6:0-Abwehr spielen lassen, mit einem 3:2:1-System als Variante. Im Angriff will er zu den bestehenden Auftakthandlungen noch zwei bis drei weitere einüben, „damit wir schwerer auszurechnen sind.“

Besonders im Fokus stehen beim ehemaligen Keeper natürlich die Torleute. Von ihnen erwartet Ahmet Cizmecioglu vor allem Passgenauigkeit beim Einleiten der Tempogegenstöße – was einst auch seine besondere Stärke war. „Torhüter haben bei mir wenig Ausreden“, sagt der Coach mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

16 Spieler der Jahrgänge 1997 und 1998 stehen im Kader der A-Junioren für die kommende Saison, die zum Teil Anfahrtswege aus Mundelsheim und Ditzingen auf sich nehmen. Acht von ihnen sind aus der B-Jugend aufgerückt. Einziger externer Neuzugang ist Willi Haberkorn, der aber eigentlich ein Rückkehrer ist: Der Kornwestheimer spielte in der vergangenen Runde beim TSV Schmiden, konnte sich dort aber nicht richtig durchsetzen. Acht Akteure sind aus der A-Jugend in den Aktivenbereich aufgerückt, den Sprung ins Drittligateam haben Florian Assmann und Marvin Flügel geschafft. Der Rest verstärkt in der kommenden Runde das Landesligateam. Wer aus dem neuen A-Junioren-Kader im Aktivenbereich mittrainieren darf, entscheidet sich zu Beginn der Saison.

Eine Zielsetzung im Sinne eines bestimmten Tabellenplatzes gibt es nicht. „Es geht darum, die Spieler in dieser Phase weiterzuentwickeln“, weiß Jugendkoordinator Roland Stark. Seinen Teil dazu beitragen soll auch Kevin Wolf. „Es ist Teil unserer Philosophie, dass die Spieler des ersten Teams dem Nachwuchs den ein oder anderen Kniff beibringen“, erklärt er.