Pattonville Fluchtbalkone schaffen Platz im Inneren

Werner Waldner, vom 08.02.2018 09:00 Uhr
Die Tage sind gezählt: die Grundschule in Pattonville wird durch einen Neubau ersetzt. Foto: Archiv/Birgit Kiefer
Die Tage sind gezählt: die Grundschule in Pattonville wird durch einen Neubau ersetzt. Foto: Archiv/Birgit Kiefer

Kornwestheim/Pattonville - Geräumig soll die Schule werden, gleichwohl sollen die Baukosten nicht die Summe überschreiten, bis zu der das Land eine finanzielle Unterstützung zusagt. Die Architekten des Büros Kiefner und Müller aus Maulbronn bedienen sich, um die Vorgaben zu erfüllen, quasi eines „Tricks“, wie sie am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik erläuterten, in dem sie zusammen mit dem Remsecker Baubürgermeister Karl Velte die Pläne für die Schule vorstellten. Sie verlegen die Fluchtwege nach außen auf Balkone, die vor den Neubau gesetzt werden. So verschaffen sie sich im Inneren Platz für Schüler und Lehrer, es ist kein zusätzliches Treppenhaus im Gebäude erforderlich. Von jedem Klassenzimmer aus führen Sicherheitstüren auf die Balkone. Sie sind verriegelt und öffnen sich bei Alarm automatisch. Sie können zusätzlich durch das Wegschlagen einer Kunststoffklappe entriegelt werden. Über Treppen erreichen Schüler und Lehrer die Sicherheitszonen vor der Schule.

Wie sehr die Architekten die Vorgaben des Landes ausreizen, ist dieser Zahl zu entnehmen: 2674 Quadratmeter für den reinen Schulbetrieb würde das Land Baden-Württemberg fördern. 2631 Quadratmeter weisen die Architekten aus Maulbronn in ihren Plänen für die Pattonviller Schule aus. Der dreiflügelige Bau entsteht im Bereich des heutigen Schülerhorts und des Schulhofs.

Statt einer Schulmensa – gleich vier kleinere Essensräume

Die neue Grundschule in Pattonville wird eine Ganztagsschule werden – allerdings ohne Mensa. Auch hier gehen die Architekten auf Wunsch der Schule ungewohnte Wege. Mehrere Klassen bilden einen Verbund, für den jeweils ein Mehrzweckraum zur Verfügung steht, der in der Mittagszeit zum Speisezimmer wird. Und so wird die Schule letztlich über gleich vier Mensen verfügen – alle eine Nummer kleiner als eine große Schulmensa. Und noch mehr ist an dem Schulgebäude ungewöhnlich: Es ist auf vier Züge, also vier Klassen pro Jahrgang ausgelegt, es können aber ohne Probleme noch weitere Klassenzimmer eingerichtet werden, sodass die Schule letztlich für viereinhalb Züge Platz bietet. So könne flexibel auf die Schülerzahlen in Pattonville reagiert werden, erläuterte der Remsecker Baubürgermeister den Kornwestheimer Stadträten.

360 Jungen und Mädchen besuchen derzeit die Grundschule in Pattonville, 89 wohnen auf der Kornwestheimer Seite. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Schülerzahl weiter steigen wird. Die Stadt Remseck rechnet für die kommenden Jahre mit insgesamt rund 550 Schülerinnen und Schülern in Pattonville.

Baukosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro

Für rund ein Viertel der Kosten des Neubaus wird die Stadt Kornwestheim aufkommen müssen. Nach ersten Berechnungen geht die Stadt Remseck von Baukosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro aus. Mit 3,3 Millionen Euro will sich das Land Baden-Württemberg an den Ausgaben beteiligen. Kornwestheim müsste nach derzeitigem Stand der Planungen rund 1,7 Millionen Euro übernehmen.

Um die Kosten im Rahmen zu halten, sollen die Klassenräume über eine Höhe von drei Metern verfügen. Das ist 20 Zentimetern niedriger als gemeinhin, dafür, so Velte, seien die Klassen auch geräumiger. Die Kostenersparnis liege bei rund 2,2 Millionen Euro, rechnete der Remsecker Baubürgermeister vor.

Die Kornwestheimer Stadträte zeigten sich von dem Bauvorhaben durchaus beeindruckt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä freute sich, dass der Förderrahmen optimal ausgenutzt werde. Hans-Michael Gritz lobte das Modell der dezentralen Mensen.

Der Baubeginn ist fürs Frühjahr 2019 vorgesehen, die Einweihung für den Herbst 2021. Der Altbau wird nach Fertigstellung der Schule zum größten Teil abgerissen. Erhalten bleibt der Flügel, der sich an die Bürgerhalle Pattonville anschließt.