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Pattonville„Der Spaß am Singen ist das Wichtigste“

Susanne Mathes, vom 12.05.2017 19:00 Uhr
So sieht Zusammenklang aus: Die A-Cappella Ladies bei einem Coaching. Foto: z
So sieht Zusammenklang aus: Die A-Cappella Ladies bei einem Coaching.Foto: z

Pattonville - Auch wenn die Singstimmen Tenor, Lead, Bariton oder Bass heißen: Singen ist bei den A-Cappella Ladies Frauensache. Und das inzwischen seit zehn Jahren. Der Pattonviller Chor, der 2007 unter dem Dach des Vereins Schöne Töne aus der Taufe gehoben wurde, hat sich dem Barbershopgesang verschrieben. Und der war ursprünglich eben Männerdomäne. Schließlich entstand er, wie der Name verrät, in amerikanischen Friseursalons, wo die Herrschaften singend die Zeit beim Rasieren und Haareschnippeln überbrückten.

Von Überbrücken kann bei den Pattonviller Barbershopperinnen nicht die Rede sein: Für sie steht der Gesang im Zentrum ihres Tuns. Singend eine Geschichte erzählen, und das mit viel Emotion, Ausdruck, Geschlossenheit, Strahl- und Bannkraft: Das ist es, was der Chor erreichen möchte und woran er mit Ambition und Verve feilt – nicht zuletzt durch die regelmäßige Teilnahme an Coachings, Workshops, Wettbewerben und Meisterschaften.

Der Erfolg mit der größten Öffentlichkeitswirkung war dabei der Sieg beim SWR4-Chorduell im Sommer 2014, damals noch unter Gründerin und Leiterin Britta von Fuchs-Nordhoff. „Es war ein völlig unverhoffter und überraschender Erfolg“, wie Pressesprecherin Silke Rusch erzählt, die auch Gründungsmitglied und sechs Jahre Vereinsvorsitzende war. „Denn eigentlich hatten wir beim Chorduell nur mitgemacht, um die Zeit zwischen den Wettbewerben zu füllen.“ Das Ereignis habe dem Chor aber nicht nur viele schöne Folge-Auftritte beschert, sondern auch die Gemeinschaft zusammengeschweißt.

Für die Ladies selbst sind aber die Wettbewerbe in der Barbershop-Szene die eigentliche Herausforderung und auch die Messlatte für die Probenarbeit. Als sie im Jahr 2012 bei ihrer dritten Teilnahme an den Deutschen Barbershopmeisterschaften den Crescendo-Pokal für den Chor einheimsten, der sich seit der letzten Teilnahme am meisten gesteigert hatte, waren die Sängerinnen überglücklich. Vergangenes Jahr platzierten sie sich im mittleren Teilnehmerfeld als viertbester deutscher Frauenchor; Dirigentin Maren Dechant – sie leitet die Ladies seit Herbst 2014 – freute sich vor allem darüber, dass die Juroren die „sehr saubere Intonation und Präsenz“ des Chores hervorhoben.

„Im guten Mittelfeld sind wir oben mit dabei und bemühen uns, unsere Ergebnisse immer wieder zu optimieren. Wenn wir mehr wollten, müssten wir noch mal mehr geben, zum Beispiel noch mehr Wochenenden investieren. Das wäre eine grundsätzliche Entscheidung“, sagt Silke Rusch. Denn die Sängerinnen stünden alle im Berufsleben, der Chor sei immer noch ein Hobby – „und der Spaß am Singen ist und bleibt das Wichtigste“.

Den Spaß sieht und hört man den Sängerinnen bei ihren Konzerten, Benefiz-Veranstaltungen, Weihnachtsmärkten und anderen Anlässen an. Und so soll es auch sein. Denn für Besucher von Barbershop-Veranstaltungen soll es nicht nur etwas zu hören, sondern auch etwas zu sehen geben. Neben guten Stimmen sei eine gute Performance ganz wichtig. „Die Darstellung ist im Gesamtkunstwerk des Chores stark gefragt. Da kann sich keine rausnehmen, jede muss sich verantwortlich fühlen“, berichtet die Pressesprecherin. Der Chor sei denn auch etwas für Frauen, „die ein bisschen mehr wollen“. Das sei anspruchsvoll, aber für viele auch ein perfektes Mittel, um ihre Konzentration voll zu fokussieren und Abstand vom Alltag zu bekommen.

Wer bei den knapp 30 Sängerinnen aus der ganzen Region neu einsteigen will, singt ein paar Wochen lang bei den Mittwochsproben mit und macht dann eine kleine Aufnahmeprüfung. Gerade Frauen in den tieferen Stimmen – „die in normalen Chören Alt singen oder mal bei den Tenören aushelfen“, so Rusch – seien derzeit gefragt. Die Stimmen heißen beim Barbershop eben nur ein bisschen anders.

Beim Jubiläumskonzert am 20. Mai sind aber nicht nur der Stimmlage nach Tenöre, Baritone und Bässe dabei: Für den musikalischen Festabend haben die A-Cappella Ladies auch wirklich Männerchöre eingeladen: den Chor Herrenbesuch aus München, der 2016 bei den Deutschen Barbershopmeisterschaften den Publikumspreis erhielt, das Vokalensemble Xang aus Tübingen, das neuen und alten Hits zu unerwartetem Eigenleben verhilft, sowie das musikalisch-literarische Duo Escher & Grau. Man kennt sich unter anderem von Meisterschaften und anderen Begegnungen in der Barbershop-Szene. Und so heißt es nächsten Samstag nicht nur „Ladies Night“, sondern generös und mit einem kleinen Augenzwinkern: „Men welcome“.