Lokalsport Zwei Europarekorde, fünf Goldmedaillen

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  Foto: Lutz Selle

Schwimmen/Kornwestheim - Gerhard Schiller ist wieder zurück – und wie. Nach einem Achillessehnenriss, einem Bänderriss und einem Bandscheibenvorfall hatte der 65-jährige Spitzensportler aus Kornwestheim zuletzt eine mehrmonatige Zwangspause vom Schwimmen und Tennisspielen einlegen müssen. „Das hat mich richtig zurückgeworfen.“ Nun ist „Gerry“ Schiller bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften der Masters in Hannover unter den insgesamt 1142 Teilnehmern gewesen. Und in seiner neuen Altersklasse war er bei allen fünf Einzelstarts mit Abstand der Schnellste. Über 100 Meter Freistil gelang dem Kornwestheimer, der aufgrund der besseren Trainingsbedingungen in Stuttgart für den SV Cannstatt startet, mit 1:02,89 Minute sogar ein neuer Europarekord in seiner neuen Altersklasse. Auch über 50 Meter Freistil war in Europa noch nie zuvor ein Schwimmer so schnell unterwegs wie Gerhard Schiller, der 28,45 Sekunden für die Distanz benötigte.

Der nationalen Konkurrenz blieb jeweils nur deutlich das Nachsehen. Über 50 Meter Freistil schnappte sich Jos Packenius (SG Schöneberg Berlin) mit 30,63 Sekunden die Silbermedaille und Frank Hesbacher (SG Westthüringen) mit 30,69 Sekunden Bronze. Noch länger dauerte es, bis bei 100 Metern Freistil der nächste Schwimmer nach Gerhard Schiller am Beckenrand anschlug – nämlich mehr als fünf Sekunden. Frank Hesbacher wurde nach 1:08,21 Minute Deutscher Vizemeister.

Bei der 200-Meter-Freistil-Distanz war der Kornwestheimer dann sogar mehr als neun Sekunden schneller als sein schärfster Kontrahent Hesbacher. Nach 2:26,81 Minuten holte sich Schiller eine weitere Goldmedaille ab, während 2:36,10 Minuten dem Thüringer ein weiteres Mal Silber einbrachten. Bronze ging an Horst Lehmann (SC Humboldt-Uni Berlin), der 2:37,69 Minuten für die Distanz benötigte.

Über 200 Meter Lagen konnten die Mitstreiter bei den deutschen Titelkämpfen Gerhard Schiller nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Der 65-Jährige, der im Jahr 1972 bei den Olympischen Spielen teilgenommen hatte und später bis zum Beginn des Jahres 2008 eine 33-jährige Wettkampfpause vom Schwimmen eingelegt hatte, war nach 2:54,85 Minuten am Ziel. Dem Berliner Jos Packenius reichten 3:03,97 Minuten zum Vizetitel.

Über 50 Meter Schmetterling gab es eine weitere Goldmedaille für Schiller, der nach 31,04 Sekunden anschlug. Zweiter wurde Horst Lehmann (SC Humboldt-Uni Berlin) in 32,26 Sekunden vor Gerhard Neff (SV Cannstatt, 33,26 Sekunden).

In Hannover trat der Kornwestheimer dann noch mit der 4 x 50-Meter-Mixed-Staffel im Freistil mit seinen Cannstatter Mannschaftskollegen Petra Dillmann, Sarah Völker und Gerhard Neff an und erreichte in der zusammengezählten Altersklasse 200 bis 239 mit 2:01,75 Minuten den vierten Rang sowie bei den 4 x 50 Meter Lagen in gleicher Besetzung mit 2:21,32 Minuten den neunten Platz unter 16 Teams.

Aber nicht nur im Schwimmen hat „Gerry“ Schiller mit viermal pro Woche vier bis fünf Kilometern im Training wieder zu seiner exzellenten Form gefunden. Auch im Tennis spielt er nach wie vor auf höchstem Niveau. Gerade ist er mit der Herren-65-Mannschaft des TC Wolfsberg Pforzheim von der Süd-West-Liga in die Regionalliga Süd aufgestiegen. Der Ehrgeiz, mit dem die Tennis-Senioren in Pforzheim zu Werke gehen, gefällt dem Kornwestheimer, der genau weiß: „Es kostet viel Kraft, sich im Training zu quälen, um dann ganz vorne zu sein. Ohne Fleiß kein Preis.“

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