Ringen Traditionsverein ASV ist wohl bald Geschichte

Marius Venturini, vom 14.10.2018 14:00 Uhr
Andriy Kotozhekov (in Rot) bei einem der bislang letzten Kornwestheimer Liga-Ringkämpfe im November 2017. Foto: Archiv/Peter Mann
Andriy Kotozhekov (in Rot) bei einem der bislang letzten Kornwestheimer Liga-Ringkämpfe im November 2017. Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - Bekommt die Skizunft Kornwestheim bald eine neue Sportart? Das hängt vom Mitgliedervotum des Athletik-Sportvereins (ASV) Kornwestheim ab. Die Ringer stimmen bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 27. Oktober darüber ab, ob ihr Verein mit Sack und Pack Teil der Skizunft werden soll. „Wir rechnen mit einer Zustimmung“, sagt ASV-Finanzvorstand Angela Ceviz, „ansonsten löst sich der Verein auf.“

Gründe für den geplanten Schritt ist der Verwaltungsaufwand, dem die Ringer immer weniger Herr werden. „Das Ehrenamt wird immer uninteressanter “, nennt Angela Ceviz den Hauptfaktor. Vor einiger Zeit habe man sich schon einmal mit einem Anschluss an die Skizunft befasst. Konkret wurde die Angelegenheit abermals vor wenigen Monaten.

„Die Initiative ging vom ASV aus“, berichtet der Skizunft-Vorsitzende Uwe Heinle und betont: „Finanzielle Aspekte haben damit überhaupt nichts zu tun, dem ASV geht es gut.“ Nur sei eben die Organisation nicht mehr zu stemmen gewesen. „Dann hat der Vorsitzende Bilal Ceviz vorgetragen, dass man sich auf der Suche nach einem starken Partner befindet.“ Ein längeres Gespräch war die Folge. „So etwas macht man nicht in fünf Minuten“, so Uwe Heinle.

Für seine Skizunft ist der Ringersport komplettes Neuland. „Die ASVler können sich bei uns dann komplett auf das Sportliche konzentrieren“, sagt Heinle. Die Skizunft liefere etwa eine funktionierende Geschäftsstelle und kümmere sich um den Kontakt mit dem Verband sowie die Mitgliederverwaltung.

Das alles gilt natürlich nur vorbehaltlich der Zustimmung am 27. Oktober. „Die Stimmung unter den ASV-Mitgliedern ist eher positiv“, hat Angela Ceviz wahrgenommen. Allerdings ist bei ihr selbst auch ein wenig Wehmut dabei. Ihr Ehemann, Vereinsvorstand und Trainer Bilal Ceviz, ist Ur-ASVler. Sie selbst ist ebenfalls seit vielen Jahren dabei. Der Verein an sich blickt auf eine 113-jährige Geschichte zurück. Damals, im Jahr 1905, wurde er zunächst unter dem Namen Athleten-Club Frisch auf Kornwestheim gegründet. Zwei Jahre später tummelten sich bereits 60 Mitglieder beim Ringen, Gewichtheben, Kugel- und Steinstoßen. Später kamen zeitweise Boxen, Leichtathletik und Jonglieren hinzu. Zum „Athletik-Sportverein“ wurde der Club im Jahr 1910. Heute zählt der Verein rund 100 Mitglieder.

Die ASV-Ära scheint nun allerdings zu Ende zu gehen. Im Falle des Anschlusses an die Skizunft würde es aber zumindest mit dem sportlichen Betrieb weitergehen – wenn auch nicht mehr unter altem Namen, da der Verein so oder so Geschichte wäre, denn auch im Falle des Jas zur Skizunft würde der ASV aufgelöst werden. Die Mitglieder hätten dann aber die Gelegenheit kollektiv mitzuwechseln. Das ASV-Vermögen wandert dann auch an den neuen Verein und wird dort das Budget für die Ringer bilden. „Im Falle einer kompletten Auflösung des ASV würde das Geld an die Stadt Kornwestheim gehen“, informiert Angela Ceviz. Angenommen, die Zukunft des ASV läge bei der Skizunft, gibt es noch einige offene Fragen. Zum Beispiel: Geht es als Referat oder eigenständige Abteilung weiter? Auch das soll bei der Versammlung Ende des Monats entschieden werden.

Sollte es – wie auch immer – weitergehen, wäre die Wiederaufnahme des Ligabetriebs für die Ringer ein Hauptziel. Derzeit konzentriert sich das sportliche Geschehen beim ASV auf den Jugendbereich. Im Aktivensektor tauchten die Kornwestheimer zuletzt in der Saison 2017 auf, als sie mit der BG Remseck 2 eine Kampfgemeinschaft in der Bezirksklasse bildeten.

Bei der Skizunft ist man überzeugt vom gegenseitigen Nutzen. „Für uns wäre das Ringen ein zusätzlicher Programmpunkt in unserem Angebot. Beide können voneinander profitieren“, sagt Uwe Heinle. Er selbst freue sich auf die neue Sportart.

Doch nicht alles ist vor der Abstimmung eitel Sonnenschein: Beim Stadtverband für Sport ist man ein wenig irritiert. „Ich habe von den Plänen Anfang der Woche nur indirekt erfahren“, sagt der Vorsitzende Marcus Gessl, „da war ich schon etwas enttäuscht.“ Weder die Skizunft noch der ASV hätten sich vorab bei ihm gemeldet. „Wir als Verband wären gerne bereit gewesen, mit all unserer Erfahrung zu helfen, zu moderieren und gegebenenfalls einen runden Tisch zu organisieren.“ Auch finanzielle Unterstützung sei möglich.

So bedauert Gessl nun, „dass sich ein traditionsreicher Mitgliedsverein des Stadtverbands mit einer so langen Geschichte auflösen muss“.